In der Wirtschaft sind Menschen mit machiavellistischen Ausprägungen mitunter besonders erfolgreich. Foto: imago///Andrii Nekrasov

Sie verbreiten Fake News, unterdrücken andere oder sind auch mal nett: Hauptsache es nutzt ihnen selbst. Fast jeder kennt solche Menschen, in der Psychologie heißen sie Machiavellisten. Wie kann man mit ihnen umgehen?

Der fiktive Charakter Frank Underwood aus der Serie „House of Cards“ ist skrupellos, kalt und mörderisch. Er tut alles, um sich Macht und Einfluss zu sichern. Aber er ist manchmal auch charmant und witzig. Das dient aber nicht dazu, andere zu unterhalten, er will auch damit seine Ziele erreichen. Underwood, gespielt von dem nach Vorwürfen sexueller Belästigung freigesprochenen Schauspieler Kevin Spacey, ist der Prototyp des Machiavellisten.

 

Skrupelloses Verhalten, das Menschen erfolgreich macht

Die Bezeichnung kommt von dem italienischen Philosophen Niccolò Machiavelli (1469 bis 1527). Er verbreitete die Ansicht, dass Menschen manipulieren, einschüchtern und betrügen müssen, um Macht zu erlangen. Jedes Mittel ist recht, solange es den eigenen Zielen dient. In der Psychologie wird Machiavellismus zur Dunklen Triade gezählt, neben den bekannteren Geschwistern Narzissmus und Psychopathie. Während Narzissten bewundert werden wollen, geht es Psychopathen um die Handlung selbst und Machiavellisten um ihre Ziele. Je weiter oben Menschen in einem Unternehmen sind, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, auf starke Ausprägungen der Dunklen Triade zu stoßen. Das ergeben verschiedene Studien, etwa von Forschern der Western University in Kanada aus dem Vorjahr.

Was macht Machiavellisten so erfolgreich? „Personen mit hoher machiavellistischer Ausprägung sind machtorientiert und agieren dabei sehr strategisch“, sagt Sandra Diller, Assistenzprofessorin für Organisationspsychologie an der Privatuni Schloss Seeburg in Seekirchen bei Salzburg. Dabei könnten diese Menschen auch ein gutes Gespür für Situationen und Menschen haben sowie auch positives Verhalten wie Empathie, Wertschätzung und Unterstützung zeigen, sagt Diller. Doch es gebe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieses Verhalten eingesetzt werde, um eigene Ziele zu erreichen.

Diese Menschen üben eine „dunkle Faszination“ aus

Personen mit hoher machiavellistischer Ausprägung könnten auch faszinierend wirken, erklärt Diller einen weiteren Erfolgsfaktor. „Nicht nur aufgrund ihrer vielleicht bereits erhaltenen Machtposition, sondern auch, weil sie eine Art dunkle Faszination ausüben“, so Diller. „Und wenn wir etwas faszinierend finden, schenken wir diesem Aufmerksamkeit und nähern uns der Sache vielleicht sogar eher an.“ Auf diese Weise könnten sich solche Verhaltensweisen etwa in Unternehmen verbreiten.

Als Mittel, um ihre Ziele zu erreichen, würden Menschen mit hoher machiavellistischer Ausprägung unter anderem Fehlinformationen verbreiten, sagt Christian Blötner, der an der Fernuniversität in Hagen zu dem Thema forscht. Das könne das absichtliche Verbreiten von Fake News bedeuten, aber auch die Nutzung von Informationen, die gar keinen richtigen Inhalt aufweisen. „Hauptsache, das gesetzte Ziel wird mit der Information oder Pseudoinformation erreicht“, sagt Blötner. Ein weiteres Mittel zum Zweck sei Mobbing – von Beleidigung bis hin zu körperlichen Übergriffen.

Mit etwas Training zum prosozialen Menschen

Das Verhalten von Machiavellisten gilt prinzipiell als wenig sozialverträglich, andere können darunter leiden. „Aber wenn ihm ein Verhalten auf die Füße fallen kann, verhält sich ein Machiavellist auch prosozial“, sagt Blötner. Auch Psychologin Diller sagt: Menschen mit hoher machiavellistischer Ausprägung seien veränderungsbereit, weil sie nach oben kommen wollten. Das könne man sich auch in Unternehmen oder privat zunutze machen – denn werde ethisches Handeln belohnt, setze sich dieses bei Machiavellisten auch eher durch.