In manchen Orten gibt es Verordnungen, die das Betteln verbieten. Foto: dpa

Nutzer der Internetplattform Facebook beklagen sich über Bettler in Remshalden und vermuten Kundschafter für Einbrüche. Das Phänomen organisierter Hausierer sei nicht nur in Remshalden zu beobachten, sagt die Polizei. Einen Zusammenhang zu Wohnungseinbrüchen hingen können die Ordnungshüter pauschal nicht herstellen.

Remshalden - Nutzer des sozialen Internetnetzwerks Facebook berichten mutmaßlich Beunruhigendes aus Remshalden: Zwei bis drei Frauen würden Häuser nach möglichen Einbruchszielen auskundschaften. „Sie gingen in Gärten, schauten sich hinter Häusern um und gingen in Kellerabgänge“, schreibt eine Frau aus Remshalden. In Hebsack hätten die Frauen einem Mann ein englischsprachiges Heft der Zeugen Jehovas übergeben. Das aber sei offenbar nur ein Ablenkungsmanövergewesen: Das Heft sei vom September, obwohl es monatlich erscheine. Die Polizei sei verständigt.

Ein anderer Nutzer berichtet von jungen Männern, welche die Gegend unsicher machten. „Sie machen auch vor Wohnräumen nicht halt. Sie fordern sehr aggressiv und nachdrücklich Geld“, lässt er ebenfalls via Facebook verlauten. Diese Information habe er allerdings nur aus zweiter Hand. Von der Polizei aber sei keine große Hilfe zu erwarten. „Sie lehnt die Strafverfolgung im Grunde ab“, behauptet er.

In manchen Orten gibt es Verordnungen, die das Betteln verbieten – bislang, so eine Rathaussprecherin auf Nachfrage, habe es in der Gemeinde Remshalden dazu aber keinen Anlass gegeben. Dem örtlichen Ordnungsamt sind die Bettlergruppen nicht bekannt. „Wir werden die Sache aber jetzt im Auge behalten“, kündigt die Pressesprecherin an.

Holger Bienert vom Polizeipräsidium Aalen bestätigt hingegen, dass Anwohner aus den Remshaldener Teilorten Grunbach, Geradstetten und Hebsack in der vergangenen Woche herumziehende Gruppen gemeldet hätten. Dass von der Polizei keine Hilfe zu erwarten sei, sei aber falsch: „Wir sind den Hinweisen nachgegangen und haben auch eines der Pärchen kontrolliert.“ Es handle sich um Gruppen aus Südosteuropa, die von Ort zu Ort zögen und dort „Betteltätigkeit nachgehen“, wie Bienert sagt.

Das Phänomen sei allerdings nicht nur in Remshalden zu beobachten: Die Menschen gäben der Polizei gegenüber oft Pseudoadressen in Deutschland an, schliefen meist in Autos und tauchten nach einigen Tagen in anderen Städten wieder auf.

Pauschal könne man aber nicht sagen, dass die Bettlergruppen auch Einbrüche begingen. Wenn keine entsprechende städtische Verordnung existiere, sei das Betteln in Deutschland nicht verboten – auch nicht das Klingeln und Vorsprechen an Haustüren. „Aggressives Betteln, etwa, jemandem den Weg zu versperren oder trotz Aufforderung ein Grundstück nicht zu verlassen, dagegen schon“, sagt Bienert. Letzteres gehe „in Richtung Hausfriedensbruch“.

Der Polizeisprecher rät dringend, keine Fremden ins Haus zu lassen, „schon gar nicht, wenn es mehrere Personen sind“. Zumal in der dunklen Jahreszeit ohnehin besondere Vorsicht geboten sei: Erfahrungsgemäß werde die Zahl der Einbrüche auch in Remshalden in den kommenden Tagen und Wochen ansteigen. Das sei aber überall so und der Jahreszeit geschuldet. Wer in seiner Umgebung Unbekannte entdecke, die sich verdächtig verhielten, oder andere Beobachtungen mache, solle dies ruhig melden. „Lieber einmal zu viel die Polizei rufen als einmal zu wenig“, so Bienert. Die Mittel der Polizeiposten seien zwar begrenzt, doch konkreten Mitteilungen werde die Ordnungsmacht nachgehen und betroffene Gebiete auch stärker kontrollieren.

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