Wegen der Quarantäne sind die Geflüchteten im Polizeigewahrsam untergebracht. Foto: imago/Objektif

Die Polizei greift fünf Flüchtlinge auf. Sie sollen auf ihrem Weg nach Deutschland durch ein Risikogebiet gekommen sein. Das hat Folgen für ihre Unterbringung – und für die Polizeibeamten, die Kontakt zu ihnen hatten.

Stuttgart - Normalerweise ist die Ankunft Geflüchteter in Stuttgart kein außergewöhnlicher Fall für die Polizei. Sie werden als illegal Eingereiste erfasst und in entsprechende Unterkünfte gebracht. Doch in einem aktuellen Fall ist alles etwas ungewöhnlich, auch aufgrund der Corona-Pandemie: Da fünf in Stuttgart aufgegriffene junge Männer auf ihrem Weg nach Deutschland in einem Risikogebiet waren, müssen sie erst mal in Quarantäne – ein Novum für die Stuttgarter Polizei.

Das Außergewöhnliche an dem Fall fängt mit der Entdeckung der Geflüchteten an: Ein Lastwagenfahrer aus Rumänien hielt am Dienstag gegen 19 Uhr an der Straße Am Nordkai in Untertürkheim an, um abzuladen. Als er die Plane öffnete, entdeckte er fünf junge Männer, die er als blinde Passagiere an Bord gehabt hatte. Diese erschraken ebenso wie der 56-jährige Fahrer und rannten davon. Der Mann rief die Polizei. Zwei Streifen rückten aus und konnten die vier Jugendlichen und einen Mann am Bruckwiesenweg aufgreifen. Sie wurden vorläufig festgenommen.

Die Identität der Geflüchteten ist noch nicht überprüft

Die Geflüchteten hatten keine Papiere und wenig Gepäck dabei. Sie gaben sich als Afghanen aus, einer soll 15, drei 16 und ein Mann 24 Jahre alt sein. Die Herkunft und das Alter seien noch nicht bestätigt, sagt Polizeisprecherin Meret Sigle. Auch war nicht herauszubekommen, wo sie auf den Lastwagen geklettert waren. Einen Fakt ihrer bisherigen Reise gaben sie aber bekannt: Sie hatten Station in Serbien gemacht. Das Land gilt als Risikogebiet aufgrund der hohen Zahl der dort bekannten Corona-Infektionen. „Die Männer zeigten keine Krankheitssymptome, müssen aber jetzt in Quarantäne, bis das Testergebnis da ist“, sagt die Polizeisprecherin. Als Notlösung seien sie daher zunächst in den Räumen des Polizeigewahrsams beim Polizeipräsidium Stuttgart am Pragsattel untergebracht. „Das ist ungewöhnlich, aber hier können wir die Quarantäne garantieren“, begründet das die Polizeisprecherin.

Wegen der Möglichkeit, dass die Männer das Virus in sich trugen, sind nun auch vier Polizisten vom Dienst freigestellt. Es sind die Beamten der zwei Streifen, die die Geflüchteten aufgegriffen hatten. „Sie haben sich dann auch im Revier um die Personen gekümmert und sind dafür auch länger im Dienst geblieben“, erläutert Sigle. Man wollte so verhindern, dass noch weitere Beamte mit den fünf Geflüchteten in Kontakt gekommen wären.

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