Zwischeninspektion bei einem Grad Celsius: Die Station „Belvedere“ wird bestaunt. Foto: Patricia Sigerist

Der Berliner Star-Architekt Frank Barkow stellt die von seinem Büro konzipierte Fellbacher Station „Belvedere“ vor. Die Pergola bietet vom Frühjahr an Radlern und Wanderern eine Rast-Stätte und ermöglicht auch Weinproben.

Fellbach - Zweiter cooler Termin in dieser Woche, um bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt imposante Appetithäppchen fürs Großereignis im kommenden Sommer zu servieren. Nach dem öffentlichen abendlichen Testlauf der neuen Fontänen im Park der Schwabenlandhalle am Montag folgte am Donnerstagvormittag der Marsch zum östlichen Kappelberg. Gut 50 interessierte Gäste pilgerten den Hang hinauf – etliche Stadt- und Kreisräte, einige Wengerter, Verbands- und Firmenchefs und als Überraschungsgast der frühere Fellbacher Baubürgermeister Eckart Rosenberger.

Dort, auf halber Höhe des Bergs, stellten Star-Architekt Frank Barkow und sein Mitarbeiter Lukas Weder die vom in Berlin ansässigen Architektenbüro konzipierte Pergola vor. Dabei handelt es sich um den Fellbacher Beitrag zu jenen insgesamt 16 Kunst-Stationen, die in jeder der an der Remstal-Gartenschau 2019 beteiligten Kommunen ­errichtet werden.

Passend dazu wird die Station mittlerweile unter dem Titel „Belvedere“ geführt

Für das Projekt, anfangs noch unter dem Signet „Weißes Haus“ beworben und mittlerweile in „Weiße Station“ umbenannt, wurde jeder Stadt oder Gemeinde eine ­renommierte Architektengemeinschaft zugelost. Fellbach bekam dabei das von Frank Barkow und Regine Leibinger geleitete, weltweit bekannte Büro in Berlin (rund 60 Mitarbeiter) ab – sicher nicht die schlechteste Wahl der Glücksgöttin.

Stadtchefin Gabriele Zull jedenfalls lobte bei der Begrüßung nicht nur, dass das auf der ganzen Welt und nun auch in Fellbach aktive Duo Barkow/Leibinger „ein Kunstwerk kreiert“ habe. Sondern schwärmte angesichts des für wenige ­Minuten gar von der Sonne beschienenen Remstals davon, welchen „wunderbaren Blick“ man von diesem Ort habe – nicht nur bei kristallklarer Luft wie am Donnerstagvormittag.

Passend dazu wird die Station mittlerweile unter dem Titel „Belvedere“ geführt – was wörtlich übersetzt eben „schöne Aussicht“ bedeutet. Mehrere, sich über viele Monate hinziehende Suchläufe waren notwendig gewesen, ehe nun jener Standort am Wegedreieck im Gewann Wiflinger – einige hundert Meter oberhalb der bekannten sogenannten „Spinne“ gelegen – fixiert wurde.

Der am Donnerstag eigens für diesen Termin aus Berlin an den Kappelberg ­gereiste 61-jährige Frank Barkow verglich die Fellbacher Pergola mit ähnlichen Projekten seines Büros in London oder Venedig. Ein erstes ­Geflecht – unter Experten als Raumfachwerk bezeichnet – zeigt ­bereits die künftige Architektur. Die Form ist fragil und leicht. Die Pergola ist vom ­Namen her eine Rankhilfe, „sie ist aber ebenso ein kleiner Tempel wie auch eine immaterielle Wolke“, erläuterte Barkow.

Für die technische Umsetzung ist das Stuttgarter Ingenieurbüro von Werner Sobek verantwortlich. Die gemeinsam entwickelte Dachstruktur besteht aus Stahlelementen, die ein räumliches Fachwerk bilden, das auf schlanken Stützen ruht. Drei Tonnen Material sind auf jenem Areal verbaut worden, erklärte der mit der Feinjustierung der „Weißen Station“ in Fellbach betraute Barkow-Mitarbeiter Lukas Weder. Dazu gehören auch jene zwei Findlinge aus Muschelkalk, die als eine Art Bank und Tisch zur Rast einladen.

Alle Stahlelemente hintereinander gelegt, käme man auf 662 Meter, erklärte der Architekt. „Eine enorme Menge muss da gebogen und beschichtet werden.“ Und ausgerechnet genau unter einem Fundament der Stützen befand sich eine Wasserleitung, um die dann herumgebaut werden musste. „Die filigrane Pergola muss statisch genau berechnet sein und bedarf daher einer gründlichen Planung, damit die Stützen zwar sturmfest, aber trotzdem leicht sind“, sagte Baubürgermeister Beatrice Soltys. „Low tech vermischt sich mit high tech“, ergänzte Frank Barkow.

Für den Architekten soll diese Station ein Treffpunkt für Wanderer oder Radler werden, „ein Ort der Kontemplation“ mit Blick ins Remstal oder für genussreiche sommerliche Weinproben unter der Pergola – „allerdings bin ich eher Biertrinker“, scherzte der gebürtige Amerikaner.

Thomas Bopp, selbst Architekt und Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart, der einst die Initialzündung für die nächstjährige Remstal-Gartenschau gegeben hatte, bezeichnete den Fluss als „das erste verbindende Band“ des Remstals. „Das zweite Band sind nun die 16 Stationen.“Und eine davon demnächst in Fellbach. „Wir werden an ihr viel Freude haben“, erklärte Gabriele Zull, „das wird ein echter Treffpunkt werden – aber nur zu Fuß.“

Offiziell eingeweiht wird die Fellbacher Station gemeinsam mit allen weiteren 15 architektonischen Landmarken erst am 12. Mai kommenden Jahres.

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