Wenn der Radverkehr in Böblingen zunehmen soll, muss sich die Haltung der Verantwortlichen ändern, meint unser Redakteur Michael Stürm.
Ohne Zweifel: In den vergangenen Jahren hat sich in Böblingen was getan beim Bau von Radwegen. An vielen Orten ist es für Radler bequemer und sicherer geworden. Aber wenn es darauf ankommt, so hat es den Anschein, dann sind die Radler und Fußgänger eben doch nur Nebendarsteller in dieser Stadt. Wenn es eng und schwierig wird, lässt die alte Autostadt weiterhin grüßen und verweist diejenigen, die sich ohne Abgaswolken zu produzieren ins alltägliche Verkehrsgetümmel stürzen, auf die Nebenspur.
Die Mär vom teuren Radverkehr
Die Planungen für die Trasse nach Dagersheim und an der neu zu bauenden Brumme-Kreuzung beweisen das. Da wird die einst eben und direkt verlaufende Radspur in den Teilort über eine steile Trasse mit Spitzkehre auf einen Abweg geführt – weil die Radler auf der bisherigen Spur den Kfz-Verkehr stören. Auf der neuen Böblinger Monsterkreuzung werden die Radler in die eine Fahrtrichtung zur Randexistenz auf gefährlichem Terrain degradiert. Auf der anderen Seite müssen sie mit großem Aufwand um die Kreuzung herumgeführt werden. Dies alles kostet viel Geld – Ausgaben, die die Mär vom viel zu teuren Radverkehr verstärken werden, obwohl dieser dafür gar nicht verantwortlich ist.
Zwanzig Prozent des Verkehrs soll dereinst durch Radfahrten bewältigt werden, nicht nur in dieser Stadt. Ein ehrgeiziges Ziel, an dem kein Weg vorbei führt, wenn wir in einigen Jahrzehnten nicht mit dem Klima im Chaos enden wollen. Mit dieser Haltung wird daraus nichts. Der Radverkehr darf auch an kniffligen Stellen nicht mehr als nachrangiges Übel behandelt werden. Verwaltung und Stadträte haben noch eine große Aufgabe vor sich.
Dass die Planungen für nicht alle durchgewunken worden sind, lässt hoffen.