Stift und Block hat Samadhi immer dabei, um Gedanken, Reime und Liedzei Foto: StZ

Mit seinem Album „Alles und mehr“ möchte der Rapper Samadhi nicht nur den Durchbruch schaffen, sondern auch Stuttgart als Hip-Hop Hochburg wiederbeleben. Nach der Veröffentlichung will der 29-Jährige sein Album auch live präsentieren.

Stuttgart - Willkommen im Schlaraffenland! Als Samadhi vor 13 Jahren aus Gera nach Stuttgart gezogen ist, waren das seine ersten Gedanken. „Ich hab mich gefühlt wie im Himmel“, sagt der 29-jährige Musiker, „Der Hip-Hop hat gelebt, es gab überall Skateboarder und endlich keine Nazis mehr“, sagt Samadhi. Schon in seiner Heimat gehörte er der Skater- und Hip-Hop-Szene an, doch Stuttgart war damals eine Hochburg des deutschen Sprechgesangs und die „Hall of Fame“ unter dem alten kleinen Schlossplatz war über die Skaterszene hinaus berühmt.

Dann wurde es ruhiger um Stuttgarts Ruf als Hip-Hop-Stadt, der kleine Schlossplatz fiel der Abrissbirne zum Opfer. Samadhi ist geblieben, er hat hier eine Heimat gefunden. Und eine neue musikalische Welle schwappt über Stuttgart. „Cro hat den Hip-Hop zurück in die Stadt geholt“, so Samadhi, der mit bürgerlichem Namen Marcel Nagler heißt. Auch sein Name soll für deutschen Sprechgesang aus der Landeshauptstadt stehen.

Zusammenarbeit mit Stuttgarts Produzent Tommy W.

Dafür, so Samadhi, investiere er viel: Energie, Zeit und Schweiß. Zeit zum Schwelgen in den Erinnerungen bleibt da nicht. Das Hier und Jetzt zählt. Die Gegenwart soll Samadhis Zukunft bestimmen. Er bastelt 24 Stunden, sieben Tage die Woche an seiner Karriere als Rapper, wie er sagt. Dabei ist er nicht allein. Zur Seite steht ihm Tommy Wittinger, erst Schlagzeuger, dann auch Produzent der Band Freundeskreis. „Er ist eine Legende“, schwärmt Samadhi. Wittinger hat auch Afrob, Massive Töne und Gentleman produziert. Er komponierte und produzierte unter anderem Joy Denalane und Max Herre.

Tommy Wittinger, erzählt Samadhi, ist im Sommer 2012 auf ihn aufmerksam geworden bei einer Party im Club Tonstudio, als er einen Spontanauftritt hingelegt hat – mit ungeahnten Folgen. Im September 2012 war der Vertrag zwischen Samadhi und Wittingers Label Terrasound geschlossen. Die Arbeiten am Album „Alles und mehr“, das am 6. September erscheint, begannen. Die erste Singleauskopplung mit dem Titel „Was“ soll am 5. Juli erscheinen.

Student in Mittweida, Musiker in Stuttgart

Bevor Samadhi die Unterschrift unter den Vertrag setzte, immatrikulierte er sich an der Hochschule in Mittweida für den Studiengang Medienmanagement. „Ich wusste, dass eine heftige Zeit auf mich zukommt, aber ich will das zu 100 Prozent“, sag er. Das Studium soll kein Notnagel sein, falls es mit der Musikkarriere doch nicht klappt. Im Gegenteil, so Samadhi: „Ich will noch mehr fundiertes Wissen über das Musikgeschäft.“

Während sich der 29-Jährige unter der Woche in Mittweida das theoretische Wissen aneignet, geht es an den Wochenenden in Stuttgart um die Praxis. Die meiste Zeit verbringt er im Studio von Tommy W. oder bei Auftritten – jeder einzelne steigere den Bekanntheitsgrad. „In der Musikszene in Stuttgart kenn ich mittlerweile viele Leute“, sagt Samadhi.

