Der Erfolg liegt nicht auf der Straße: Der Rennstall der Hochschule Esslingen musste sich seine Erfolge bei der Formula Student 2023 hart erarbeiten. Erstmals ging die Crew mit einem reinen Elektro-Auto an den Start.
Der Rennstall der Hochschule Esslingen hat die Kurve gekriegt. Trotz einiger Kehrtwenden in Konstruktion, Struktur und personeller Besetzung ist das rasante Team um Leiter Markus Nenzel auf der Überholspur geblieben. Vier Starts hat die Crew mit ihrem Stallardo 23 bei der Formula Student in dieser Saison hingelegt – und die Bilanz der Mannschaft fällt positiv aus.
Eine komplett neue Fahrtrichtung musste der Rennstall nicht einschlagen. Doch einige Neuerungen mussten erfahren und mit dem alt-bekannten Team-Spirit bewältigt werden. Beim Rückblick auf die Renn-Saison 2023 spricht Markus Nenzel von einem „sehr guten Abschneiden“. Beim Auftaktrennen im Juli in Österreich gab es zunächst einen Kaltstart und es reichte lediglich für einen 17. Platz. Doch die Hochschul-Crew trat weiterhin das Gaspedal durch und schaffte beim Start auf dem Hockenheimring in Deutschland einen fünften Platz und wurde beim Nachfolgewettbewerb in Ungarn Zweiter. Zum Saison-Ende reichte es sogar für die Pole-Position: In Kroatien landete die Crew auf Platz Eins und dem Siegertreppchen.
Den Tiger und mehr im Tank
Viele Jahre hatte das Rennstall-Team der Hochschule Esslingen den Tiger und noch mehr im Tank gehabt und Spitzenplatzierungen bei der Formula Student, einem internationalen Konstruktionswettbewerb für Studierende, belegt. Doch 2023 musste die Crew in vielen Bereichen eine Vollbremsung hinlegen und noch einmal neu durchstarten. Nachdem im Vorjahr noch ein Hybrid-Auto an den Start gegangen war, setzte das Team 2023 auf ein reines E-Auto. Für die Teilnahme bei der Formula Student müssen die Studierenden jährlich einen neuen Boliden auf die Räder stellen, den sie selbst entwerfen, überarbeiten, verbessern und herstellen. In den Vorjahren war am Campus in Göppingen ein E-Auto produziert worden, in Esslingen wurde an einem Verbrenner oder später an einem Hybrid-Auto geschraubt.
Zur nächsten Saison 2024 seien auf dem Hockenheimring definitiv nur noch E-Autos zugelassen, so die Verantwortlichen. Darauf wolle man vorbereitet sein, und so wurde das Know-how aus Esslingen und Göppingen zusammengelegt. Es sei eine zentrale Fahrzeugmanufaktur in Esslingen aufgebaut und ein neues Gesamtteam geschaffen worden, erklärt Markus Nenzel: „Hinzu kommt das Umsetzen des Technologiewandels zum Hochvolt-Rennfahrzeug.“ Zudem gab es einen Personalwechsel im Cockpit: Der langjährige Leiter des Rennstalls Professor Karl-Ludwig Haken wurde in den Ruhestand verabschiedet, Markus Nenzel übernahm.
Der größte Faktor ist Zeit
Der bestimmende Faktor bei der Teilnahme an der Formula Student sei die Zeit, denn das Fahrzeug müsse ja rechtzeitig zum Rennstart fahrfit sein, meint der neue Rennstall-Leiter Markus Nenzel. Das habe das Team vor große Herausforderungen gestellt. Denn erst nachdem die vielen Neuerungen umgesetzt worden waren, habe verspätet mit der eigentlichen Fahrzeugentwicklung gestartet werden können: „Die Konkurrenz, namhafte große Universitäten, haben bereits jahrelange Erfahrung“, sagt er. Esslingen als kleine Hochschule mit einem begrenzten Platzangebot, eingeschränktem Budget und geringerer Manpower habe dennoch gut abgeschnitten. Das Mitfahren an der Weltspitze sei daher eine Erfolgsstory. Doch beim Esslinger Rennstall-Team werden nicht nur versierte Schrauber und Tüftler gebraucht. Studierende aller Fachrichtungen der Einrichtung könnten sich beim Rennstall bewerben, so Markus Nenzel: „Es gibt vielfältige Aufgaben.“
Mehr zum Rennstall steht unter https://rennstall-esslingen.de/