Grammophone in der Ausstellung in Waldbronn. Foto: List

Bei einer Führung durchs Radiomuseum Waldbronn reist man auf unterhaltsame Weise durch die Technikgeschichte.

Waldbronn - Wenn Eduard Hofmann das Museum aufschließt, findet er manchmal eine Überraschung vor der Tür: ein ausgedientes Radio, einen betagten Plattenspieler, ein altes Tonband, das jemand für museumsreif hält und deshalb hier abgestellt hat. Auch heute liegt etwas neben dem Eingang: eine Stereoanlage von Braun, die allerdings so ramponiert ist, dass sie keine Chance hat, zum Ausstellungsstück zu werden.

Kult-Geräte aus mehreren Jahrzehnten

Die 500 Geräte, die sich auf Tischen und in Regalen im Radiomuseum im Waldbronner Teilort Reichenbach dicht aneinander reihen, sind alle gut im Schuss: vom Röhrenempfänger von 1924 bis zur Anlage der Firma Braun von 1956, die für ihr Design berühmt wurde und wegen des Deckels aus Acrylglas den Spitznamen „Schneewittchensarg“ bekam. Sie zeigen, wie sich die Technik nach 1923, als in Berlin die ersten Hörfunk-Sendungen ausgestrahlt wurden, entwickelte. Wenn der ehemalige Ingenieur Eduard Hofmann bei Führungen ins Erzählen kommt, haucht er den angestaubten Geräten Leben ein und verwebt auf spannende Weise den technischen Fortschritt mit historischen und politischen Ereignissen.

Eine ganze Wand ist mit Radios bestückt, die aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen stammen, wie der „Volksempfänger“: Unter den Nationalsozialisten wurde das Radio zum Massenmedium, das sie für ihre Propaganda nutzten. Der „Volksempfänger“ mit Holzgehäuse wurde erstmals auf der Funkausstellung in Berlin 1933 vorgestellt und dort 100 000 Mal verkauft. 1934 lieferten die Hersteller bereits 830 000 Geräte aus. „Dabei waren alle von Hand gelötet, das muss man sich mal vorstellen!“, sagt Hofmann. Im Regal steht auch ein Top-Modell von Telefunken, das 600 Reichsmark kostete und auf Fotos aus der Reichskanzlei aus dem Jahr 1937 zu sehen ist. „So hat also der Führer Radio gehört“, sagt Hofmann, „und so sein Volk“, und zeigt auf das kleine Modell zu 38 Reichsmark, das die Berliner „Goebbels-Schnauze“ tauften.

Goldmedaillen für exzellenten Empfang

Das Philips-Radio, das nur ein Bedienelement hat, wurde ebenfalls 1937 gebaut: Sendersuche, Lautstärke, Bässe und Höhen regelte der Hörer über einen einzigen Knopf. „Der Joystick der 30er-Jahre“, erklärt Hofmann belustigt, und fügt hinzu, dass die Radios aus Deutschland damals zur Spitzenklasse zählten. Das wertvollste Stück im Museum stammt auch aus dieser Zeit – ein schlichter Holzkasten, den der Laie sicher übersehen hätte, der aber heute unter Sammlern sehr begehrt ist: das Radio Transmare, für das sein Hersteller Körting bei der Weltfachausstellung 1937 in Paris zwei Goldmedaillen für exzellenten Empfang und exzellente Wiedergabe einheimste.

Den Grundstock zum Museum lieferte Rundfunkingenieur Manfred Schneider aus Waldbronn. Er sammelte Radios und mehr, den Grammophonschrank von 1926 zum Beispiel hat er vor dem Sperrmüll gerettet. Die Sammlung wuchs und irgendwann einigte sich Manfred Schneider mit dem Bürgermeister: Er stellt seine Geräte zur Verfügung und die Gemeinde das Gebäude, ein altes zweistöckiges Fachwerkhaus. Als Pensionär kümmerte er sich um seine Sammlung, bis er 1999 starb.

Autoradio für den VW Käfer

Über einen Aufruf der Gemeinde kam Eduard Hofmann zum Museum: Der Ingenieur war gerade in Rente gegangen und scharte bald einen Kreis ehemaliger Kollegen um sich, der sich ehrenamtlich um das Haus und die Schätze kümmert. Ein Edison-Phonograph ist darunter, der ab Ende des 19. Jahrhunderts hergestellt wurde. Ein uralter Plattenspieler, Grammophonschränke aus den 1920er-Jahren fürs Großbürgertum ebenso wie ein mondänes Gerät von Schaub aus dem Jahr 1952, das nicht mit Bändern, sondern magnetisiertem Draht funktionierte und so viel kostete wie ein Bauplatz für ein Einfamilienhaus.

Über die Hälfte der Exponate stammen aus Schneiders Sammlung, alles andere ist über die Jahre dazu gekommen. Wie auch das Autoradio, das in den VW Käfer mit Brezelfenster passte. „Es hieß auch Handelsvertreter-Radio“, sagt Eduard Hofmann, „denn man konnte es mit 6, 125 oder 220 Volt betreiben und mit ins Hotel nehmen, wenn man dort Radio hören wollte.“ Offiziell heißt es übrigens „Monza“, stammt von dem Hersteller Becker aus dem benachbarten Ittersbach und ist auch ein Ausstellungsstück, das eines Morgens einfach vor der Tür des Museums lag.

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