Der Regionalligist SGV Freiberg (Kreis Ludwigsburg) muss das Wasen-Stadion dringend den Vorgaben des DFB anpassen – doch die Stadt hat Bedenken. Die Fronten sind immer noch verhärtet, gleichzeitig bahnt sich eine große Entscheidung an.
Seit Jahren wird über die Zukunft des Wasen-Stadions in Freiberg diskutiert. Dadurch sind tiefe Gräben zwischen dem Fußball-Regionalligisten SGV Freiberg, der Stadt und Teilen des Gemeinderats entstanden – die Stimmung ist unterkühlt. Dennoch scheint nun neuer Schwung in die Umbaupläne zu kommen. Bereits im März könnte es eine Entscheidung geben. Das Wichtigste in vier Punkten.
1. Die Ausgangslage
Dem SGV Freiberg geht es gut – zumindest sportlich. Nach dem Aufstieg 2022 mischt das Team die Regionalliga auf und befindet sich aktuell auf dem vierten Platz in Schlagweite auf den Drittligaaufstieg. Und da beginnen die Probleme.
Denn das Stadion ist nicht Drittliga tauglich, eigentlich ist es nicht einmal für die Regionalliga zugelassen. Es fehlen unter anderem eine Flutlichtanlage, ein Gästebereich und mehr überdachte Plätze. Der Verein braucht also eine Zukunftsperspektive auf dem Wasen. Nicht nur wegen der DFB-Vorgaben, es geht auch um die Entwicklung des Vereins. Die sportlichen Ambitionen sind groß, mögliche Sponsoren und Talente überzeugt man nur mit einer Spielstätte, die Zukunft hat.
Große Schritte in diese Zukunft gab es aber bisher nicht. Die Stadt scheint gespalten. Viele Freiberger fordern, dass die Stadt den Club besser unterstützen sollte. Andere – darunter viele Entscheider der Stadt – finden, dass sich der SGV neben den anderen Vereinen zu breit macht. Der Riss zeigte sich auch immer wieder am öffentlich ausgetragenen Streit zwischen Club-Präsident Emir Cerkez und Bürgermeister Dirk Schaible.
2. Eine neue Dynamik
Mitte Januar startete der SGV einen neuen Anlauf und stellte in einem Treffen mit dem Bürgermeister und den Fraktionsvorsitzenden drei Zukunftsszenarien für das Stadion vor. Diese wurden nun auch in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses am Dienstagabend besprochen. Mehrere Quellen berichten, dass der Verein während der zwei Runden klargestellt habe, dass es so schnell wie möglich eine Perspektive benötige. Sonst fühle man sich gezwungen, eine andere Spielstätte zu suchen.
Unterschiedliche Aussagen gibt es derweil über die Stimmungslage. Eine Quelle aus dem Gemeinderat behauptet, das Verhältnis zwischen Verein und Bürgermeister sei nach wie vor angespannt und die Kommunikation schlecht. Andere Räte berichten, dass die Gespräche überraschend harmonisch gewesen seien. Auch er finde die aktuelle Atmosphäre konstruktiv, sagt Dirk Schaible am Mittwoch. Die Gespräche seien nicht zielführend gewesen, entgegnet Emir Cerkez. Es sei vor allem über Bedenken gesprochen worden und nicht über Lösungen.
3. Die drei Varianten
Das erste Zukunftsszenario, das der SGV am Dienstag vorgestellt hat, ist das harmloseste. Rund 800 000 Euro sollen in kleinere Maßnahmen und in einen größeren Gästebereich fließen. Das würde für die Regionalliga reichen, für die Drittliga-Lizenz wären es jedoch zu wenig.
Die zweite Idee soll etwa zwei Millionen Euro kosten und würde neben einem Gästebereich eine Flutlichtanlage, neue Parkplätze und einen VIP-Bereich beinhalten. Dieses Szenario wäre eine langfristigere Möglichkeit für den SGV in Freiberg zu spielen.
Der dritte Vorschlag geht noch weiter. Für rund acht Millionen Euro soll eine neue Haupttribüne gebaut werden, plus VIP-Bereich, neuen Parkplätzen und eine Flutlichtanlage. Knackpunkt: Die Leichtathletikanlage müsste der neuen Tribüne weichen, und an anderer Stelle gebaut werden.
Der Gemeinderat soll sich dann schon Anfang März für eine der Varianten entscheiden. Also kurz vor der Bürgermeisterwahl, an der Schaible nicht mehr antritt. Der SGV findet das überhastet, erst sollte eine gemeinsame Linie gefunden werden – das sei so vereinbart gewesen, so Cerkez.
Ein Streitpunkt der Gemeinderatsdebatte wird dann einerseits der finanzielle Anteil, den die Stadt tragen soll. Zweiter Streitpunkt: Wenn der SGV in das Stadion investieren darf, pocht er auf ein Erbpachtrecht. Die Stadt würde also die Kontrolle über das Stadion abgeben müssen.
4. Fronten weiterhin verhärtet
Der SGV ist seit Jahren frustriert und enttäuscht. Die Club-Chefs haben das Gefühl, im Stich gelassen zu werden. Der Verein habe wenig von der Stadt verlangt und selbst in Sitzschalen und Büros investiert, sagt Cerkez. Gleichzeitig habe sich kein Verantwortlicher bei der Aufstiegsfeier gezeigt, nicht einmal einen Glückwunsch habe es gegeben.
Der Frust führte in den vergangenen Wochen sogar dazu, dass sich der Verein öffentlich nach anderen Spielstätten in der Region umschaute. Für das Jahn-Stadion in Ludwigsburg gab es jedoch beispielsweise bereits eine Abfuhr.
Die Stadt Freiberg sei derweil durchaus offen, an der Zukunft des SGV mitzuarbeiten, beteuert Schaible. Die Situation gestalte sich jedoch kompliziert. Es fehle die Infrastruktur, die Anfahrtswege sind eng, die Parkmöglichkeiten gering. Zudem würden Eingriffe auf dem Wasen immer auch andere Vereine treffen. Einige Gemeinderäte gehen weiter und sagen hinter vorgehaltener Hand, dass es unmöglich sei, auf dem Freiberger Wasen Drittligafußball zu spielen.