Doch mit dem neuen Album will er einen Schritt weiter. Er möchte beim breiten Publikum bekannt werden, erfolgreich sein – auch kommerziell. Für seine Auftritte nimmt er Geld. Die Entscheidung dazu sei ihm nicht leicht gefallen. „Es war wohl die schwierigste Kurve, die ich genommen habe vom Hobby-Entertainer zum professionellen Musiker“, sagt er.

Nicht jeder goutiert das. Für eine Herzenssache Geld zu nehmen, passt nicht jedem. Samadhi hatte deshalb selbst Bauchschmerzen, auch sorgte er sich, dass Auftritte wegfallen könnten. Genau das passierte auch, aber andere kamen dazu.

Musik als Weg, Erlebnisse zu verarbeiten

Wenn die Platte draußen ist, will Samadhi auf Tour. „Am liebsten als Support, das würde besser ziehen.“ Das sei für den Anfang realistischer, so der 29-Jährig. „Die Leute müssen mich ja erst einmal kennenlernen“, sagt er. Eine Promo-Tour zu den Radiosendern der Republik soll dabei helfen. Als kostenlosen „Appetit-Happen“, wie es Samadhi nennt, hat er sein Video zum Song „Fick dich Welt“ auf die Plattform You Tube gestellt. Das Lied mit dem provokanten Titel, das noch vor seiner Zusammenarbeit mit Tommy Wittinger entstanden ist, hat er nicht ohne Absicht gewählt. „Man muss einfach aus der Masse rausstechen und sich was trauen“, sagt er. Knapp 11 000 Mal ist es bisher angeklickt worden.

In seinen Liedern verarbeitet Samadhi persönliche Erfahrungen, auch Schicksalsschläge. Dabei geht es auch um seine Vergangenheit in der ehemaligen DDR und die Zeit danach. „Gerade nach der Wende war es schwierig, keiner wusste richtig, wie es weiter geht“, sagt er. Die Zeit der Unsicherheit hat auch innerhalb der Familie Spuren hinterlassen. „Die Musik war immer mein Anker.“ Als Jugendlicher machte er Freestyle-Sessions mit den Kumpels. „Ich habe gemerkt, dass ich was zu sagen habe und begonnen, Texte zu schreiben“, erzählt er.

Heute zeigt er auch Schülern, wie man Texte schreibt und richtig reimt. An einer Werkrealschule in Leinfelden-Echterdingen war er letztes Jahr für ein Workshop Dozent für Hip-Hop und Performance. Es ist eines von mehreren sozialen Projekten, die er bisher unterstützt hat. „Angefangen hat das mit der Hymne für den Verband Württembergischer Sportjugend, die ich 2007 geschrieben habe“, sagt er. Danach kamen verschiedene Anfragen. Ein weiteres Projekt war „Chor meets Rap“, bei dem ein Kammerchor aus Esslingen und eine Rap-Crew gemeinsam Schillers Glocke zur Aufführung brachten.

Ein Auftritt ist wie ein Flash

„Solche Projekte sind eine tolle Sache“, sagt Samadhi, „da kriegt man viel zurück.“ Viel positives, so wie auch seine Musik verstanden werden soll. „Ich will zusammen mit den Leuten, die meine Musik hören, Spaß haben“, sagt Samadhi. Deshalb liebe er auch die Auftritte. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn dein Song Emotionen bei Menschen auslöst“, sagt er. Manchmal sei das wie ein Flash, wenn er auf der Bühne stehe und nur noch Hände sehe, die in die Luft gereckt sind. „Es ist wie ein Meditationszustand, der höchste, den man erreichen kann“, sagt er, „das bedeutet Samadhi.“

Er hat sich den Künstlernamen ausgesucht, weil er immer Sam genannt wurde. Samadhi war da nicht weit. „Es war eine Zeit, in der ich auf der Selbstsuche war und mich mit Buddhismus beschäftigt habe“, sagt er. Eine Erkenntnis fand er: „Ich mache genau das, was ich machen will.“

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