Neun Jahre dauerte die Regierungszeit des Pharao Tutanchamun. Er bestieg vermutlich im Jahr 1332 vor Christus als Neunjähriger den Thron. 1323 vor Christus kam er ums Leben. Dennoch ist er bis heute unsterblich.
Ägypten, anno 1922: Seit fünf Jahren sucht der britische Archäologe Howard Carter nach dem Grab des Pharao Tutanchamun im Tal der Könige. An jenem legendären Ort haben die alten Ägypter ihre Pharaonen beigesetzt.
In der einigermaßen erträglichen Wintersonne reitet Carter Tag für Tag auf seinem Esel durch das Tal, links und rechts von zerklüfteten Felsen eingeschlossen in der Nähe des altägyptischen Theben, dem heutigen Luxor – Reisende machen die Fahrt heute bequem in überdachten Elektrofahrzeugen. Viele Gräber waren zu Carters Zeiten schon entdeckt worden, die meisten leer, von Grabräubern geplündert.
Das Tal ist zu dieser Zeit voll aufgetürmter Schuttberge, und jedes Sandkorn schien bereits mehrfach umgedreht. Der fast schon fanatische Archäologe lässt sich nicht entmutigen und gibt sich noch einen Winter, um zu graben. Und tatsächlich stößt er eines Tages hinter dem geöffneten Grab von Ramses VI. auf eine Treppe.
Die Stufen führen in das Grabmal Tutanchamuns, zum reichsten Königsgrab, das Archäologen jemals in Ägypten entdeckt haben. „Ich sehe wunderbare Dinge“, soll Carter zu seinem Geldgeber Lord Carnarvon gesagt haben: pures, glänzendes Gold, mit Kostbarkeiten gefüllte Truhen und der wohl wertvollste Totenschrein, den man je gefunden hat.
Unbedeutend – und doch weltberühmt
„Tutanchamun war ein völlig unbedeutender Pharao. Dieses Grab mit dem unglaublichen Reichtum zeigt: Welch unermessliche Schätze muss es einst in den Grabkammern der bedeutenden Herrscher gegeben haben?“, erklärt Abdulnaby Helmy. Der ägyptische Tourguide ist ein wandelndes Lexikon in der alten, aber auch jüngsten Geschichte Ägyptens, keine Frage bleibt unbeantwortet.
In Carters Wohnhaus nahe dem Tal der Könige lässt sich sein Leben samt der Entdeckung nachvollziehen. Das Haus ist inzwischen ein Museum und kann seit einigen Jahren besichtigt werden. Auf dem Schreibtisch Carters liegt noch ein Füllfederhalter, mit dem er akribisch alle Funde im Grab katalogisiert hat – samt zahlreichen Fotos, auf denen die Grabungsarbeiten festgehalten sind. Carter hatte eigens dafür den Fotografen Harry Burton in sein Team geholt. Kamera und Dunkelkammer sind ebenfalls noch zu sehen.
Grand Egyptian Museum – Tutanchamuns Heimstatt
Tutanchamuns Mumie liegt bis heute an ihrem Fundort im Grab KV 62 im Tal der Könige – das man ebenso wie andere der insgesamt 63 Gräber besichtigen kann, turnusmäßig sind immer wieder einige für Touristen geöffnet. Wer die beeindruckenden mehr als 5000 wertvollen Grabbeigaben sehen möchte, muss allerdings in das einige Hundert Kilometer entfernte Kairo reisen.
Hier im Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz in der Altstadt ist fast die gesamte Pracht ausgestellt, einschließlich der weltberühmten goldverzierten Totenmaske. Doch nicht mehr lange: Viele der Exponate sind bereits umgezogen, weitere werden folgen, bis schließlich die gesamte Grabkammer Tutanchamuns im neuen Ägyptischen Museum, dem Grand Egyptian Museum (GEM), zu sehen sein wird.
Seit Jahren verzögert sich die Eröffnung des größten archäologischen Museums weltweit, im Herbst jedoch soll es endgültig so weit sein, passend zur Entdeckung des Grabes vor 100 Jahren, versichert Reiseleiter Abdulnaby Helmy.
