Eine Studie empfiehlt den Bau von Radwegeschnellverbindungen. Die Mehrheit der Stadträte ist angetan, aber es gibt auch heftige Kritik am Konzept.
Stuttgart - Die Stadt hatte eine Machbarkeitsstudie über sogenannte Radschnellverbindungen aus der Region nach Stuttgart und wieder zurück in Auftrag gegeben. Das Ergebnis der Untersuchung fällt höchst positiv aus: Die Gutachter haben 13 Strecken auf Stuttgarter Gemarkung identifiziert, die sowohl technisch realisierbar wären als auch einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs leisten würden. Auch die Stadträte im Technikausschuss zeigten sich überwiegend angetan vom Potenzial der Rad-Highways.
Auf insgesamt 102 Kilometern Länge hat das Büro Bernhard Vorzugstrassen definiert, die im Schnitt von zwischen 2900 und 11 800 Radler pro Tag genutzt werden könnten. Der Ausbau der Strecken würde der Studie zufolge mit insgesamt 125 Millionen Euro zu Buche schlagen; 75 Prozent der Kosten werden vom Bund, 12,5 Prozent vom Land gefördert. Nach Angaben der Verfasser der Studie wäre der gesamtwirtschaftliche Nutzen des Radschnellwegenetzes mehr als doppelt so hoch wie die Investitionskosten, weil nach ihrer Einschätzung viele Autofahrer aufs Rad umsteigen, wenn sie damit schneller zur Arbeit kommen als bisher.
Heftiger Widerspruch von den Freien Wählern
Das ist ganz im Sinne der Grünen im Rathaus: „Je mehr Radfahrer, umso weniger Staus“, so Stadträtin Christine Lehmann. Das Geld sei gut angelegt, der Autoverkehr werde „entlastet“. Auch Christoph Ozasek (Linksfraktion) sagte, es sei wichtig, den mehr als 60 Prozent Berufspendlern aus und nach Stuttgart ein Angebot für eine klimaschonende Mobilität zu machen. Positiver Nebenaspekt für Ozasek: „Straßenbegleitende Parkplätze werden reduziert.“ Auch SPD und FDP halten das Gutachten für eine gute Basis für weitere Planungen. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz betonte, es müsse darum gehen, die richtige Balance zwischen Radverkehr und Autoverkehr zu finden – „und nicht Straßen durch Radwege zu ersetzen.“
Heftiger Widerspruch kam vom Fraktionschef der Freien Wähler, Jürgen Zeeb: „Ist das jetzt in der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg wirklich das wichtigste Thema für Stuttgart?“, fragte er und warnte davor, irgendwann auch noch „überdachte und beheizte Radwege“ zu planen. Kai Goller (AfD) wiederum bestritt, dass der Ausbau des Radwegenetzes einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leiste: „Ich kann’s nicht mehr hören.“
Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), politischer Vorkämpfer der Radschnellwege, lobte die Studie: „Die aus dem Umland auf Stuttgart zuführenden Strecken haben ein erhebliches Potenzial zur Vermeidung von Stau, Luftverschmutzung und Lärm.“ Er riet der Stadt, die Chance zu ergreifen und den Bau der Strecken zügig in Angriff nehmen. Auch der ADFC und die Initiative Radentscheid sehen in den Plänen trotz Detailfragen gute Ansätze.