Die Theodor-Heuss-Straße in Richtung Bahnhof Fellbach: Geht’s dort eines Tages per Brücke über die Bahngleise? Foto: Patricia Sigerist

Radfahrer müssen am Fellbacher Bahnhof zusammen mit Autos eine für sie wenig attraktive Unterführung nutzen. Die Idee einer ergänzenden Brücke, nur für sie und für Fußgänger, gibt es schon länger. Nun könnte sie Realität werden.

Fellbach - Als lokal- und verkehrspolitischen Dauerbrenner kann man das Thema sicher nicht bezeichnen, schließlich liegt die letzte größere öffentliche Debatte über die Angelegenheit mehr als acht Jahre zurück. Andererseits wird über die Verwirklichung der Idee schon gut ein Jahrzehnt diskutiert – was zeigt: Die Realisierung manchen Projekts benötigt einen langen Atem. Womöglich wird nun doch etwas aus dem Projekt. Es geht um die Pläne, die Bahngleise in Fellbach mittels einer neuen Brücke überqueren zu können – allerdings nicht als Zusatzangebot für die Auto- oder gar Lastwagenfahrer. Vielmehr sollen Fußgänger und insbesondere Fahrradfahrer in den Genuss einer weiteren schnellen Querung des Schienenstrangs kommen.

Radstrategie Fellbach

Zu erkennen war diese Entwicklung bereits Ende Juni, als neue Fellbacher Mobilitätsbeauftragte Birgit Ohrner ihre „Radstrategie Fellbach“ im Gemeinderat vorstellte. Und immerhin, auf einer Landkarte zwar recht klein, aber doch gut erkennbar eingezeichnet, war der Begriff „geplante Bahnüberführung“ zu lesen. Auch in der Diskussion äußerten sich einige Räte positiv zu diesem Thema, etwa Matthias Conrad (Freie Wähler/Freie Demokraten) oder Agata Ilmurzynska. Die Grünen-Fraktionschefin erklärte: „Der zweite Übergang ist ein Wunsch, bisher hieß es immer, es sei nicht machbar. Aber es ist ein starker Wunsch, und es gibt genügend ähnliche positive Beispiele.“ Auch der SPD-Fraktionsvize Andreas Möhlmann äußerte Hoffnung auf eine „geschwungene Brücke in der Verlängerung der Radstraße“.

Vor einigen Tagen hat nun die CDU-Fraktion bei Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull einen „Prüfantrag für eine Querung der Bahnlinie“ eingereicht. Insbesondere seit Simone Lebherz als Teil der Doppelspitze gemeinsam mit Jörg Schiller am Fraktionsruder ist, erkennen Beobachter bei den Christdemokraten eine vorher nicht ganz so ausgeprägte Zuneigung zu Radfahrthemen – was vermutlich auch daran liegen könnte, das die Schmidenerin selbst häufig gesichtet wird, wie sie mit dem Drahtesel durch Schmiden, den Schwabenlandhallenpark oder zum Arbeitsplatz im Waiblinger Landratsamt flitzt. „Wir müssen uns weiterentwickeln, sonst werden wir keine fahrradfreundliche Kommune“, erklärte sie in ihrem Statement zur Fellbacher Radstrategie und warb überdies für die Finanzierung von Lastenrädern.

Rampe war früher zu teuer

Konkret geht es nun aber erst mal um die erhoffte neue Fahrradbrücke über den Gleisen. Bereits vor dem Bau des Volkshochschulgebäudes am Fellbacher Bahnhof wurden, wie die CDU in Erinnerung ruft, „Überlegungen angestellt, für den Radverkehr auf Höhe der Theodor-Heuss-Straße eine Verlängerung in Form einer Rampe und Querung über die Bahngleise zu schaffen“. Das Projekt sei damals aber „auch aus Kostengründen“ nicht weiter verfolgt worden.

Doch die Erde hat sich weitergedreht, und mittlerweile drehen sich auch in Fellbach die umweltfreundlichen Räder immer häufiger und öfter. Die Zahl der Radfahrer in der Stadt hat weiter zugenommen, Fahrradgeschäfte erleben gerade in den derzeitigen Corona-Zeiten einen richtigen Boom. Simone Lebherz und Jörg Schiller verweisen deshalb auf die aktuell verfügbaren, teilweise sehr attraktiven Förderprogramme für die Rad- und Fußgängerinfrastruktur und bitten nun die Fellbacher Verwaltung um Überprüfung der früher entwickelten Planungen für diesen Überweg. Bei einer realistischen Umsetzungsmöglichkeit sollten die finanziellen Rahmenbedingungen abgeklärt und dem Gremium vorgestellt werden.

Unterführung ist die einzige Alternative

Im Moment ist die Unterführung an der Fellbacher Straße und Bahnhofstraße die einzige Alternative zur Überwindung der Bahnlinie. Diese bietet allerdings wenig Sicherheit für Radfahrer und bremst aufgrund der umliegenden Ampelkreuzungen das rasche Vorankommen erheblich. Aus Sicht der CDU-Fraktion wäre die Möglichkeit, die Bahnlinie im Bereich westlich des Bahnhofs „ mit einer Rampe zu überqueren, ein sehr attraktives Angebot für Radfahrer“.

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