Was wäre New York ohne gelbe, London ohne schwarze Cabs? Und was wäre eine Taxifahrt ohne den professionellen Taxler, der auch gute Ratschläge gibt?

Fahrdienstvermittler wie Uber gibt es erst seit kurzem. Sie gewinnen aber, besonders unter jüngeren Fahrgästen, rasch an Kundschaft. In vielen US-Metropolregionen wächst ihr Marktanteil sogar rasant. Für Studenten und Yuppies im kalifornischen Silicon Valley etwa sind die Mitfahrgelegenheiten schon zum Standard geworden. Und doch haben die Fahrten mit traditionellen Taxis ihr eigenes Flair. Das professionelle Taxigewerbe nimmt die Privatfahrer zunehmend als Bedrohung wahr. Schlagzeilen machten im März und September Großdemonstrationen von Taxifahrern in Brüssel. Es gab ein Verkehrschaos. Der Protest richtet sich gegen das Billigangebot und den drohenden Preisverfall. Existenzen stünden auf dem Spiel, heißt es. In der Tat: So gut die Argumente der Fahrdienstvermittler sein mögen - sind Städte ohne Taxis wünschenswert?

Was wäre London ohne seine Black Cabs (schwarze Taxis) oder New York ohne die Yellow Cabs (gelbe Taxis)? Als Kulturgut der besonderen Art gehören sie zum Straßenbild wie in Deutschland die Taxis in der Farbe Hellelfenbein. Ganz zu schweigen von den Sammeltaxis in aller Welt, den sogenannten Dolmus in der Türkei, den farbenfrohen Jeepneys auf den Philippinen, den frischluftdurchfluteten Tuk-Tuks in Thailand und Südafrika. Sie sind das Rückgrat für den Transport der örtlichen Bevölkerung.

Taxifahrer haben fast überall kein gutes Image

Aber Taxifahrer haben fast überall kein gutes Image: Gemaule bei Kurzfahrten, mangelnde Ortskenntnis, schmuddelige Fahrzeuge - das ist nur ein Ausschnitt aus der Beschwerdeliste der Fahrgäste. Konkrete Warnungen vor nicht konzessionierten Taxis gibt es in Ägypten, Mexiko, Thailand und vielen anderen Ländern. Geklagt wird über defekte oder manipulierte Taxameter, teure Umwegfahrten, unverständliche Aufpreise für Gepäck, Nachtfahrten, Klimaanlage und Maut. In den 1990er Jahren bestraften Taxifahrer in Prag aufmüpfige Fahrgäste sogar mit Stromstößen. Viele Städte, darunter Leipzig und München, boten Benimmkurse für Taxifahrer an. In Magdeburg und anderswo bildete man Taxifahrer zu Tourismusexperten weiter. Längst verfügen moderne Taxis über Funk und akzeptieren Kreditkarten. Sie dürfen - im Gegensatz zu Uber-Fahrern - Busspuren benutzen und stellen Quittungen aus, die das Finanzamt akzeptiert.

Die Befürchtung, Privatwagen würden dem Droschkengeschäft den Garaus machen, gab es schon einmal. 1928 unternahm der Kutscher Gustav Hartmann mit seinem Pferd Grasmus unter den Augen der Weltpresse eine legendäre fünfmonatige Protestfahrt von Berlin nach Paris. Seine Geschichte wurde von Hans Fallada im Roman „Der Eiserne Gustav“ erzählt, es gab eine Verfilmung mit Heinz Rühmann und eine Fernsehserie mit Gustav Knuth. Auch über den damals ältesten Taxifahrer der Welt, Augusto Macedo aus Lissabon, wurde 1996 ein Kinofilm gedreht, „Taxi Lisboa“. Es ist ein eigener Schlag Menschen, der Taxi fährt. Die meisten sind nett und ehrlich, vermeiden notorische Staus, melden Fundsachen. Und etwas Küchenphilosophie ist im Fahrpreis auch oft inbegriffen. Das nächste Mal beduselt vom Oktoberfest nach Hause - garantiert per altmodischem Taxi.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: