Die Deutschprüfung für Realschüler findet nicht wie geplant am 18. April statt, sondern erst am 27. April. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die verschobene Deutschprüfung hat an Stuttgarter Realschulen Lehrer und Schüler zugleich verärgert. Sie müssen neu planen. Wenn’s ganz blöd läuft, betrifft das auch die Klassenfahrt.

Stuttgart - Der Vorfall in Urach mit den Prüfungsaufgaben für Deutsch hat auch in Stuttgart Realschüler, Schulleiter und Eltern kalt erwischt. Etliche betroffene Prüflinge meldeten sich bereits am Montagabend, kurz nachdem der Bericht online gestellt worden war, telefonisch bei unserer Zeitung: „Stimmt das wirklich?“, fragten sie verunsichert – „oder ist das ein Fake?“

Aber auch Schulleiter und Lehrer erreichte die Mitteilung aus dem Kultusministerium erst am Montagabend. Viele lasen sie erst am Dienstagmorgen, so auch Richard Haag, Leiter der Stuttgarter Schickhardt-Real- und Gemeinschaftsschule. Auch Barbara Koterbicki, der geschäftsführenden Leiterin der Stuttgarter Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen, ging das so. Allerdings hatten beide Schulleiter bereits am Vorabend aus den Nachrichtensendungen davon erfahren, einige Schulleiter hätten sich noch am Abend telefonisch auf den neuesten Stand gebracht.

Angst vor schwererer Nachprüfung

Während die Rektoren die Sache eher gelassen angehen, melden sich betroffene Schüler über Facebook zu Wort. Die einen freuen sich über die verlängerte Schonfrist, die anderen ärgern sich über die Verschiebung der Deutschprüfung. „Jetzt ist meine gesamte Wochenplanung im Eimer“, kommentiert Charlotte W. auf der Seite der Stuttgarter Zeitung. Unter dem entsprechenden Beitrag auf der Facebook-Seite unserer Zeitung ärgert sich Gabi W., dass die Nachprüfungen prinzipiell schwerer seien und trotzdem geschrieben werden müssten.

Fest steht, für die betroffenen Schulen bedeutet der Zwischenfall einen Zusatzaufwand. „Unsere ganzen Vertretungspläne sind hinfällig und müssen neu gestaltet werden“, sagt Richard Haag. Denn wer Aufsicht hat, kann nicht gleichzeitig unterrichten. Auch die Zeit für die Korrekturen werde durch die Verschiebung der Prüfung deutlich kürzer, zudem könne der Termin mit einigen Studienfahrten kollidieren, ergänzt Haag. Sowohl bei ihm als auch bei seiner Kollegin Koterbicki liegen die Deutschaufgaben noch im Safe – „die müssen wir ungeöffnet wieder zurückgeben“, so Haag.

Auch schulfremde Prüflinge werden informiert – auf allen Kanälen

Auch Koterbicki räumt ein: „Klar ist es ärgerlich – aber was soll man machen.“ Jetzt bemühe man sich, alle Betroffenen über die Verschiebung ihrer Prüfung zu informieren – „auf allen Kanälen“.

„Ich gehe fest davon aus, dass die Schüler im Vorfeld umfassend vom Rektorat informiert werden“, so Kathrin Grix, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats (GEB) der Stuttgarter Schulen. Der Fehler sei ja rechtzeitig bekannt gegeben worden. „Nicht nachvollziehen kann ich, dass die Lagervorschriften nicht eingehalten wurden“, so Grix.

„Wir bedauern die Schule, wo das passiert ist“, sagt Richard Haag – ganz zu schweigen von den Kosten, der enormen Menge Papier, der zusätzlichen Arbeitszeit. „Aber es muss ja korrekt gemacht werden.“ Wie hoch die zusätzlichen Druckkosten sein werden, habe man noch nicht ermittelt, sagt eine Sprecherin des Kultusministeriums auf Anfrage. Auch die Haftungsfrage sei noch nicht geklärt. Im Falle einer Klassenfahrt am verschobenen Deutschprüfungstermin, betont die Sprecherin, „dürfen die Schüler nicht auf den Kosten sitzen bleiben.“

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