Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stuttgart verhandelt gegen einen 23-Jährigen. Foto: dpa

Ein 23-Jähriger aus Gambia soll versucht haben, seinen ehemaligen Mitbewohner in einer Ludwigsburger Unterkunft zu töten. Er steht deshalb vor dem Stuttgarter Landgericht – nachdem er sich zuvor in die Niederlande abgesetzt hatte.

Ludwigsburg - Die Uhr zeigt 1.30 in einer Novembernacht im vergangenen Jahr, als es an einer Zimmertür im Asylbewerberheim auf dem Ludwigsburger Hungerberg klopft. Der Bewohner des Zimmers öffnet, lässt einen Bekannten herein und legt sich wieder ins Bett. Die Decke zieht er über seinen Kopf. Sekunden später rettet sie ihm möglicherweise das Leben.

Denn plötzlich sticht der Besucher mit einem Küchenmesser auf den im Bett Liegenden ein, die dämpfende Wirkung der Decke verhindert schlimmere Verletzungen, schreiben die Ermittler später in ihrem Bericht. Trotzdem werden das Opfer und seine Freundin, die ebenfalls in dem Zimmer schläft, verletzt. Gemeinsam können sie den Angreifer schließlich aus dem Raum drängen. Der Aggressor flüchtet, das blutige Messer wirft er unterwegs weg.

Ob sich der Vorfall in den frühen Morgenstunden des 15. November wirklich so zugetragen hat, wie die Staatsanwaltschaft behauptet, muss seit Mittwoch eine Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts klären. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Angeklagte, ein 23-Jähriger aus Gambia, seinem Opfer nach dem Leben trachtete und werfen ihm deshalb versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor.

Angeklagter ging selbst zur Polizei

Der Angeklagte selbst sagte zum Prozessauftakt, dass er sich an die Geschehnisse von damals nicht genau erinnern könne. Gegen 1 Uhr will er in der Unterkunft Kokain konsumiert haben, danach wisse er nichts mehr – außer, dass er irgendwann das Messer in seiner Hand, Blut und viele Leute um sich herum gesehen habe. Laut der Ermittlungsakten ging der Mann kurz nach dem Vorfall selbst zur Polizei und sagte, dass „etwas Schlimmes“ passiert sei. Auch wies er den Beamten offenbar den Weg, sodass sie schließlich das Küchenmesser fanden.

Nachdem die Polizei ihn am Tag nach dem Vorfall laufen ließ, habe er „Angst bekommen“, sagte der Angeklagte. Er sei deshalb in die Niederlande gereist. Dort stellte er einen neuen Asylantrag, wie zuvor schon in Deutschland und in Italien – dort war er aus Libyen mit dem Schiff angekommen.

Als er im April dieses Jahres wieder nach Deutschland einreiste, wurde der Gambier noch am Flughafen festgenommen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

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