Stuttgarts Oberbürgermeister hat nichts gegen den Abriss der Villa Bolz Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Land verzichtet auf den Erwerb der Villa Bolz. Zwei prominente Stimmen kommentieren den Entschluss: Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn und der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst.

Stuttgart - Aus der Diskussion um den Umgang mit der Villa Bolz hatte sich Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) herausgehalten. Jetzt, nach der Entscheidung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, das Gebäude nicht zu erwerben, meldete er sich zu Wort. Kuhn ließ verlauten, er begrüße die Entscheidung Kretschmanns, des früheren württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz (1881–1945) am Regierungssitz, der Villa Reitzenstein, zu gedenken. Die Villa Reitzenstein war auch Regierungssitz von Eugen Bolz. „Eine herausragende Würdigung an diesem Wirkungsort durch eine Dauerausstellung und die Benennung eines Regierungsgebäudes ist angemessen und eine sehr gute und zugleich sinnvolle Lösung“, so Kuhn. Dieser Ort des Gedenkens sei mindestens so authentisch wie der Ort, an dem Eugen Bolz gewohnt habe.

Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart und einer der entschiedensten Fürsprecher für den Erhalt der Villa Bolz, ließ verlauten, er respektiere die Entscheidung des Ministerpräsidenten und die vorgebrachten Gründe (fehlende Authentizität). Er stimme mit Kretschmann darin überein, dass die ­Diskussion über die Zukunft der Villa die Person des von den Nationalsozialisten ­ermordeten Zentrumspolitikers verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gebracht ­habe. Die Entscheidung, den Neubau des Staatsministeriums neben der Villa Reitzenstein nach Eugen Bolz zu benennen, begrüßte Fürst: „Dies lässt leichter akzeptieren, dass die Villa selbst als genuiner Ort des Wirkens und Leidens von Eugen Bolz nicht erhalten wird.“

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