Sieben Angeklagte müssen sich vor dem Landgericht Stuttgart wegen Betrugs verantworten. Foto: dpa/Marijan Murat

Ex-Fußballprofi Michael Ballack als säumiger Zahler? Eine Betrügerbande soll unter den Namen unter anderem von Fußballern Waren bestellt und nicht bezahlt haben.

Stuttgart - Ex-Fußballprofi Michael Ballack bestellt bei einem Versandhandel Handys an eine Adresse in Stuttgart und bezahlt die Ware dann nicht? Christian Gentner, einst beim VfB Stuttgart unter Vertrag, sowie Leipzig-Profi Ademola Lookman begleichen ihre Rechnungen bei dem Versandhandel ebenfalls nicht? Da haben sich Betrüger einen schlechten Scherz erlaubt. Die Namen sind vorgeschoben, die bestellten Waren sind weg.

Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts stehen seit Montag sechs Männer und eine Frau, denen bandenmäßiger Betrug, Urkundenfälschung und die Verletzung des Fernmeldegesetzes vorgeworfen werden – in mehr als hundert Fällen.

Ausgeklügeltes System

Das System der mutmaßlichen Betrügerbande war ausgeklügelt. Zwei der Angeklagten aus Oberhausen und Duisburg haben laut Anklage in der Zeit von Ende Juli bis 22. September vorigen Jahres dutzendweise Kundenkonten bei mehreren großen Versandhäusern eingerichtet. Dabei gaben sie rund hundert Adressen in Stuttgart und mehrere in Weinstadt im Rems-Murr-Kreis als Lieferadressen an. In den meisten Fällen waren die dazugehörenden Namen erfunden – oder sie verwendeten besagte Fußballernamen.

„Dieses System funktioniert nur, wenn die jeweiligen Kurierfahrer eingeweiht sind“, sagt Joachim Holzhausen, Vorsitzender Richter der 3. Strafkammer.

Bestellt wurden Uhren, Handys, Laptops, andere elektronische Geräte sowie Kleidung. Die Lieferadressen hatten alle dieselbe Postleitzahl. Dadurch war sichergestellt, dass die „richtigen“ Paketzusteller der Kurierdienste die Pakete in ihre Wagen bekamen. Die vier Männer und die eine Frau waren für den Kurierdienst als Sub- oder als Subsubunternehmer tätig.

Richter mit und ohne Maske

Auf ihrer Tour hätten sie, so der Staatsanwalt, die jeweiligen Pakete per Scanner und gefälschter Unterschrift als ordnungsgemäß zugestellt ins System eingegeben. Die Waren sollen dann mit Privatautos nach Rumänien zum Weiterverkauf gebracht worden sein. Die Angeklagten stammen allesamt aus Rumänien. Der Wert der gestohlenen Geräte und Klamotten beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf knapp 34 000 Euro.

Am ersten Prozesstag wollten die Angeklagten noch keine Angaben zur Person oder zur Sache machen. Verteidiger Markus Okolisan regte an, man solle sich zu einem Rechtsgespräch treffen. Das deutet darauf hin, dass der Prozess, der bis Anfang September terminiert ist, ein vorzeitiges Ende finden könnte.

Im Gerichtssaal war die Corona-Pandemie allgegenwärtig. Der Vorsitzende Richter und eine Kollegin trugen Masken, der dritte Richter nicht. Vier der Angeklagten ließen ihre Masken auf, zwei trugen keine, die angeklagte Frau setzte ihre Maske auf halbmast. Der Prozess wird am 20. Mai fortgesetzt.

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