Museum der Superlative
Das Museum der Superlative soll der neue Touristenmagnet des Landes werden. Es liegt nahe den Pyramiden von Gizeh, der Besuch dieser und der Sphinx lässt sich verbinden. Bereits im Bau ist zudem eine Metrostation, um dem endlosen Stau in Kairo zu entkommen. Erzählt wird in der Ausstellung nicht nur die Geschichte der Entdeckung des Grabes, dargestellt wird auch die Geschichte des jungen Pharao, der mit neun Jahren einen Thron besteigen musste und vermutlich mit 19 Jahren starb. Wer war dieser Kindkönig?, fragt man sich nicht nur als Betrachter der Kostbarkeiten.
Bis heute beschäftigt dies Wissenschaftler weltweit. „Vor allem um seinen Tod ranken sich viele Geschichten und Legenden. Mehr oder weniger unbestritten ist: Er starb 1324 oder 1323 vor Christus im jugendlichen Alter“, berichtet Abdulnaby Helmy.
Viele Hypothesen über Tutanchamuns Tod
Woran? Der Reiseleiter berichtet von einem Unfall, Tutanchamun sei von einem Streitwagen gestürzt, habe sich Knochenbrüche zugezogen und sei schließlich an einer daraus folgenden Blutvergiftung gestorben – eine von vielen Hypothesen. Weitere lauten: Mord, ein Jagdunfall, eine Malaria-Erkrankung, ein tödliches Knochenleiden. Die Liste der Todesursachen wird wohl nie abgeschlossen sein.
Für reichlich Diskussionen sorgte auch eine Rekonstruktion von Tutanchamuns Aussehen. Die wunderschöne Totenmaske stellt den Pharao idealisiert da: Vielmehr war er ein von diversen Krankheiten geplagter Junge mit Klumpfuß und verwachsenen Wirbeln, der einen Gehstock brauchte – mehr als 130 dieser Stöcke wurden auch in der Grabkammer gefunden. Am Abend, nach den Besichtigungen, bleibt den Reisenden jedenfalls viel Stoff für Spekulationen über Leben und Tod im Reich des alten Ägyptens.
Info: Anreise
Direktflüge nach Kairo z. B. mit Egypt Air ab München oder Frankfurt, www.egyptair.com/
Unterkunft
Hotel Steigenberger El Tahrir liegt direkt im Zentrum Kairos, Doppelzimmer ab 53 Euro pro Person, www.steigenberger.com Hotel Hilton Luxor Resort & Spa ist ein stilvolles, geschmackvoll ausgestattetes Hotel in Luxor, direkt am Nil, Doppelzimmer (Gartenseite) mit Frühstück ab 54 Euro pro Person, www.hilton.com
Veranstalter
Anlässlich des Jubiläums hat der Reiseveranstalter FTI eine achttägige Tour konzipiert, entlang des Nils durch Oberägypten bis Kairo. Bei der „100 Jahre Tutanchamun-Spezialrundreise“ sind 7 Übernachtungen vorgesehen, 4 Nächte auf dem Nil, 3 Nächte in Kairo, zudem zwei Inlandsflüge.
Neben der Besichtigung des Howard-Carter-Hauses und einem Ausflug ins Tal der Könige ist auch ein Besuch des Ägyptischen Museums in Kairo enthalten – sobald das neue Grand Egyptian Museum (GEM) eröffnet hat, ist dies auch im Programm. Preis pro Person ab 1490 Euro, www.fti.com, kostenfreie FTI Hotline Tel. 089 / 7 10 45 14 98.
Weitere Anbieter: Rundreisen gibt es bei www.rundreisen.de, Ägypten, pro Person ab 2295 Euro, oder bei studiosusreisen.de, Ägypten, pro Person ab 2895 Euro.
Weitere Infos
Fremdenverkehrsamt Ägypten, https://visitegypt.gov.eg
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