Durchschnittlich besitzt jeder Deutsche 1,3 Handys - und kauft sich ständig noch ein besseres Modell. Da stellt sich die Frage: Was tun mit den alten Geräten?

Stuttgart - Jeder zwölfte Deutsche wird nach einer Forsa-Umfrage am 24. Dezember ein Handy unterm Weihnachtsbaum finden - das sind doppelt so viele wie noch im vergangenen Jahr. Da wir durchschnittlich bereits 1,3 Handys besitzen, stellt sich die Frage: Was tun mit den alten Geräten?

Kupfer, Zinn, Eisen, Kobalt, Nickel, Gold, Platin, Silber, Coltan, Tantal: Ein Handy verschluckt eine große Menge an wertvollen Rohstoffen. Deren Neugewinnung ist sehr energieaufwendig, teils umweltschädlich - und mit der Gewinnung des Minerals Coltan wird in der Demokratischen Republik Kongo ein Bürgerkrieg finanziert. Zudem hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in einer aktuellen Studie von 2009 festgestellt, dass die Reserven für seltene Metalle wie Tantal bei jetzigem Verbrauch nur noch dreißig Jahre reichen werden.

Wer sein ausrangiertes Handy einfach in der Schublade verstauben lässt, bindet diese Rohstoffe unnötigerweise - und das passiert in Deutschland mit geschätzten 120 Millionen Handys, von denen vermutete 60 Prozent noch einwandfrei funktionieren. "Die Deutschen hängen sehr an ihren alten Geräten", sagt Steffen Holzmann (29). Er betreut bei der Deutschen Umwelthilfe ein Projekt zum Handy-Recycling.

Damit die Rohstoffe der Mobiltelefone möglichst ressourcensparend wiederverwertet werden können, dürfen sie nicht im Hausmüll landen. Das ist wegen enthaltener Schadstoffe wie Arsen, Quecksilber und Blei seit März 2006 ohnehin verboten. "Sowohl Hersteller als auch Verbraucher sind seit Inkrafttreten des Elektro- und Elektronikgesetzes zur ordnungsgemäßen Entsorgung verpflichtet", sagt Una Großmann vom Informationszentrum Mobilfunk in Berlin (IZMF).

Die Elektroschrottsammlung auf dem Wertstoffhof ist zwar ein ordnungsgemäßer, aber nicht optimaler Platz zur Entsorgung. "Dort werden die Handys gemeinsam mit Toastern und Bügeleisen eingeschmolzen, das erschwert das Recycling", sagt Holzmann. Alle großen Netzbetreiber und Handy-Hersteller bieten deswegen mittlerweile eine gesonderte Sammlung ausrangierter Modelle an - oft in Zusammenarbeit mit Umweltverbänden, Kinderhilfsprojekten und anderen sozialen Einrichtungen, die für jedes abgegebene Handy eine Spende erhalten (siehe Kasten).

Die Deutsche Umwelthilfe beispielsweise arbeitet seit 2003 mit T-Mobile zusammen. "Aussortierte Geräte können entweder direkt im Laden beim Kauf eines neuen abgegeben oder kostenlos in speziellen Umschlägen eingeschickt werden", sagt Holzmann. Eine Sortierfirma prüft dann, ob die Geräte noch funktionstüchtig sind - und marktfähig. "Am Anfang haben wir den Fehler gemacht, alle funktionstüchtigen Modelle weiterverkaufen zu wollen", sagt Holzmann. Aber auch in Asien oder Afrika, wo die Handy-Märkte noch im Aufbau sind und deswegen eine große Nachfrage nach gebrauchten Geräten besteht, kommen nicht alle Modelle an. Landen sie dort einfach ungenutzt im Müll, sind sie für die zweite Stufe der Wiederverwertung verloren - das Recycling. Das nämlich passiert mit den als defekt aussortierten Geräten in Deutschland.

b>Vom Handy zur Zahnfüllung

Bei der sortenreinen Sammlung werden zunächst die Kunststoffbestandteile verbrannt und die dabei entstehende Energie genutzt. Anschließend können über zehn Metalle herausgefiltert werden. "Sie können für die Produktion von neuen Handys, Laptops oder Zahnfüllungen verwendet werden", sagt Una Großmann vom IZMF.

Damit keine persönlichen Daten auf dem Handy bleiben, sollten Verbraucher vor der Abgabe der alten Geräte die Daten löschen und die SIM-Karte herausnehmen. Bei Geräten, die weiterverkauft werden, sind Datenschutzsorgen unbegründet. "Auf dem globalen Handy-Umschlagplatz Hongkong werden ohnehin alle Daten gelöscht, weil die Geräte eine neue Software bekommen", sagt Holzmann.

Wer weniger gemeinnützig eingestellt ist und selbst Profit aus dem alten Gerät schlagen möchte, kann sich an Handy-Recyclingfirmen wie beispielsweise Zonzoo wenden. Dort bekommt man für gebrauchte Handys je nach Modell zwischen zwei und 100 Euro. "Zusätzlich spenden wir fünf Prozent des Ankaufspreises für wohltätige Zwecke", sagt Tim Augustin von Zonzoo. Wohin das Geld gehen soll, wählt der Kunde aus einer vorgegebenen Liste von der Aids-Hilfe Karlsruhe bis zur Stuttgarter Wilhelma selbst aus.

Auch wenn die Handys immer kleiner, schneller und besser werden: "Am umweltfreundlichsten ist es, das Gerät möglichst lang zu nutzen", sagt Holzmann. Gegen Kratzer und Staub schützen passende Hüllen. Gelangt dennoch Dreck durch die Ritzen an den Akku, hilft ein einfacher Pinsel aus dem Baumarkt. Auch den Ladeanschluss sollte man regelmäßig reinigen, um Wackelkontakten vorzubeugen.

Wer trotzdem hin und wieder ein neues Gerät haben will, kann sich auch mal auf Online-Tauschbörsen wie handy-tausch.de umschauen. Dort können Privatpersonen neue oder gebrauchte Handys gegen andere Modelle eintauschen. Das eignet sich dann zwar weniger als Weihnachtsgeschenk - sonderlich originell ist die Idee bei geschätzten 9,8 Millionen weiteren klingelnden Päckchen aber ohnehin nicht.

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