Restaurant-Test: Mediterraneo in S-Möhringen Griechische Basisküche mit Charme

Von Anja Wasserbäch 

Konstantinos Tsakiris (links) und sein Team im Mediterraneo Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Konstantinos Tsakiris (links) und sein Team im Mediterraneo Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

In Möhringen wird man kulinarisch nicht überrascht. Aber das ist ganz gut so, denn hier findet man all die Klassiker, die man seit 20 Jahren kennt und liebt.

Stuttgart - Ein interessiertes Paar schaut sich die Karte im Aushang an: Bis auf die regionalen Gerichte (Jägerschnitzel, Zwiebelrostbraten) ist das Repertoire sehr griechisch und sehr altmodisch, was in diesem Fall aber keineswegs negativ gemeint ist. Wir sind beim Griechen, den es seit etwa drei Monaten in Möhringen gibt. Und weil man quasi in Echtzeit mitbekommt, was die Leute anderswo so machen, erreicht uns am Tisch eine Whatsapp aus Berlin. „Wir sind in Kreuzberg.“ – „Pah, Kreuzberg kann jeder. Möhringen muss man wollen“, sagt das Gegenüber.

Die meisten Gäste an diesem Samstagabend scheinen Menschen aus der Nachbarschaft zu sein. Das neue Ecklokal, das Mediterraneo by Tsakiris heißt, ist sehr klassisch, hat ornamentale, wunderschöne Bodenfließen, schlichte Holztische, Tulpen und dunkelgrüne Papierservietten darauf. Hier wird jedwedem Trend die kalte Schulter gezeigt – optisch wie auch kulinarisch, denn es wird ganz klassische griechische Küche serviert. Die gab es so in Heumaden oder Höpfigheim wahrscheinlich schon vor zwanzig Jahren. Den Spießer in uns freut das sehr. In den letzten paar Jahren haben zwar modernere Griechen aufgemacht, was prinzipiell gut ist, aber manchmal muss es eben Suflaki, Gyros & Co. sein. Hier in Möhringen gibt’s kein Chichi, sondern das, was manche wohl authentisch nennen.

Der Chef kocht seit 34 Jahren

„Wo die Tradition die Küche bestimmt, schmeckt das Essen am besten“, steht passenderweise über der Speisekarte. Der Chef heißt Konstantinos Tsakiris, ist seit gut 34 Jahren Koch, arbeitete in Griechenland und in Deutschland und hatte schon mehrere Lokale.

Das Schöne an griechischem Essen sind ja eigentlich die Vorspeisen – ist und isst man zu mehreren. Wie heute am Testabend ordert man gleich ein paar Kleinigkeiten wie den Vorspeisenteller (6,90 Euro) mit den üblichen, aber sehr guten Cremes, die traumhaften Zucchini und Auberginen (6,90 Euro), die sehr fein paniert sind, und auch den Feta (7,90 Euro), der in Filoteig mit Honig gebacken wurde. Danach sind die Hauptgerichte eine Herausforderung. Die Dorade (17,90 Euro) ist saftig, wie sie sein muss. Die Kartoffeln dazu sind kross. Zu den Lammkoteletts (16,90 Euro) gibt es wahlweise gegrilltes Gemüse und auch noch einen Salat. Das ist alles gut, aber eben nicht raffiniert.

Bei den sehr ordentlichen Portionen findet leider kein Nachtisch mehr Platz, dabei könnte man hier griechischen Walnusskuchen probieren. Die freundliche Bedienung bringt dennoch einen Teller voll Hefeteigbällchen mit Zucker drum herum. Hach, ist das alles nett hier. Griechische Lieder kommen aus den Boxen, zum Abschied gibt es einen Handschlag der Bedienung. Und an der Wand steht wirklich: „Frauen sind romantischer, wenn sie satt sind.“ Keine Sorge, das wird man hier.

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