70 Prozent der Formel-1-Piloten – hier der Franzose Pierre Gasly – fahren mit einem Helm von Bell. Foto: imago//Florent Gooden

Der Rennsport ist für die Öffentlichkeit in Italien nach wie vor von zentraler Bedeutung. Auch für Unternehmen ist der Rennsport wichtig. Eine besondere Rolle spielt ein Unternehmen aus einem kleinen Ort im Hinterland von Genua.

Wirtschaftlich ist Ferrari enorm erfolgreich, und an der Börse ist der Sportwagenproduzent ein Schwergewicht, dessen Aktienkurs immer neue Höhen erklimmt. Doch in der Formel 1 läuft es in diesem Jahr nicht nach Wunsch. Der letzte (Konstrukteurs)-WM-Titel wurde 2008 eingefahren. Immerhin: In diesem Jahr hat Ferrari das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen.

 

Der Rennsport ist für die Öffentlichkeit in Italien nach wie vor von zentraler Bedeutung: Die Berichterstattung darüber nimmt viel Raum ein. Auch für Unternehmen ist der Rennsport wichtig: für die Entwicklung neuer Produkte, die dort erprobt werden, aber auch für das Image.

Viele Namen aus der Branche sind auch dem Racing-Laien bekannt, andere hingegen nur wahren Rallye-Spezialisten: Ferrari, die Rennställe Alfa Romeo und Alpha Tauri (früher Toro Rosso), der Chassis-Spezialist Dallara Automobile aus Parma, das auf die Herstellung von Hochleistungsreifen spezialisierte Unternehmen Pirelli, der Bremsenproduzent Brembo und viele hochspezialisierte Kleinunternehmen vor allem aus der Gegend um Bologna und Modena mischen ganz massiv mit.

Eine besondere Rolle spielt die Racing Force Group aus Ronco Scrivia, einem kleinen Ort im Hinterland von Genua. Der nach eigenen Angaben weltweit größte Produzent von Sicherheitsausstattung für den Rennsport, vor allem für Formel 1, Formel E, Rallyes und das Karting, ist seit November 2021 an der Mailänder Börse notiert und seit September des vergangenen Jahres auch am Pariser Aktienmarkt.

Die Racing Force Group mit den Marken OMP, Bell, Zero Noise und Racing Spirit produziert Sicherheitsgurte, Anzüge, Schuhe, Socken und Unterwäsche, Helme, Sitze und vieles mehr – insgesamt kommt sie auf 2000 sicherheitsrelevante Produkte für den Rennsport.

Ausgerüstet werden die Teams von Mercedes, Williams, Ferrari oder auch Fahrer wie Lewis Hamilton, Fernando Alonso oder Charles Leclerc. „Wir sind nicht im Autosektor tätig, sondern eher im Luxussegment. Und unsere Produkte sind nicht preissensitiv“, erklärt Paolo Delprato, der Geschäftsführer und Mehrheitsaktionär der Racing Force Group. „Wir sind in einem kleinen Markt von einigen Hundert Millionen Euro, aber mit einer riesigen Außenwirkung tätig“, sagt der Chef des Unternehmens, das im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 58,9 Millionen Euro kam und in diesem Jahr prozentual zweistellig wächst. Im Eingangsbereich hängen ehemalige rote Rennanzüge vom Rekordweltmeister Michael Schumacher.

Im Jahr 2019 kaufte die Racing Force Group den amerikanischen Helmproduzenten Bell. 70 Prozent der Formel-1-Piloten fahren mit Helmen von Bell, rund 50 Prozent der Piloten der Rallye-Weltmeisterschaft. Mit den Mitteln aus den Börsengängen plant Paolo Delprato weitere Akquisitionen und Innovationen. Er will diversifizieren und auch den Rüstungssektor beliefern: Demnächst wird die US-Airforce mit Helmen ausgestattet, die von Racing Force mitentwickelt wurden.

Die Produktionskapazitäten am Hauptsitz sowie in Mooresville (North Carolina) und Bahrain werden kräftig ausgebaut. „Wir brauchen neue Kapazitäten“, sagt Delprato, der 52,7 Prozent der Anteile hält. „Wir sind ein kleines multinationales Unternehmen, das in weltweit 80 Ländern präsent ist“, erklärt er. 140 der weltweit 600 Mitarbeiter arbeiten am Hauptsitz, der Rest verstreut sich auf sechs weitere Werke und zwei Forschungs- und Entwicklungsstandorte.

Wesentlich größer ist Pirelli, seit 2011 exklusiver Reifenausrüster der Formel 1 und in mehr als 300 Wettbewerben weltweit dabei. Branchenkenner glauben, dass die Rechnung dieses Engagements rein betriebswirtschaftlich nicht aufgeht. Doch Pirelli profitiert in hohem Maß von dem Technologietransfer auf straßenfähige Produkte. Hinzu komme eine sehr positive Imagewirkung. Viele Marketing- und Promotion-Aktivitäten sind eng mit der Formel 1 verbunden.

Der Bremsenhersteller Brembo aus Bergamo beliefert die Formel 1 seit 1975. Erster Kunde war Ferrari. Heute werden nach Angaben von Brembo alle Formel-1-Teams mit Bremssystemen ausgestattet – also alles von Bremssätteln, Pumpen und Bremsscheiben über Reibmaterial wie Scheiben und Beläge. Brembo ist seit fast 50 Jahren in den wichtigsten Zwei- und Vierrad-Rennsportwettbewerben vertreten. Die Welt des Motorsports sei „ein hervorragendes Labor, in dem die innovativsten technologischen Lösungen getestet und oft Jahre später auf Straßenautos und Motorräder angewendet werden“, heißt bei Brembo. Die hochentwickelten Konstruktionsmethoden ermöglichten es, „für jedes Team ein Bremssattelmodell zu entwickeln, das das gewünschte Verhältnis ergibt“.

Schaufenster des Made in Italy

Rennsport
Nach jahrzehntelanger Abwesenheit ist Maserati 2023 in den Rennsport zurückgekehrt und hat in der Elektro-Weltmeisterschaft der Formel E auch einen ersten Sieg eingefahren. Der frühere Rallye-Seriensieger Lancia plant dagegen keine Rückkehr in den Rennsport. Weitgehend daraus zurückgezogen hat sich auch die frühere Fiat-Tochter Magneti Marelli, die heute unter japanischer Kontrolle steht.

Zweiräder
Der Zweiradhersteller Ducati, eine Audi-Tochter, dominiert den Motorsport auf zwei Rädern. Auch die Piaggio-Tochter Aprilia ist dabei, während sich MV Agusta aus der Motorrad WM verabschiedet hat.