Die Polizei hat das Plakat am Sonntag entfernt. Foto: Jacqueline Fritsch

An der Lindachschule in Stetten (Landkreis Esslingen) ist am Sonntag ein Plakat aufgetaucht, das gegen die Maskenpflicht protestiert. Die Schulleiterin hat deshalb die Polizei gerufen. Ein Logo könnte einen Hinweis geben, wer dahinter steckt.

Stetten - Kleine Seelen darf keiner quälen“ – am vergangenen Sonntag prangte ein übergroßes Plakat mit diesem Text auf dem Hof der Lindachschule in Stetten. Neben dem großen Schriftzug war ein Kind mit OP-Maske zu sehen. Darunter der Hashtag „ichmachdanichtmit“. Der Eingang der Turnhalle und der Tischkicker waren mit roten und weißen Herzluftballons behängt. Die Schule ist laut der Rektorin Anja Vogler nicht über die Aktion informiert worden. „Ich würde so etwas nicht unterstützen“, sagt sie.

 

Fast 11 000 Aufrufe in den ersten 24 Stunden hatte ein Video auf Youtube, das das Plakat und die Luftballons an der Lindachschule in Stetten zeigt. Die Kommentare darunter gehen fast alle in dieselbe Richtung: „tolle Aktion!“ An der Schule dagegen schüttelt man den Kopf. Sie habe sofort die Polizei gerufen, als sie von der unangemeldeten Aktion erfahren habe, sagt die Schulleiterin. Und auch die Elternbeiratsvorsitzende sagt: „Wir als Elternbeirat stehen absolut nicht dahinter.“ Warum und von wem das Plakat an der Lindachschule aufgehängt worden ist, kann weder die Schulleitung noch der Elternbeirat sagen.

Wer hinter dem Verein steckt

Womöglich stammt das Plakat von dem Zusammenschluss „Eltern stehen auf“. Dessen Logo ist auf einer Ecke des Banners abgedruckt. Die deutschlandweite Initiative will Schulen und Eltern davon überzeugen, dass Masken angeblich schädlich für Kinder sind. In einem 65-seitigen Dokument legt der Verein dar, warum er sich gegen die Maskenpflicht für Kinder ausspricht. So würden Masken dazu führen, dass man gefühlsarm kommuniziert, weil nicht die ganze Mimik sichtbar ist.

Außerdem hätte man durch das ständige Tragen einer Maske einen erhöhten Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut, weil ausgeatmete Luft wieder eingeatmet werde. Deshalb fordert der Verein auf seinem Flyer auf der Homepage: „maskenfrei, abstandsfrei, freie Impfentscheidung“. Der Verein „Eltern stehen auf“ ist aus einer Facebook-Gruppe entstanden und seit Juli 2020 ein eingetragener Verein. Er hat 16 Mitglieder und mehr als 30 000 Unterstützer bei Facebook und Telegram. Neben der Maskenpflicht spricht er sich auch gegen eine Testpflicht bei Kindern aus.

Am Sonntagnachmittag hat die Polizei das Plakat an der Lindachschule entfernen lassen. Es sei offensichtlich ein Plakat gegen die geltenden Coronamaßnahmen, heißt es bei der Pressestelle des zuständigen Polizeipräsidiums in Reutlingen. Die Aufschrift habe aber keinen strafrechtlichen Inhalt, weshalb die Aktion keine polizeilichen Folgen haben werde.