Viele freuen sich jetzt schon auf die nächsten Sommerferien. Wie sind die Preise? Worauf sollte man beim Buchen achten? Welche Ziele sind besonders begehrt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Stuttgart - Seit der Pandemie kämpft die Reisebranche immer wieder mit demselben Problem: Zuerst will niemand verreisen – und dann plötzlich alle. Und dann gibt es nicht genug Plätze für alle. Sollte man sich daher jetzt um die Sommerferien 2022 kümmern? Wir klären auf.
Wie ist die aktuelle Buchungssituation?
Flau, sehr flau. Dabei war der Sommer 2022 so früh wie nie buchbar – bereits seit Beginn des Jahres. Noch befürchten viele Familien, dass der Nachwuchs bei der Rückkehr in Quarantäne muss.
Kann man die Entscheidung also auf nächstes Frühjahr verschieben?
Nicht unbedingt. Die Inzidenzen werden wahrscheinlich wieder runtergehen, und dann herrscht plötzlich ein Rennen um die besten Plätze. In „normalen“ Jahren schmieden viele Familien über Weihnachten ihre Sommerurlaubspläne und buchen im Januar. Inzwischen ist Last-Minute das neue Normal. Virologen wie Alexander Kekulé verbreiten Optimismus: „Im Frühjahr sind 90 Prozent der Bevölkerung geimpft oder genesen.“ Wenn dann Kinder ab fünf Jahren geimpft werden können, sagt Kekulé einen Buchungs-Tsunami voraus.
Was ist bereits ausgebucht?
Zahlen der Ferienhaus-Suchmaschine Hometogo legen nahe, dass Ferienhäuser an der deutschen Küste und in den Alpen zu Beginn der Sommerferien schon jetzt knapp sind. Deshalb interessieren sich Urlauber bei Tui verstärkt für die polnische Ostseeküste und das Mittelmeer: „Wichtige Ziele wie die Balearen, Griechenland und die Türkei zeigen aktuell die höchsten Vorausbuchungen“, sagt Tui-Sprecher Aage Dünhaupt. Eng wird es zu manchen Terminen auch bei Reisen auf die Malediven. Die mögen zwar kein Massenphänomen sein. Aber die Buchungen für kommenden Sommer liegen sogar über den Zahlen von 2019, weiß Jörn Krausser von Dertour. Denn wo kann es derzeit besser sein als auf einer einsamen Insel, erklärt sein Kollege Christian Kirchner von Schauinsland-Reisen.
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Ist man in der Nebensaison auf der sicheren Seite?
Nein. Es kann auch abseits der Sommerferien sehr schnell gehen: „Anfang November waren für den gleichen Monat die beliebtesten Hotels in Südeuropa praktisch ausgebucht“, weiß Tui-Geschäftsführer Hubert Kluske. Oft sind es derzeit gar nicht die Hotels, sondern die Flüge, die fehlen. Denn Fluggesellschaften können es sich gerade nicht leisten, mit halb vollen Maschinen herumzufliegen, und stornieren im Zweifel lieber einen Flug, als draufzuzahlen.
Was ist bei Frühbuchungen wichtig?
Wer sich seinen Lieblingsplatz am Strand jetzt schon sichern will, dem rät „Finanztip“-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen drei Dinge: Angebote mit günstigen Stornoterminen und -höhen bevorzugen. Prüfen, ob die Auslandskrankenversicherung zahlt. Und am besten eine Pauschalreise buchen, weil man dann rechtlich bessergestellt ist und einen deutschen Ansprechpartner hat. Viele Anbieter bieten zudem eine Flex-Option: Man bekommt gegen ein paar Euro Aufpreis die Möglichkeit, bis 29 bzw. 15 Tage vor Abreise kostenlos stornieren oder umbuchen zu können.
Wie ist die Preisentwicklung?
Die Veranstalter berichten auffallend ehrlich, dass aktuell die Durchschnittspreise steigen. Von bis zu 20 Prozent ist bei der Tui die Rede. Reisende schauen nämlich gerade mehr auf die Sicherheit als aufs Geld. „Die Urlauber gönnen sich was. Sie bleiben länger und buchen höhere Hotelkategorien“, bringt es FTI-Chef Ralph Schiller auf den Punkt. Wer reist, will besondere Momente erleben und legt dafür auch ein paar Euro drauf. Das bestätigt auch die Tui. In die Höhe getrieben werden die Reisepreise auch durch ein neues Gesetz zur Pleitenabsicherung von Reiseunternehmen und durch die momentan hohen Energiekosten, die voll auf die Flugpreise durchschlagen. Marktkenner beziffern diese kostenbedingten Preissteigerungen auf vier Prozent. Ob das Öl im Frühjahr noch genauso teuer ist und ob die Reisepreise im Last-minute-Bereich abbröckeln werden, weiß naturgemäß heute niemand.
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Lohnt es sich, jetzt zu buchen?
Ja. Momentan sind Last-minute-Reisen jedenfalls kein besonderes Schnäppchen. Die Anbieter kaufen extrem vorsichtig ein und haben deshalb auch kaum Restware übrig. Wer dagegen auf Nummer sicher gehen will, der nimmt jetzt die sehr ansehnlichen Frühbucherrabatte mit. Bei Tui reichen sie bis 37 Prozent. FTI spricht gar von mehr als 50 Prozent in der Spitze. Aber nur, wenn man bis Jahresende bucht.
Gutscheine und Gutschriften
Buchungsguthaben
Reiseveranstalter müssen nicht eingelöste Reisegutscheine vom Anfang der Pandemie spätestens bis zum 15. Januar 2022 zurückerstatten und werben deshalb gerade bei ihrer Kundschaft, deren Guthaben rechtzeitig in eine Buchung umzumünzen. Ob und bis zu welcher Höhe die Gutscheine dann noch gegen eine Insolvenz des Veranstalters abgesichert sind, ist allerdings unklar. Denn die Bürgschaft des Bundes läuft zum Jahresende aus.