In einem liebevoll renovierten alten Bauernhaus wird gezeigt, wie sich die Skimode im österreichischen Lech am Arlberg über die Jahrzehnte entwickelt hat. Foto: Fotostudio/WEST.

In jeder Wintersportsaison stellt sich die immer gleiche Frage: Welche Ski-Kleidung ist momentan angesagt? Schließlich will man auf den Brettern eine gute Figur machen. Was Mode angeht, ist Lech am Arlberg schon immer Trendsetter gewesen.

Schon immer hatte der Arlberg die Nase vorn. Schließlich hat hier der alpine Skilauf begonnen. Und zu jedem Sport gehört die passende Kleidung. Das beweist das Lechmuseum mit seiner sehenswerten Ausstellung „Fesch. Mode für den Schnee“. In einem alten Bauernhaus zeigt Museumsleiterin Monika Gärtner, wie sich die Skimode am Arlberg entwickelt hat. Auf einem Foto in der heimeligen Bauernstube sind die letzten Besitzer, die drei Brüder Emil, Otto und Hugo Huber zu sehen. Zusammen mit ihrer Haushälterin Maria Konzett-Pircher, die das Haus nach dem Tod der Männer bis zum Jahr 2000 noch bewohnte.

 

Am Kachelofen hängen Socken aus verschiedenen Epochen

Zum Glück hatten die Brüder das Haus schon 1980 an die Gemeinde verkauft, die es unter Denkmalschutz stellte. Untersuchungen ergaben, dass das Holz, aus dem es gebaut wurde, auf das Jahr 1590 datiert werden kann. Am Kachelofen in der Wohnstube hängen Socken aus verschiedenen Epochen. Während anfangs Wollsocken ausreichten, setzt man heute auf ausgefeilte Fußwärmer.

Einer der ersten Skianzüge von vor 100 Jahren steht in einer Ecke. Als erste Skimode setzte sich um 1910 der Norwegeranzug durch. Er bestand aus einer Jacke, Hose und Mütze und zeichnete sich bis in die 1930er Jahre durch seine klassisch dunkelblaue Farbe aus. Dabei war der Schnitt für Frauen und Männer nahezu gleich. Die Anzüge waren noch weit entfernt von der heutigen, oft knallbunten Skimode.

Daneben hängt die originale frühere Unterwäsche. Unter zwei Nähmaschinen ist der Spruch von George Bernard Shaw zu lesen: „Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passen auch heute noch.“

Nähmaschinen in der ehemaligen Küferwerkstatt

In der ehemaligen Küferwerkstatt, in der seit dem 17. Jahrhundert Holzgefäße zur Aufbewahrung von Milchprodukten hergestellt wurden, stehen jetzt Nähmaschinen, an denen Besucher ihre Nähkünste ausprobieren können. Stoffreste und Garn stehen zur Verfügung. An der Wand hängt ein Bild von Skianzügen für die ganze Familie samt Schnittmusterbogen aus dem „Burda“-Modeheft.

Seit 1952 lagen jeder Ausgabe der „Burda Moden“ Schnittmusterbögen bei. Diese Idee machte die Zeitschrift erfolgreich. Die Leser konnten mit ihrer Hilfe die Modelle in Heimarbeit selbst nähen. Insbesondere in Kriegs- und Nachkriegszeiten half dies immer wieder in Zeiten des Mangels. Bis heute übrigens: Als im Frühjahr 2020 die Coronapandemie Europa erreichte, holten viele ihre Nähmaschinen wieder hervor und begannen, Mund-Nasen-Schutzmasken zu nähen. Zahlreiche Nähanleitungen im Internet zeugen davon.

