Viel Spaß haben die Nachwuchsreporter im Studio 81, dem Patientenradio. Foto: Wenke Böhm

Vier Schüler gehen im Karl-Olga-Krankenhaus auf Sendung. Eine Kulturagentin begleitet das Projekt. Kulturagenten für kreative Schulen gibt es in fünf Bundesländern, in Baden-Württemberg begleiten acht Agenten 24 Schulen.

S-Ost - Jessica, Jerome, Leonora und Angela beben vor Aufregung. Laut schnattern die Schüler der Berger Schule und der Werkrealschule Ostheim durcheinander. „Es ist ein Kopfhörer zu wenig“, ruft eines der Mädels hektisch zur Technik. „Ich hör was“, unterbricht sie ein zweites. „Voll cool!“, kommentiert Jerome knapp. Nur noch wenige Minuten, dann startet ihre erste Radiosendung im Studio 81, dem Patientenradio des Karl-Olga-Krankenhauses. Als der leise Countdown losgeht, ist die Spannung fast mit Händen zu greifen.

„Die einzige AG, die richtig Spaß macht“

Zunächst sollen sie erzählen – von ihren Schulen und der Radio AG, die sie zusammengebracht hat. Das fällt ihnen anfangs noch etwas schwer. Das Lampenfieber ist zu groß. Doch mit jeder Sendeminute finden sie sich immer mehr rein in die spannende Aufgabe. In der Radio-AG erfahre man etwas darüber, wie Radio funktioniert, erzählt die 13-jährige Jessica, und Jerome fügt stolz hinzu: „Wir haben selbst Interviews gemacht, Musik rausgesucht und alles, was man beim Radio so macht.“ Warum sich die vier für dieses Projekt entschieden haben, möchte Moderator Erich Ebert wissen. „Andere haben gesagt, es ist die einzige AG, die richtig Spaß macht“, berichtet die zwölfjährige Leonora freimütig.

Doch Rede und Antwort zu stehen, ist für die Kinder an diesem Tag eher Nebensache. Denn heute sind sie die Reporter. Deshalb drehen sie kurzerhand den Spieß um und befragen den Moderator, warum er Krankenhausradio macht. „Wenn man Musik hört, die einem gefällt, geht es einem vielleicht etwas besser“, erzählt Ebert. Der Krankenhausfunk sei inzwischen seit 32 Jahren auf Sendung.

Kultur als fester Lebensbestandteil

Referendarin Annika Plum hält sich bewusst im Hintergrund. „Ich bin nur die Assistentin. Die Schüler sind die Akteure.“ Schon in den vergangenen Wochen haben die Kinder kurze Beiträge aufgenommen und selbst geschnitten – über zwei Ausstellungen, auf denen auch Schüler mit einigen Kunstwerken vertreten waren, und über den Chefarzt der Handchirurgie, der einen afghanischen Jungen mit schweren Verbrennungen kostenlos behandelt.

Während seine Antworten in die Krankenzimmer übertragen werden, berichtet Kulturagentin Johanna Niedermüller, die die Radio-AG begleitet, vor der Studiotür von ihrem Modellprojekt. Kulturagenten für kreative Schulen gibt es in fünf Bundesländern. In Baden-Württemberg begleiten acht Agenten 24 Schulen, und zwar zunächst bis 2015. Ziel ist es, den Kindern Kenntnisse über die Künste zu vermitteln, damit Kultur ein fester Bestandteil in ihrem Leben werden kann. Den jungen Radiojournalisten würde sie gern auch einen Auftritt beim SWR ermöglichen. „Das wäre natürlich schön.“

Wie ein Profi

Unterdessen naht die große Stunde von Live-Reporterin Jessica. Mit dem Mikrofon in der Hand befragt die 13-Jährige zuerst Koch Manuel Hennes. Er verrät ihr unter anderem, dass er und seine Leute pro Tag bis zu 900 Mittagessen kochen, manchmal mehr als zehn verschiedene. Danach stattet Jessica Krankenschwester Elke Härich einen Besuch ab. Doch kurz bevor dieser Beitrag starten soll, kommt Ebert angerannt. Der Akku des Mikrofons ist zu schwach, er wechselt ihn in Windeseile.

Jessica nimmt’s wie ein Profi, und stellt nach der kurzen Aufregung ohne eine Spur von Verlegenheit ihre Fragen. Dafür erntet sie von Ebert später ein Lob. Erfolge, wie diese sind wichtig, weiß Niedermüller. Nicht selten würde das neue Selbstbewusstsein auch auf den Unterricht ausstrahlen.

Die knapp zwei Stunden gehen rum wie im Flug. Als es geschafft ist, treten die Kinder gelöst und stolz vor die Tür. „Ich wollte schon immer im Radio reden. Es war toll, dass ich die Möglichkeit hatte“, sagt Jessica, und die anderen pflichten ihr bei. Dass die vergangene Nacht wegen der Aufregung mit vier bis sechs Stunden Schlaf „etwas kurz“ gewesen sei, störe sie nicht. Dafür seien sie jetzt bestens im Bild für ihren Auftritt im Freien Radio am 25. März, bei dem dann hoffentlich ihre beiden kranken Mitschüler auch wieder fit seien. „Man weiß, wie alles abläuft“, sagt Jessica abgeklärt. Als die vier jedoch erfahren, dass es dann keinen Moderator geben wird und dass die ganze Sendung live ist, kreischen sie im Chor: „Oh, mein Gott!“

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