Neuer Standort, altes Konzept: Besitzerin Birgit Grupp im Stadtbesen Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Etwas kleiner, aber dafür an auffälligerer Stelle: das Weinlokal ist in die Calwer Straße umgezogen. Im Stadtbesen lässt sich es sich hervorragend durch Württemberg trinken.Den Wein gibt es auch zum Mitnehmen – und zu guten Preisen.

Stuttgart - Im Wirtshaus Paulaner kommt jetzt alles zusammen: bayerische Küche, italienische Enoteca und schwäbischer Wein. Birgit Grupp hat ihren Stadtbesen vom Rathaus am Marktplatz in die Calwer Straße verlagert. In dem Nebenraum des Wirtshauses wurden schon allerhand Konzepte wie etwa Joghurteis probiert, aber der Weinausschank scheint den Gästen hervorragend zu schmecken. Samstags ist der Laden voll, und sogar montags um 16 Uhr schnuppern dort schon die ersten am Bukett ihres Weins. Das lässt sich leicht erklären: Der Stadtbesen ist eines der wenigen Lokale in der Stuttgarter City, das den Württemberger Wein in einer beachtlichen Bandbreite ausschenkt.

Der Stadtbesen reiht sich gut in die Kette der Lokale ein

Die Calwer Straße hat sich zur hippen Gastromeile entwickelt, der Stadtbesen reiht sich gut in die Kette der Lokale ein. „Wer die Wahrheit im Wein finden will, darf die Suche nicht schon nach dem ersten Glas aufgeben“, steht auf einer Tafel vor dem Eingang. Von A bis Z reicht die Palette der Württemberger im Stadtbesen – von den alteingesessenen Aldingers bis zum Überflieger Jens Zimmerle. Allein 13 Rieslinge, 14 Lemberger und 15 Cuvées aus der Region Stuttgart und dem Unterland stehen auf der Karte. Vom Riesling „Alte Reben“, den das Collegium Wirtemberg produziert (25,30 Euro für 0,75 Liter) kann man sich bis zum Großen Gewächs vom Weingut Karl Haidle (49,80 Euro) hochtrinken.

Jeden Monat wird ein Weingut vorgestellt

Außerdem wird jeden Monat ein Weingut genauer vorgestellt, im März waren es neun Tropfen von Jürgen Zipf aus Löwenstein. Zwischen 3,50 und 4,30 Euro kostet ein Glas (0,1 Liter). Grüner Silvaner, Grauburgunder, Rosé und Spätburgunder stehen zur Auswahl. Wer nicht genug davon kriegen kann, kauft sich eine Flasche zum Mitnehmen. Die Besitzerin garantiert „fast Winzerpreise“. Tatsächlich kostet die Rotweincuvée Prestige mit 13,50 nur einen Euro mehr als im Weingut. Dafür spart man sich die Fahrt in den Kreis Heilbronn.

Damit handelt es sich beim Stadtbesen um die schwäbische Variante einer italienische Enoteca – eine Probierstube, in der es auch etwas zu essen gibt. Genau dieses Konzept schwebte Birgit Grupp vor, die italophil und Teil der Wirtsfamilie Brunner ist, als der Stadtbesen im Sommer 2010 im Rathaus eröffnete. „Wir sind happy“, sagt sie über den neuen Standort, der etwas kleiner ausfällt als bisher. Dafür ist es gemütlich, an dem langen Holztisch zu sitzen, wo man locker ins Gespräch mit dem Nachbarn kommt. Während sich der Durst exzellent löschen lässt, fällt das Essensangebot allerdings etwas mager aus. Es gibt Oliven, Salami oder eine Käseplatte, die wenig einfallsreich und mit 10,90 Euro nicht gerade günstig ist. Ansonsten dürfen sich die Gäste auch bayerische Spezialitäten zum schwäbischen Wein bestellen. Aber diese Kombination passt nicht wirklich zum schwäbischen Enoteca-Konzept.

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