Das Areal der einstigen Kläranlage wird zum Kunstraum. Foto: Patricia Sigerist

Gartenschau-Projekt mit Theater und Ausstellung unter freiem Himmel unter dem Motto „Die Schöpfung“. Der Bereich zwischen dem ehemaligen Klärwerk oben und dem Oeffinger Landungssteg drunten am Neckarufer verwandelt sich im Rahmen der Remstal-Gartenschau in ein großes Experimentierfeld.

Fellbach - Das Weidachtal nordwestlich der Oeffinger Umgehungsstraße ist zwar kein völlig unbekanntes Ziel für Ausflügler aus Fellbach oder Umgebung. Als besondere Attraktion ist es aber lokal wie überregional auch noch nicht bekannt. Das dürfte sich vom Frühsommer an allerdings ändern. Denn der Bereich zwischen dem ehemaligen Klärwerk oben und dem Oeffinger Landungssteg drunten am Neckarufer verwandelt sich im Rahmen der Remstal-Gartenschau in ein großes Experimentierfeld – zur kulturellen Bereicherung wie Begeisterung der hoffentlich zahlreichen Besucher. Motto des Gesamtprojekts: „Die Schöpfung – die vier Elemente“.

Es sind besondere Aktionen vorgesehen

Zwei wesentliche Kunstgattungen setzen diese Vorgabe künstlerisch um. Da ist zum einen das Theater im Polygon – sowie zum anderen der Verein Kunstwerk, der sein Domizil ansonsten in der Schorndorfer Straße in Fellbach hat. Die beiden Leiter der jeweiligen Fellbacher Kultureinrichtungen, der Regisseur Peter Hauser und der Fotograf Frank Paul Kistner, haben jetzt bei einem Besuch in unserer Redaktion die Ideen, Visionen und konkreten Umsetzungen vorgestellt.

Während das Kunstwerk mit seinen Präsentationen das Besichtigungsareal dauerhaft bespielt, präsentiert das Polygon sein Schauspiel an ausgewählten Tagen. Vorgesehen sind somit besondere Aktionen wie Tanzperformances, Lesungen, Theateraufführungen, Konzerte oder Workshops zwischen Mitte Mai und Ende September an insgesamt fünf verlängerten Wochenenden – weshalb diese Präsentationen die Titel „Weidach 1“ (zur Eröffnung) bis „Weidach 5“ (Finissage) tragen.

Im Mittelpunkt stehen dabei „die faszinierenden Baukörper der umgewidmeten, stillgelegten Kläranlage“, erläutert Frank Paul Kistner. Dieses Areal wird „zum Kunstraum, zum Experimentierfeld für zeitgenössische Kunst“. Dort, wo einst die Abwässer wieder aufgefrischt wurden, werden nun die vier Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde anlässlich der Gartenschau „inszeniert“, wie es heißt.

Die stillgelegte Kläranlage. Foto: Patricia Sigerist

Die Schauspieler des Polygons, das seine Theatercollage „Die Schöpfung“ an insgesamt drei Terminen aufführen wird, freuen sich nach Hausers Erläuterungen bereits jetzt auf die tolle Location: Als Stationentheater führt Erzengel Michael durch die drei sogenannten Tropfkörper der Kläranlage. „Dort hat es eine irre Akustik“, schwärmt Hauser. Mal wird unterwegs gespielt, mal auf einer Bühne. Einer der Akteure darf auf den Faulturm kraxeln und von dort oben herab deklamieren. Maximal 200 Besucher haben nach Hausers Einschätzung Platz in dem Tropfkörper.

Frank Paul Kistner beschreibt es so: „Die ausgeräumten Tropfkörper werden zum Ort einer ganz persönlichen Kunsterfahrung. Die großformatigen Bilder und akustischen Interventionen als Teil einer umfassenden Gesamtinstallation ermöglichen den Besuchern neue visuelle und zugleich auch akustische Erfahrungen.“ Die Aktionen und Präsentationen „bieten eine meditative Vertiefung in das Gesamtthema des Kunstraums, nämlich der Schöpfung“.

Anlocken soll das Projekt beispielsweise auch Pedaleure

Auch der mehrfache Besuch empfiehlt sich, sagt Hauser. „Wir haben dort jeden Monat eine andere Vegetation, also auch eine andere Atmosphäre.“ Der Titel „Die Schöpfung“, so der Regisseur, „passt zum Gebäude, das ist ein ursprünglicher, morbider Ort“. Kistner hat denn auch die Assoziation „einer kultisch-archaischen, ja einer Opferstätte“ samt der drumherum blutrot getränkten Wände der Tropfkörper.

Anlocken soll das Projekt beispielsweise auch Pedaleure, die an den Wochenenden in großer Zahl auf dem viel befahrenen Neckar-Radweg unterwegs sind und motiviert werden sollen, am Scillawald einen Abstecher die paar hundert Meter den Hügel hinauf zu unternehmen. Denn entlang dieses Kunstwegs von der Landungsbrücke hoch zu den Tropfkörpern präsentieren in dieser Dauerausstellung 25 Künstler des Vereins Kunstwerk ihre Exponate. Die bis 1,50 auf 3,50 Meter großen Arbeiten zu den vier Elementen – in den Gattungen Malerei, Fotografie oder Zeichnung – werden auf wind- und wetterfeste Banner (ähnlich wie Lastwagenplanen) übertragen. Dazu werden jeweils Stelen mit Informationen zu den Künstlern und ihrem Werk errichtet. Mal direkt am Weg, mal etwas in den Wald hinein platziert, präsentiert sich etwa alle 30 Meter ein Künstler – ausgewählt werden die Werke von Frank Paul Kistner und dem Leiter der Galerie der Stadt Fellbach, Heribert ­Sautter.

In den kommenden Wochen müssen noch die Wege hergerichtet werden, um auch Rollstuhlfahrern den Besuch der Ausstellung und der Performances zu ermöglichen. Wobei das Wetterrisiko bleibt – „es ist nichts überdacht“, sagt Hauser. Allerdings würde es ja durchaus zum Vier-Elemente-Motto passen, wenn der Himmel seine Schleusen öffnet und es „Katzen und Hunde regnet“. Und wenn alles klappt und ein Erfolg wird, sollen die Tropfkörper auch in den kommenden Jahren für ähnliche Kunstaktionen genutzt werden.

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