Im Prozess nach dem Leichenfund in Esslingen-Sirnau ist ein Zeuge angehört worden. Der 22-Jährige hat eingeräumt, dem Angeklagten beim Beseitigen der Leiche und von Spuren am Tatort geholfen zu haben.
Die Aussagen des vielleicht wichtigsten Zeugen waren am Dienstag teils schwer nachvollziehbar. Im Landgericht Stuttgart mussten die Juristen mehrmals nachhaken, bis klar war, was der 22-Jährige am Ostersonntag erlebt und gesehen haben will. Auf der Anklagebank saß der beschuldigte Hotelier aus Stuttgart, dem unter anderem Mord aus Habgier vorgeworfen wird. Mit seiner Größe von zwei Metern hinterließ der Zeuge einen bleibenden Eindruck. Der Hüne gab zu, dem Angeklagten geholfen zu haben, den Tatort in einer Tiefgarage des Hotels von Blut zu reinigen, und die Leiche des 59-jährigen Opfers danach in einen Wald bei Esslingen-Sirnau gebracht zu haben. Zudem berichtete er von Erzählungen des 47-jährigen Hotelchefs, die auf ein anderes Tatmotiv hindeuten könnten.
Dem jungen Mann stand ein Übersetzer zur Seite. Das führte dazu, dass die Anhörung immer wieder ins Stocken geriet. In einem Café in Bad Cannstatt habe er den Angeklagten kennengelernt, sagte der Zeuge und mutmaßliche Helfer. Die beiden Handwerker hätten daraufhin ein Unternehmen gegründet, das jedoch keine Einnahmen einbrachte. Danach habe Funkstille geherrscht – bis der 22-Jährige Anfang April dieses Jahres ein Dach über dem Kopf brauchte. Er sei im Hotel des Angeklagten untergekommen und habe dort drei Wochen lang gewohnt.
Er habe aus Angst geholfen
Am Ostersonntag, dem Tag der Tat, habe er im Hotel einen Kaffee getrunken, sagte der junge Mann. Dabei sei er mit dem Gastwirt ins Gespräch gekommen. Dieser habe ihm eine Plastiktüte in die Hand gedrückt und gesagt: „Es kommen drei Freunde, und wir machen ein Geschäft.“ In der Tüte befanden sich 30 000 Euro in bar. Der Auftrag des Zeugen: Dieses Geld später zu dem Treffen bringen. In einem Park in der Nähe hätten sich die Männer verabredet. Es sei dann alles so geschehen wie vereinbart: Er habe das Geld abgeliefert, der Angeklagte und einer der Männer verschwanden. Er selbst blieb mit den zwei anderen im Park zurück. Später im Hotel habe ihm der Hotelchef dann eine Frage gestellt: „Mir hat jemand 100 000 Euro geboten, um mit meiner Tochter einen Pornoclip zu drehen. Was würdest du machen?“
Das spätere Opfer, ein 59-jähriger Hotelgast, habe dem Angeklagten dieses Angebot unterbreitet. Das habe der 47-Jährige zumindest erzählt, sagte der Zeuge, und dann habe der Hotelier gemeint: „Ich habe ihn in den Himmel geschickt, damit er dort Pornos drehen kann.“ In der Tiefgarage des Hotels habe der 47-Jährige dem Hünen dann die Leiche des 59-Jährigen gezeigt und ihn um Hilfe gebeten. Er sei geschockt gewesen, sagte der Zeuge, und er habe aus Angst vor dem Angeklagten geholfen, den Abstellraum zu reinigen. Dann hätten sie die Leiche in einem Kastenwagen nach Esslingen gebracht.
Mit der Pornogeschichte kommt ein mögliches neues Tatmotiv ins Spiel. Ob es sich um die Wahrheit oder eine bloße Behauptung handelt, wird sich in den kommenden Terminen zeigen. Die Ermittlungen hatten ergeben, dass sich der Angeklagte unerlaubt 110 000 Euro vom Vermögen des späteren Opfers genommen haben soll. Der Angeklagte hat sich noch nicht dazu geäußert.