Geschichte der Skisport-Mode

Im oberen Stockwerk des Museums wird die Geschichte der Skisport-Mode wieder lebendig. Die Firma Bogner hat hierfür Anzüge aus früheren Kollektionen zur Verfügung gestellt. Herta Strolz – es gibt heute noch in Lech ein großes Skigeschäft mit dem Namen Strolz – wird zitiert: „Zu unseren Lieferanten habe ich immer gesagt: Bringt schöne Farben, denn der Schnee ist weiß und bleibt weiß. Die Skifahrer sollen chic aussehen, wenn sie im Schnee stehen.“

Die Sehnsucht nach bunter Kleidung ist offenbar ein epochen- und kulturübergreifendes Phänomen. Doch erst durch synthetische Kunstfasern erweiterte sich ab den 1960er Jahren die Farbpalette ins Unendliche. Bei der Skimode setzten die Hersteller schon wesentlich früher auf bunte Akzente. In den 1930er Jahren leuchten Accessoires wie Tücher, Handschuhe und Mützen in schillernden Farben, die den Trends der Damenmode entsprachen. Im Laufe der Zeit wechselten die Outfits von kunterbunten Einzelteilen zu farblich abgestimmten, monochromen Ensembles.

Rot – die Farbe des Skisports

Keine andere Farbe hat eine so starke Wirkung und Symbolkraft wie Rot und wird so unterschiedlich gedeutet. Rot steht für Liebe und Lust, aber auch für Macht und Aggression. In der Skimode ist diese Farbe ein Klassiker – nicht nur unter den Skitouristen. Auch bei vielen Skischulen steht Rot hoch im Kurs. Im Dreiklang mit dem blauen Himmel und weißem Schnee stellt Rot die ideale Kleiderfarbe dar.

Während zu Beginn des Skisports noch Alltagskleidung vorherrschte, wurden die Skianzüge nach und nach immer aufwendiger und teurer. Die beliebte Keilhose wurde in großem Stil oft vor Ort bestellt. Das Motto in Lech hieß: Ankommen, dann Maß nehmen lassen. Die Keilhosen wurden in speziellen Werkstätten maßgerecht über Nacht produziert. Sie kosteten ein Vielfaches von dem, was die Näher verdienten: 800 bis 1000 Schilling – so viel wie ein Paar Ski. So eine maßgeschneiderte Keilhose machte zwar eine „Bella figura“, ließ aber Fahrtwind und Kälte durch.

Die Skibekleidung orientiert sich meist an den großen Trends der Mode. Um 1900 spielte die Bewegungsfreiheit eine große Rolle. Die Überfallhosen waren weit geschnitten – auch, um Frauen eine gute Alternative zum Rock zu ermöglichen. Später spiegelte sich die körperbetonte Mode-Silhouette der 1960er und 1970er Jahre auch im Wintersport-Outfit wider. Ausnahme ist der Oversize-Look. Er entstand in den 90ern in der Snowboard- und Freerider-Szene und beeinflusst bis heute die gesamte Skimode.

Info: Lech am Arlberg

Anreise
Mit dem Zug direkt nach Langen am Arlberg, weiter mit dem Bus Linie 91 nach Lech, www.bahn.de.

Unterkunft
Hotel Haldenhof: Familie Schwärzler führt ein Hotel mit individuell eingerichteten Zimmern, 150 Meter zum Rüfikopf, 200 Meter zum Schlegelkopf, DZ ab 195 Euro, www.haldenhof.at. Königlich wohnt man im traditionellen Gasthof Post. Der Außenpool mit Blick auf Omeshorn und Rüfikopf ist der schönste des Ortes. Im hauseigenen Panoramarestaurant dürfen auch externe Gäste die Kreationen von Küchenchef David Wagger genießen, DZ/F ab 300 Euro, https://postlech.com/. Haus Täli: Apartments mit Ambiente und Panoramablick ab 150 Euro,www.taeli-lech.at. Hübsche Ferienwohnungen gibt es im Chalet Annamaria, Apartment für zwei Personen ab 120 Euro pro Nacht, www.annamarialech.at.

Allgemeine Informationen
Lech Zürs Tourismus, www.lechzuers.com.