Die neue Präsidentin Sandra Geßner mit dem Shetlandpony Jimmy Foto: Eva Herschmann

Sandra Geßner ist am 1. Juli zur Präsidentin der Reitergemeinschaft Hegnach-Oeffingen gewählt worden. Die 38-Jährige sitzt nicht selbst im Sattel, ihr liegen vor allem die Menschen und Tiere am Herzen.

Sandra Geßner blickt vom Reiterstüble hinunter in die kleine Reithalle. Ihre fünfjährige Tochter Katharina führt dort ihr Shetlandpony „Jimmy“ herum. Genauer gesagt, das Mädchen geht voraus, und das 106 Zentimeter kleine Pony folgt ihr auf Schritt und Tritt. Sandra Geßner lächelt. Seit Juli ist die 38-Jährige aus Stuttgart-Sillenbuch die Präsidentin der Reitergemeinschaft Hegnach-Oeffingen mit ihren rund 300 Mitgliedern und 40 Pferden im Stall, darunter sieben Schulpferde, die dem Verein gehören.

 

Sandra Geßner ist als Kind geritten, aber sie ist selbst schon seit vielen Jahren nicht mehr im Sattel gesessen. Dass die Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde am Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Bad Cannstatt nun Vorsitzende in einem Reitverein ist, hat auch mit Martina Riss zu tun. Sie ist Mitglied bei der Reitergemeinschaft und die Patentante von Katharina Geßner. 2018 hat sie die damals Zweijährige in den Hegnacher Stall mitgenommen. „Als sie das erste Mal auf Willi, dem Vereinspony, geritten ist, war klar, sie will reiten“, sagt Sandra Geßner, die auch einen engen Bezug zu Tieren hat. „Meine Mutter züchtet Collies, ich bin mit ihnen aufgewachsen, für mich gehören Tiere zur Familie.“

Derzeit schnuppert Sandra Geßner in alle Bereiche des Vereins hinein

Seitdem ihre Tochter Gefallen am Reiten hat, fährt Sandra Geßner regelmäßig mit Katharina zum Reitstall nach Hegnach. Und seitdem im November 2020 das Pony Jimmy in die Familie kam, sogar täglich. Zum Leitungsposten bei der RG Hegnach-Oeffingen sei sie aber „wie die Jungfrau zum Kind“ gekommen. Nachdem feststand, dass ihre Vorgängerin Gabriele Handt nicht mehr kandidieren wollte, sei sie von vielen Seiten angesprochen worden. „Ich sei doch jemand, der anpackt, hieß es, und jemand, der auch den Mund aufmacht“, sagt Sandra Geßner mit einem Augenzwinkern. „Das stimmt. Aber eigentlich bin ich kein Vereinsmensch.“

Sie hat sich der Aufgabe gestellt. Auch weil sie mit Sonja Hintsch, der langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden, und der Schatzmeisterin Jeanette Will ein erfahrenes Team an ihrer Seite weiß. Als neue Chefin im Reitstall packt sie die Arbeit pragmatisch an. „Mir ist wichtig, dass wir eine Gemeinschaft sind, wie es unser Name besagt, und das gelingt uns jetzt schon an vielen Stellen.“ Ebenso wichtig ist Sandra Geßner, dass alle, egal wie alt oder jung, die in Hegnach reiten, Gefühl für den pfleglichen Umgang mit dem Tier entwickeln. Ein Pferd sei schließlich kein Sportgerät wie ein Tennisschläger. „Es ist ein Lebewesen mit Bedürfnissen und Ansprüchen.“

Die Aufgabe der Chefin ist es, den Verein nach außen zu repräsentieren

Derzeit schnuppert Sandra Geßner in alle Bereiche und Belange des Vereins hinein. Aber sie sei nicht für alles zuständig, erklärt sie. Um alles, was mit dem Personal zusammenhänge – in erster Linie die zwei angestellten Pferdepfleger – kümmert sich die Reitlehrerin und Pferdewirtin Annette Schardt, die als Betriebsleiterin fungiert. Die Mitgliederverwaltung macht Jeanette Will. „Meine Aufgaben sind es, den Verein nach außen zu repräsentieren, außerdem die Öffentlichkeitsarbeit, denn Kommunikation ist meine Stärke“, sagt Sandra Geßner mit einem Lächeln.

Auch bei Bauvorhaben auf dem Vereinsgelände ist Sandra Geßner involviert. „Ende November soll mit dem Bau von bis zu zehn Winterpaddocks hinter der großen Reithalle begonnen werden. „Damit die Pferde auch in der kalten Jahreszeit frische Luft bekommen“, sagt Sandra Geßner. Eine andere Baustelle ist das Reiterstüble, das seit rund zehn Jahren verwaist ist. Nachdem der letzte Pächter gegangen war, hatten es die Vereinsmitglieder eine Weile in Eigenregie bewirtet. Derzeit sind die Stühle hochgestellt. Nur beim Traditionsturnier am 15. und 16. Oktober ist geöffnet. „Es kommen öfter Spaziergänger vorbei und fragen, ob es bei uns Kaffee und Kuchen gibt“, sagt Sandra Geßner. „Zurzeit ist das Reiterstüble aber nicht Priorität auf unserer Liste. Schon eher sind das gesunde Pferde und schöne Turniere.“