Restaurant-Test: La Buona Forketta in Nürtingen Eine ordentliche Gabel Italien

Von Matthias Ring 

Stefano Esposto, der neue junge Chef am Nürtinger Schillerplatz Foto: Ines Rudel
Stefano Esposto, der neue junge Chef am Nürtinger Schillerplatz Foto: Ines Rudel

Jünger, moderner, eleganter: In der Nürtinger City hat ein Generationenwechsel stattgefunden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist weiterhin gut, manches ließe sich noch verfeinern.

Nürtingen - Das wäre schon ein schwerer Schlag, wenn es das Incontro in der Stuttgarter Calwer Straße auf einmal nicht mehr geben würde. Aber auch das Verschwinden des L’Incontro in der Nürtinger Fußgängerzone kam zumindest für Gelegenheitsgäste von außerhalb überraschend. Michele Rinaldi hat sich in den Ruhestand zurückgezogen, sein Enkel Stefano Esposto, der seit vier Jahren in Deutschland lebt und zuvor in Apulien in der Gastronomie tätig war, hat übernommen – und einiges verändert. Nicht nur den Namen, sondern er hat das winzige Lokal mit seiner rustikalen Küche renoviert und vor allem vergrößert. 48 Gäste kommen dank der Erweiterung nach nebenan in einen ehemaligen Schmuckladen jetzt unter. Der Look in Rot mit Holz ist moderner und einheitlicher, auch im ursprünglichen Bereich, der dank des urigen Ausschanks nichts von seiner Heimeligkeit verloren.

Von der kulinarischen Ausrichtung ist La Buona Forketta nicht das, was man gemeinhin einen Edelitaliener nennen würde, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gut geblieben: Pizza gibt es von 6,90 bis 9,50 Euro, Pasta kostet auf der regulären Karte zwischen 7,50 und 10,50 Euro. Indiz für einen „normalen“ Italiener sind zudem die, nun ja, trinkbaren Weine: Die offenen kosten allesamt 4,50 Euro das Viertele und sind nicht genauer spezifiziert außer als Primitivo, Montepulciano, Lambrusco. Dafür werden sie in beinahe randvollen Rosenthal-Gläsern kredenzt.

Manchmal wäre weniger eben doch mehr

In Sachen Portionsgröße wäre auch bei der ersten Vorspeise weniger mehr gewesen – bei dementsprechendem Preis. Das Carpaccio di Polpo (11,50 Euro) war ein ordentlicher Berg Octopusscheiben – zart, frisch, sauber – auf einem banalen Salatbett. Das Verdure Miste (8,50 Euro) war ein mediterraner Gemüsesmix, der vielleicht auch jahreszeitenbedingt nicht viel Eigengeschmack hatte und – wie leider oft üblich – in zu viel Öl schwamm. Zur Hauptspeise begegnete er uns wieder, diesmal in weniger Öl und mit zusätzlichen Kartoffelstücken herzhaft-erdiger. Das Kalbskarree (23,50 Euro) von der Tagestafel hatte wie angekündigt tatsächlich eine „Spitzenqualität“ und war so perfekt gewürzt wie gegrillt, außen leicht kross, innen zart rosa. Die Spaghetti mit Steinpilzen und Knoblauch (11,50 Euro) waren eine Art Aglio e Olio, kamen also ganz ohne Sahne aus und hatten dafür wirklich Aroma von Steinpilzen. Als Abschluss gab es eine etwas zu feste hausgemachte Panna Cotta im Glas mit Waldbeeren (4,50 Euro) und eine große Kugel Vanilleeis mit Espresso übergossen (4,50 Euro). Danach muss man bei vielen deutschen Italienern fragen – hier steht der Affogato al Caffé auf der Karte, wird aber unnötigerweise mit Sahne serviert.

Obwohl sich an der Küche noch manches verfeinern ließe, sagen wir als Fazit: so gut wie gut – und bestimmt noch besser in der Open-Air-Sasion, wenn man am Schillerplatz prima draußen sitzen.

Die Bewertung:

Küche zweieinhalb von fünf Sternen

Service drei Sterne

Ambiente dreieinhalb Sterne

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