Was tun, wenn der Handwerker zum vereinbarten Termin nicht kommt? Foto: viperagp / Fotolia

Die Waschmaschine streikt, der Abfluss ist verstopft oder das Dach beim Sturm beschädigt worden: In solchen Fällen muss ein Handwerker her. Doch nicht immer klappt das reibungslos.

Stuttgart -

1. Die Kosten wurden überschritten, wer zahlt?
Das kommt darauf an, was beim Erteilen des Auftrags vereinbart wurde. In einem Kostenvoranschlag werden ­lediglich die ungefähren Kosten beziffert. Die Handwerkerrechnung darf also höher ausfallen – um etwa 15 Prozent. Bei allem, was darüber geht, muss der Handwerker den Kunden unverzüglich informieren – also bevor die Rechnung vorliegt. Wurde statt eines Kostenvoranschlags dagegen ein verbindlicher Festpreis vereinbart, muss der ­Kunde auch nur diesen bezahlen – es sei denn, der Handwerker hat den Preis nach Rücksprache und mit ­Einverständnis des Kunden überschritten. Grundsätzlich hat der Kunde auf ­jeden Fall einen Anspruch auf eine detaillierte Rechnung mit allen Einzelposten.
2. Was tun, wenn sich die Arbeit verzögert?
Hat man den Eindruck, dass die Handwerker den vereinbarten Termin für ihre Arbeit nicht einhalten können, sollte man sie unverzüglich darauf ansprechen. „Antworten sie dann, dass alles im Zeitplan sei, lässt man sich das am besten schriftlich geben“, sagt Verbraucherschützer Günter Schwinn. Klappt dann ein Einzug beispielsweise trotzdem nicht zum schriftlich fixierten Zeitpunkt, muss der Handwerksbetrieb die Kosten für die Zwischenlagerung von Möbeln oder für Hotelübernachtungen übernehmen, wenn die frühere Mietwohnung bereits gekündigt wurde.
3. Wie geht man mit Pfusch um?
Fällt dem Auftraggeber noch während der Arbeiten und bevor er diese abgenommen hat auf, dass falsche Fliesen verlegt wurden oder der neue Wasserhahn tropft, muss der Handwerker dies beseitigen – auf seine Kosten. Ein Teil des Rechnungsbetrags kann dann einbehalten werden, bis die Nachbesserung erfolgt ist. „Wichtig ist, dass der Kunde die Arbeit erst abnimmt, wenn sie vollständig und im Wesentlichen ohne Mängel ist“, sagt Günter Schwinn, Bauexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn bis zur Abnahme muss der Handwerker beweisen, dass seine Arbeit ohne Mängel ist. Danach kehrt sich die Beweislast um, der Kunde muss den Mangel beweisen, was schwierig ist. Mit dem Tag der Abnahme beginnt auch die Gewährleistung.
b>Sollte man die Arbeiter im Auge behalten?
4. Sollte man die Handwerker überwachen?
Ist man vor Ort, können Fortschritt der Arbeiten und Arbeitszeit am besten kon­trolliert werden. Auch bekommt man mit, wie viele Handwerker tatsächlich da sind und ob alle mitarbeiten und damit einen Lohn verdient haben. „Außerdem bekommt man sofort mit, falls die falschen Fliesen geliefert werden, und kann reklamieren, bevor alle verlegt sind“, sagt Günter Schwinn. Auch wenn man eine Wärmedämmung einbauen lässt, sei die Anwesenheit während der Arbeiten empfehlenswert, so der Bauexperte. Denn ist die Dämmung erst einmal fertig, kann man nicht mehr sehen, welche Schichten dafür tatsächlich verbaut wurden.
5. Kann ein erteilter Auftrag wieder gekündigt werden?
„Am besten überlegt man vor der Unterschrift unter einen Vertrag, ob man den Handwerker wirklich will“, sagt Günter Schwinn von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Grundsätzlich hat man zwar immer die Möglichkeit einer sogenannten freien Kündigung – also selbst dann, wenn der Handwerker schon mit der Arbeit begonnen hat und egal aus welchem Grund. Der Handwerker kann dann allerdings auf jeden Fall die Teilleistungen in Rechnung stellen, die vertraglich vereinbart wurden und die er bis zur Kündigung erbracht hat. Auch für nicht erbrachte Leistungen hat er den vollen Vergütungsanspruch. Abgezogen werden müssen aber ersparte Aufwendungen, wie beispielsweise nicht benötigtes Material. „Für den Auftraggeber wird das in der Regel recht teuer, ohne dass groß eine Leistung erbracht wurde“, sagt Schwinn.

Was man bei den Terminen beachten muss

6. Wie beauftragt man einen Handwerker richtig?
Was genau soll gemacht werden? In welchem Zeitraum? Und wie viel Geld steht dafür zur Verfügung? Bevor der Kunde einen Handwerker beauftragt, sollte er den eigenen Bedarf klären – und diesen dann klar mit dem Handwerker absprechen und am besten schriftlich festhalten. Verbindlich und klar geregelt werden sollten dabei laut Günter Schwinn, Bauexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Umfang, Vergütung und Ausführungstermin. Vor unklaren Formulierungen wie „alsbald beginnen“ oder „alsbald zu Ende führen“ bei den Terminen rät Holger Freitag, Jurist des Verbands privater Bauherren, ab. Denn beim Bau eines Hauses wird es teuer, wenn ein Handwerker sich verzögert und der nachfolgende dadurch nicht wie geplant anfangen kann oder sich der Einzugstermin verschiebt. Um herauszufinden, ob der Preis eines Handwerkers angemessen ist, holt man mehrere Kostenvoranschläge ein. ­„Dieser sollte ein detailliertes Leistungsverzeichnis beinhalten sowie die benötigten Materialien“, sagt Schwinn. Auch sollte man dem Verbraucherschützer zufolge möglichst auf einen pauschalen Endpreis bestehen, „dann ist man auf der sicheren Seite, wenn der vom Handwerker kalulierte Kostenrahmen gesprengt wird“.
Was tun, wenn der Handwerker zum vereinbarten Termin nicht kommt?
Der Kunde hat einen Termin vereinbart, doch der Maler kommt einfach nicht. Der naheliegende Weg ist, anzurufen. Merkt man aber, dass der Termin nicht einfach nur vergessen wurde, sollte man weitere Schritte am besten schriftlich vornehmen. „Nur wenn man ein Einschreiben mit Rückschein geschickt hat, kann man im Zweifelsfall vor Gericht beweisen, dass man etwas unternommen hat“, sagt Günter Schwinn von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ein Recht auf eine finanzielle Entschädigung hat ein Kunde allerdings erst dann, wenn sich durch den verspäteten Beginn auch ein schriftlich vereinbarter Endtermin ­verzögert.
      

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