Mit Wohnbau statt Kellerei wird es in Beutelsbach vorerst nichts. Foto: Gottfried Stoppel

Die Strategie der Remstalkellerei hat sich verändert. Was wird aus den Plänen für Wohnbau an Stelle der Kellerei in Beutelsbach – und was kommt auf die Wengerter zu? Der Vorstandsvorsitzende gibt Einblicke.

Das Ergebnis des Investorenauswahlverfahrens liegt auf dem Tisch. Doch landet das Konzept nun in der Schublade? Schließlich waren die Vorzeichen, unter denen es die Stadt Weinstadt mit der Remstalkellerei im Frühjahr 2021 gestartet hat, völlig andere als jetzt.

 

Damals plante die Genossenschaft den Bau einer Zentralkelter in Remshalden-Grunbach, wofür unter anderem auch der Hauptsitz in Beutelsbach aufgegeben werden sollte. Die Investitionskosten von 20 bis 25 Millionen Euro sollten durch Eigenkapital finanziert werden. „Wir geben einen Standort auf, der Wert hat, und auch die Ortskeltern werden einen Beitrag leisten müssen“, sagte im Herbst 2022 der damalige Vorstandsvorsitzende der Remstalkellerei, Peter Jung, zu Grundstücksverkäufen. Da boomte der Immobilienmarkt noch.

Eine Strategie der kleinen Schritte

Doch der Verkauf des Beutelsbacher Kellereigeländes an einen Bauträger kam nicht zustande. Inflation und Preissteigerungen setzten derweil nicht nur der Baubranche zu, sondern auch dem Weinmarkt – was auch die Remstalkellerei zu spüren bekam. Um rund 20 Prozent ging in der Folge allein ihr Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel zurück. Die Genossenschaft verabschiedete sich von ihren Neubauplänen.

Unabhängig davon habe man das mit der Stadt begonnene Investorenauswahlverfahren abgeschlossen, erklärt der neue Vorstandsvorsitzende Martin Kurrle im Gespräch mit unserer Zeitung. Nun müsse man schauen, wie man am alten Standort weitermache. „Wir sind mit der Auswertung und Entscheidungsfindung befasst.“

Derweil verfolgt man nun statt dem ganz großen Schlag durch einen zentralen Neubau bei der Umstrukturierung der Remstalkellerei eine Strategie der kleinen Schritte. Oder, wie Kurrle es ausdrückt: „Wir werden den Betrieb weiterentwickeln, fahren dabei aber auf Sicht, bis man sieht, wie sich die Großwetterlage verändert.“ Momentan sei die Ertragslage schwierig durch diverse Kostensteigerungen für Flaschen, Verschlüsse, Kartonage ebenso wie für Energie.

Als erster Schritt sei geplant, die Traubenannahme an der Kelter in Schnait auszubauen. Statt wie bisher an drei Standorten Schnait, Grunbach und Endersbach sollen dann alle 400 Mitglieder mit eigenen Rebflächen im rund 300 Hektar großen Anbaugebiet der Remstalkellerei ihre Trauben dort abliefern können. „Wir versprechen uns davon deutliche Kosteneinsparungen, auch vom Personal her.“ Über deren Höhe könne er noch nichts sagen.

Spitzenweine stehen im Fokus

Fest stehe aber, dass man damit ein Drittel weniger Personal bei der Traubenannahme brauche. Im Zuge des Ausbaus, der bis zur Lesezeit 2024 fertiggestellt sein soll, werde man auch die in die Jahre gekommene Technik modernisieren. Insgesamt rechnet Kurrle mit Investitionskosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro. „Die Finanzierung ist mit Eigenmitteln gesichert.“

Derweil werde die Remstalkellerei weiterhin ihre Stärke ausspielen, die für Kurrle im besonderen Terroir des Remstals liegt mit seinen Gesteinsformationen und luftig-kühlen Weißweinlagen. Davon, dass dies der Genossenschaft in diesem Jahr gelungen ist, zeugen mehr als 30 Goldmedaillen, die sie über das Jahr bei unterschiedlichen Wettbewerben gewonnen hat. „Das ist eine Ansage“, verkündet Kurrle stolz, der die Zukunft der Kellerei darin sieht, die Gesamtproduktion nach Spitzenweinkriterien auszurichten.