Anja Ginterreiter (rechts) mit der stellvertretenden Restaurantleiterin Miriam Leitner. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Betreiber des Cantinettas sind weitergezogen. Und zwar in die Vereinsgastronomie des Tennisclubs Doggenburg. Wir haben die neue Lokalität getestet.

Stuttgart - Es ist durchaus entspannend, einen Abend auf der Terrasse des Lokals des Tennisclubs Doggenburg zu verbringen. Das Wasser plätschert im Teich, man hört die Bälle beim Aufschlag, sieht jungen Mädchen beim Tennisspiel zu, Kinder schlotzen Eis, Muttis trinken Kaffee und später Rosé. Mehr Klischee geht nicht.

Das Ambiente ist stehengeblieben in einer Zeit, in der Holzdecken, Teppichböden, Natursteinwände und tannengrüne Bestuhlung en vogue waren. Abgesehen von den Lampen (die 80er Jahre lassen grüßen!) hat dieser Stil durchaus noch seine Fans.

Die Gastronomie aber geht mit der Zeit. Anja Ginterreiter und Martin Bauer, die zuvor einige Jahre das Cantinetta in der Tunzhofer Straße betrieben haben, kümmern sich jetzt um das Lokal des Tennisclubs. Es gibt hausgemachte Kuchen, durchgehend eine Vesperkarte, das Frühstück soll erweitert werden und für den Herbst sowie Winter ist einiges mehr geplant. Ja: Das Platz 12 ist eine Vereinsgastronomie, die ein breites Spektrum bieten muss. Aber auch eine, in der auch Stuttgarts High Class verwöhnt werden will. Ginterreiter und Bauer machen einiges anders als im Cantinetta. Sie reisen nicht mehr alle paar Wochen kulinarisch durch die Regionen Italiens, sondern bieten eine Küche, die allen schmeckt. So finden sich auf der regulären Karte schwäbische Klassiker, aber auch Spaghetti mit Pesto oder ein Club-Burger.

Die Maultaschen sind geschmacklich topp

Auf der Empfehlungskarte jedoch fühlt man sich doch an das Cantinetta erinnert. So wählen wir zur Vorspeise das Carpaccio vom Oktopus (9 Euro). Die feinen Scheiben liegen auf einem Bett von Ruccola, begleitet werden sie von etwas Salz, Pfeffer, Olivenöl und Zitrone. Mehr braucht es auch nicht. Der TCD Club Burger mit Pommes (9,50 Euro) hat das Zeug zum Klassiker – das Patty ist gut, aber durch gebraten, zwischen den Brötchenscheiben finden sich ganz klassisch Salat, Tomate, Käse, Ketchup und Mayo. Der Rostbraten mit sehr dünnen, sehr krossen Bratkartoffeln (17 Euro) ist durchwachsen und teilweise etwas zäh. Die geschmälzten, hausgemachten Maultaschen (10 Euro) sind geschmacklich topp. Ungewohnt ist aber, dass sie nicht nur mit geschmälzten Zwiebeln, sondern in einer hervorragenden Bratensoße serviert werden.

Eröffnet hatte das Platz 12 bereits Ende April. Meist einen Monat Zeit zum einspielen, geben die Tester einem neuen Team – wie es auch hier der Fall ist. Im Service hapert es dennoch ein wenig: Die Maultaschen kommen ohne Kartoffelsalat auf den Tisch. Auf das Malheurchen aufmerksam gemacht, entschuldigt sich Anja Ginterreiter herzlich und der Espresso geht aufs Haus. Ja, warm gespielt, haben sie sich schon mal auf der Doggenburg, aber da geht sicherlich noch mehr. Man muss zur „Revanche“ einfach noch mal vorbei schauen.

Platz 12, S-Nord,Feuerbacher Heide 19, Telefon 01 72 / 5 85 19 85, www.platz12-stuttgart-de. Öffnungszeiten: bis September täglich 10.30 bis 23 Uhr, warme Gerichte von 11.30 bis 14 und 17 bis 22 Uhr

Die Bewertung:

Küche drei von fünf Sternen

Service drei Sterne

Ambiente drei Sterne

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