Immer mehr Menschen in Deutschland legen sich einen Wasserspeicher im Garten zu. Regenwassernutzungsanlage nennt sich das. Lohnt sich eine solche Zisternentechnik?
Stuttgart - Die Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sind eindeutig: Die Sommer in Deutschland werden heißer, längere Dürreperioden und die Waldbrandgefahr nehmen zu. „Was früher ein extrem heißer Sommer war, ist heute ein durchschnittlicher Sommer“, heißt es beim DWD.
Immer mehr Menschen im Land wollen angesichts dieser Entwicklung vorsorgen. Im Trend liegen Zisternen. Garten- und Landschaftsbauer beobachten, dass sich Jahr für Jahr mehr Menschen für den Wasserspeicher auf dem eigenen Grundstück entscheiden. „Ist bei Neubauten ein Garten dabei, wollen mittlerweile gefühlt 70 bis 80 Prozent eine Zisterne“, sagt etwa Martin Joos, Vorstand des baden-württembergischen Garten-, Landschafts- und Sportplatzbauverbandes.
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Zahlen der Firma Mall Umweltsysteme aus Donaueschingen stützen diesen Eindruck. Das Unternehmen mit Dutzenden Niederlassungen national wie international schätzt auf Basis von eigenen Marktbeobachtungen und Infos anderer Zisternenhersteller: Allein in den vergangenen drei Jahren wuchs die Nachfrage nach sogenannten Regenwassernutzungsanlagen in Deutschland jährlich um fünf bis zehn Prozent.
Ein natürlicher Speicher
Doch was macht die Zisterne, oft samt Bewässerungsanlage für den Garten, so gefragt? „Ich glaube, das liegt nicht an der Bequemlichkeit der Leute. Vielmehr machen sie sich wegen des Klimawandels Sorgen“, sagt Joos. In einer Zisterne werde Regenwasser auf natürliche Art und Weise unterirdisch gespeichert. Als Teil einer Regenwassernutzungsanlage kann sie dazu dienen, nicht nur den Garten, sondern auch Toilette oder Waschmaschine mit zu versorgen.
Das dahinterstehende Prinzip ist simpel: Regenwasser prasselt auf das Hausdach und fließt über die Regenrinne ab. Fallrohre leiten das Wasser weiter in die Zisterne, wo es gereinigt wird. Der Behälter selbst besteht aus Beton oder Kunststoff. Laut einem Sprecher der Firma Mall gehe der Trend hin zur Betonzisterne. Grund dafür seien Mikroplastik-Diskussionen, sehr lange Lieferzeiten und Preiserhöhungen wegen der Rohstoffknappheit bei Zisternen aus Kunststoff.
Gut für die Umwelt – gut für den Menschen?
Steht die Anlage, könne mit ihrer Hilfe Trinkwasser eingespart werden, sagt Klaus W. König, Experte für die Nutzung von Regenwasser. Dadurch werde Grund- und Oberflächenwasser weniger belastet. Außerdem ein Vorteil: „Regenwasser ist besser für Pflanzen geeignet als Leitungswasser, unter anderem weil Letzteres oft zu kalkhaltig ist“, weiß König.
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Aus ökologischer Sicht ist die Zisterne demnach eine gute Investition. Doch ist das Wasser, das erst über das Dach in den Wasserspeicher fließt, wirklich sauber genug? „Bei Beachtung der technischen und hygienischen Anforderungen kann Regenwasser auch im Haushalt, etwa für die WC-Spülung oder zum Waschen von Wäsche genutzt werden“, heißt es dazu vom baden-württembergischen Umweltministerium. Eine Voraussetzung ist, dass sich Regen- und Trinkwasserleitungen im Haushalt nicht vermischen.
Entscheidend ist außerdem die Beschaffenheit des jeweiligen Daches. So besteht die Möglichkeit, dass Wasser etwa von unbeschichteten Dächern aus Kupfer und Zink Metallverbindungen abschwemmt, warnen Experten. „Das sind Schwermetalle, die für das Bewässern des Nutzgartens und die Versickerung im Boden unerwünscht sind“, sagt König.
Bei der Toilettenspülung oder in der Waschmaschine störten sie wegen der geringen Konzentration allerdings nicht. Ähnlich verhalte es sich mit Keimen im letzten Spülgang beim Wäschewaschen mit Regenwasser. „Beim Bügeln, im Wäschetrockner oder auf der Wäscheleine sterben diese wieder ab“, versichert König.
Von 2000 bis 15 000 Euro
Günstig ist eine Regenwassernutzungsanlage unter anderem wegen der vielen nötigen Komponenten nicht. Ein Vier-Personen-Haushalt, der neben dem Garten auch Toilette und Waschmaschine versorgen möchte, zahlt bei einem Neubau rund 12 000 Euro inklusive Mehrwertsteuer für eine Anlage, sagt König. Nachträglich koste der Einbau rund 15 000 Euro.
Zisternentechnik, die nur für den Garten verwendet wird, sei dagegen schon für etwa 2000 Euro zu haben. Gefördert wird eine entsprechende Anlage in vielen Fällen von Kommunen. In der stark von Trockenheit betroffenen Gemeinde Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) zum Beispiel unterstützt die Stadt private Regenwassernutzung mit einem einmaligen Baukostenzuschuss.
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Ob sich die Verwendung von Regenwasser schlussendlich für den Verbraucher bezahlt macht, hängt dann von vielen Faktoren ab – dabei sind etwa die Größe des Dachs und die regionale Niederschlagsmenge entscheidend.
Hinzu kommt nach Ansicht einiger Experten, dass Zisternen bei längeren Trockenperioden mangels Nachschub von oben und gleichzeitiger Nutzung nur einige Tage gefüllt bleiben und so nur für wenige Trockentage bei der Gartenbewässerung eine Ergänzung sein könnten. Vom Bundesverband für Betriebs- und Regenwasser heißt es dagegen: Entsprechende Anlagen hätten in der Regel eine Speichergröße, um „für etwa drei Wochen Betriebswasser“ zu liefern.
Wassernot?
Wasserverbrauch
Trinkwasser wird in einem deutschen Haushalt durchschnittlich nur zu vier Prozent für Essen und Trinken verwendet. Das zeigen Auswertungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Demnach nutzen Verbraucher im Schnitt 36 Prozent ihres Trinkwassers für Körperpflege, 27 Prozent für die Toilettenspülung und zwölf Prozent für das Waschen der Wäsche. Sechs Prozent entfallen laut BDEW auf Raumreinigungen und den Garten.
Baden-Württemberg
Grundsätzlich ist Deutschland ein wasserreiches Land. Trotzdem gibt es Regionen, die mit zunehmender Trockenheit kämpfen. Betroffen sind davon unter anderem Brandenburg und Ostsachsen. In Baden-Württemberg gibt es derzeit laut Umweltministerium noch „genug Wasser zur Versorgung der Bevölkerung“. Auch in Zukunft sehe man das gewährleistet. Allerdings: Im Südwesten sei das Grundwasser „geografisch und geologisch bedingt sehr unterschiedlich verteilt“. Regional kann es demnach durchaus zu Wassermangel kommen.