Aus drei mach eins: Schlankere Strukturen des Krankenhausverbunds in den Kreisen Böblingen und Calw. Das ist möglich, weil aus drei Gesellschaften eine mit einem Aufsichtsrat werden soll.
Am Ende überwiegt die Erleichterung. Roland Bernhard und Helmut Riegger, die Landräte der Kreise Böblingen und Calw, sind froh, dass die Überarbeitung des Medizinkonzeptes für den Klinikverbund Südwest am Montagabend den Segen beider Kreistag gefunden hat. Was wohl noch schwerer wiegt: Auch der Zusammenschluss der drei Klinikgesellschaften zu einer ist gelungen. Danach hatte es bis zuletzt nicht unbedingt ausgesehen, ist doch in der gemeinsamen Gesellschaft der Kreis Calw der kleinere Partner.
„Das ist heute ein bedeutender Tag für die Menschen in unserer Region, denn es geht um nicht weniger als darum, die qualitativ hochwertige medizinische Versorgung langfristig in kommunaler Trägerschaft zu sichern“, frohlockt der parteilose Roland Bernhard. „Wir waren gezwungen zu handeln, und ich bin sehr glücklich darüber, dass es uns nach vielen arbeitsintensiven Monaten nun gelungen ist, unsere Medizinkonzeption fortzuschreiben“, spielt Bernhard auf die Proteste im Vorfeld an.
Die waren in Herrenberg besonders heftig, wird doch dort nicht nur die erfolgreiche Geburtsstation geschlossen. Künftig gibt es in der Gäustadt ein sogenanntes „integriertes Gesundheitszentrum“, das zwar eine rund um die Uhr besetzte Notaufnahme hat. Doch der Status als Krankenhaus ist weg.
Nicht so in Leonberg. Das strategisch bedeutsam gelegene Krankenhaus als nördlicher Außenposten des Klinikverbundes wird weiterhin die Innere Klinik mit Darm- und Bauchchirurgie als medizinisches Aushängeschild behalten. Doch die Gynäkologie soll, Stand jetzt, in fünf Jahren in der künftigen Flugfeld-Klinik bei Böblingen aufgehen.
Grollen im Schwarzwald
Auch das Krankenhaus in Calw verliert seine Geburtshilfe, was in der Hermann-Hesse-Stadt zuletzt hörbares Grollen ausgelöst hatte. Die Abstimmung im dortigen Kreistag fiel denn auch nicht ganz so deutlich aus, wie zeitgleich in Böblingen.
Dennoch gibt sich Landrat Helmut Riegger (CDU) zufrieden: „Ich bin davon überzeugt, dass unsere beiden Krankenhäuser in Calw und Nagold gestärkt aus der Medizinkonzeption 2030 hervorgehen werden. Die Sicherung der medizinischen Versorgung unserer Bevölkerung rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche in den beiden Kliniken, haben für mich bei allen Überlegungen immer oberste Priorität gehabt.“
Für den Klinikverbund-Geschäftsführer Alexander Schmidtke ist von besonderer Bedeutung, dass aus drei Krankenhausgesellschaften mit drei unterschiedlich besetzten Aufsichtsräten eine Gesellschaft entsteht: „Um flexibel reagieren zu können, brauchen wir in der Geschäftsleitung direkte Abstimmungen und schnelle Entscheidungsmöglichkeiten. Mit einem konsolidierten Aufsichtsrat schaffen wir auf oberster Ebene ein höheres Maß an Transparenz und Effizienz.“
Der neu strukturierte Aufsichtsrat soll mindestens drei Mal jährlich tagen. Was den Vorsitz angeht, so gilt zunächst für eine Übergangszeit bis 2029, wie bisher ein rollierendes System: Zwei Jahre ist der Vorsitz in Böblingen, ein Jahr in Calw. Der Landrat des Kreises Böblingen wird im Jahr 2024 weiterhin den Vorsitz innehaben, dann übernimmt der Landrat des Kreises Calw für 2025, für die Jahre 2026 und 2027 erneut der Böblinger Landrat und 2028 nochmals der Calwer Landrat. Ab 2030 verbleibt der Vorsitz endgültig im Landkreis Böblingen.