Bis zu drei Meter reichen die Anbaugeräte am Schlepper vom Fahrersitz aus nach vorne. Radfahrer und Fußgänger sind erst spät zu sehen. Foto: Stadt Stuttgart/Max Kovalenko

Die Weinberge in Stuttgart sind besonders bei Radfahrern beliebt. Das birgt ein Unfallrisiko im Begegnungsverkehr mit den Fahrzeugen der Wengerter. Die Stadt will daher nun Warnschilder aufstellen.

Seit dem Boom der Pedelecs sowie E-Bikes und spätestens seit der Corona-Pandemie entdecken immer mehr Radfahrer und Fußgänger die Weinberge in der Landeshauptstadt für sich. Die Touren sind attraktiv, da die Wege in der Regel relativ breit und fast immer geteert sind. Doch das sorgt auch für Konfliktpotenzial. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, wenn die Wengerter mit ihren Schmalspurschleppern aus den Rebzeilen auf die Wege einfahren und auf die teils sehr schnellen Radfahrer treffen. Bislang ist es laut Amt für öffentliche Ordnung der Stadt noch zu keinen Zusammenstößen zwischen Traktoren und Radlern gekommen, die Gefahr fährt aber sprichwörtlich immer mit.

 

Gefahr vor allem in den Steillagen

Bereits im vergangenen Jahr hatten Vertreter des Bauernverbands auf Drängen des Obertürkheimer Wengerters und Gemeinderats Konrad Zaiß (Freie Wähler) beim Runden Tisch Landwirtschaft, den die Stadt einmal jährlich organisiert, auf solche Situationen hingewiesen. Zunächst wurde durch verschiedene Aktionen auf das Problem in der Öffentlichkeit aufmerksam gemacht. In der vergangenen Sitzung des Runden Tisches wurde nun der zweite Schritt beschlossen: Die Stadt stellt Hinweisschilder auf und weist mit zusätzlichen Piktogrammen auf dem Asphalt die Radfahrer an besonderen Gefahrenstellen in den Weinbergen auf große landwirtschaftliche Maschinen hin.

„Vor allem in den Steillagen ist dies wichtig“, weiß Zaiß. Gerade in diesen Bereichen müssen die Schlepper mit etwas Schwung auf die Wege einfahren und können auch nicht bremsen, um nicht stecken zu bleiben. Auf der anderen Seite erlauben die steilen Wege den Radfahrern bergab richtig Schwung zu nehmen. Sie erreichen dadurch hohe Geschwindigkeiten.

Rechtslage ist klar geregelt

Die Rechtslage ist in der Straßenverkehrsordnung klar geregelt: Jeder Verkehrsteilnehmer, der in einen Weg einfahren will, muss sich so verhalten, dass kein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet wird. Allerdings sei es schwierig durch die Anbauten an den Fahrzeugen – die bis zu drei Meter vom Sitzplatz nach vorne reichen, frühzeitig reagieren zu können. „Man sieht einfach nichts“, sagt Zaiß. Doch um die Schuldfrage gehe es überhaupt nicht. Vielmehr „müssen beide Seiten mehr Rücksicht nehmen“, betont Zaiß. „Es bringt niemandem etwas, wenn am Ende ein Radfahrer über die Motorhaube des Schleppers fliegt.“

Neue Schilder und Piktogramme im Frühjahr

Um dem vorzubeugen, will die Stadt nun an prägnanten Stellen Warnschilder aufstellen und Piktogramme auf den Boden zeichnen. Das genaue Aussehen und die Standorte müssten noch zwischen dem Ordnungsamt und dem Bauernverband geklärt werden. In Frage kommen sie aus Sicht von Zaiß unter anderem am Spielplatz auf dem Mönchberg in Untertürkheim, unterhalb des Friedhofs in Obertürkheim, am Alosenweg in Hedelfingen oder am Schnarrenberg in Bad Cannstatt: „Überall dort, wo Radler in die Weinberge einsteigen können.“ Vom kommenden Frühjahr an sollen diese dann durch die Hinweisschilder und Piktogramme gewarnt werden – für mehr Sicherheit im Weinberg.