Der Feinkost-Importeur Javier Sanz hat jetzt sein eigenes Lokal. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Am Leonhardsplatz, der eigentlich gar keiner ist, kommt den Gästen manches spanisch vor. Javier Sanz ist in der Stadt kein Unbekannter: Der gebürtige Argentinier mit italienischen und spanischen Wurzeln hatte seit 2007 einen Stand in der Markthalle.

Stuttgart - Nur wer läutet, darf (vielleicht) hinein­. Die Klingel hat drei Gründe: Zum einen ist das Ecklokal am Leonhardsplatz winzig, zum andern ist das Publikum in diesem Quartier positiv gesagt bisweilen schillernd, und zum Dritten will Javier Sanz sich in seinem Restaurant ebenso wohlfühlen, wie seine Gäste es sollen. Daher: „Ich lasse nicht jeden rein.“

Wir haben am frühen Abend Glück und ergattern einen der schmalen hohen Tische im La Casona Sanz, das im September in einer ehemaligen Galerie eröffnet hat. Sanz hat alles renoviert und einen wunderschönen Boden aus Holz und Fliesen verlegt. Rechts am Eingang ist die Theke, dahinter seine Miniküche. Die Gerichte stehen auf einer Tafel, die Einrichtung ist ein sehr persönlicher Mix aus diversen Memorabilia.

Javier Sanz ist in der Stadt kein Unbekannter: Der gebürtige Argentinier mit italienischen und spanischen Wurzeln hatte seit 2007 einen Stand in der Markthalle. Jetzt hat er ins eigene Lokal gewechselt, wo er aber nach wie vor Feinkost, Weine und Spirituosen zum Mitnehmen verkauft. „Ich habe hier meine eigene kleine Markthalle“, sagt er. Und seine One-Man-Show: Sanz ist Weinberater, Kellner und Koch in einem.

Ein Gedicht sind die Scheiben vom Pata-Negra-Schinken

Bestellt wird bei ihm an der Theke, etwa die klassischen Tapas auf Baguettescheiben – kleine Kunstwerke zu je zwei Euro. Zum eiskalten Cava (5 Euro) schmeckt die säuerliche Version mit Meerrettich, Spargel und Räucherlachs. Der samtige Merlot aus der Barrel Selection von Salentein aus Argentinien (5 Euro für 0,1 Liter) und erst recht der Malbec (8 Euro für 0,2 Liter) vertragen eines der warmen Sandwiches. Der Chef schneidet eine schöne Scheibe vom Roastbeef ab und grillt sie auf der heißen Platte – bald weht ein verführerischer Duft durchs Lokal. Dazu Tomatenscheiben, Salatblatt, Salsa, fertig ist der Lomito argentino (9,90 Euro), aus dem es bei jedem Bissen unweigerlich auf die Plastikschale tropft. Die Version mit Chorizo ohne Darm – Choripán (5,90 Euro) – ist ebenso herzhaft. Zwar gibt es auch vegetarische Gerichte, aber die Casona Sanz ist eindeutig ein Eldorado für Fleischliebhaber. Bester Beweis: der perfekt gegarte Burger vom Angusrind (mit 250-Gramm-Patty für 12,90 Euro).

Ein Gedicht sind auch die Scheiben vom Pata-Negra-Schinken, die Sanz von der Keule schneidet: vier Jahre gereift, mit feinem Schmelz und leider happigem Preis: 19,35 Euro für 90 Gramm. Dafür sind die Weine für die Citylage recht fair kalkuliert. Das Zehntel Sauvignon Blanc Sanz – die Namensgleichheit ist Zufall – gibt es für 3,50 Euro, das Tapas-Menü mit einem Glas Wein und vier Häppchen für 9,90 Euro.

Die Casona Sanz ist ein Ort der Entschleunigung. Man sitzt, isst, schaut. Drinnen brummt der Laden, draußen allmählich das Amüsierviertel. Sind wir hier wirklich im aufgeräumten Stuttgart?

Die Bewertung

Küche: drei Sterne

Service: drei Sterne

Ambiente: drei Sterne

****** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

Die Adresse:

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: