Der Coup von Klimaaktivisten hätte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Sie wollten einen Live-Fernsehgottesdienst an Heiligabend kapern. Warum lief dann aber alles anders?
Sie kleben sich nicht nur auf Bundesstraßen. Sie hätten auch die ARD-Live-Fernsehübertragung einer Christvesper aus Stuttgart medienwirksam gestört: Klimaaktivisten der sogenannten Letzten Generation hatten an Heiligabend einen besonderen Coup geplant. Doch ihre Protestaktion lief ins Leere. Die Möhringer Pfarrerin Heike Meder-Matthis war den Aktivisten einen Schritt voraus.
Auferstehungskirche im Visier
„Wir hatten eine besondere Verantwortung“, sagt die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Möhringen und Fasanenhof. Zur besten Sendezeit für einen TV-Weihnachtsgottesdienst, an Heiligabend um 16.10 Uhr, stand die Übertragung der Christvesper aus der Auferstehungskirche an der Widmaierstraße auf dem Programm. Mit vielen Kindern im Gottesdienst, mit Menschen vor dem Fernseher, „viele sicherlich mit wunden Herzen und einer besonderen Emotionalität“, sagt Heike Meder-Matthis. Doch dann das: Die Pfarrerin erfährt Mitte vergangener Woche aus anonymer Quelle, dass Klimaaktivisten den Gottesdienst im Visier haben.
Der Dreh als Geheimaktion
Was tun? Und wie Aufregung vermeiden? „Die Kinder wären mit Sicherheit völlig von der Rolle gewesen“, sagt die Pfarrerin, „und womöglich hätte die Notfallseelsorge viel zu tun bekommen.“ Zusammen mit einem „sehr kleinen Kreis von Eingeweihten und dem Team des SWR“ habe man am Donnerstag entschieden: keine Livesendung.
Die Generalprobe am Tag vor Heiligabend soll der „echte“ Drehtermin werden. Da ohnehin nur geladene Gäste dem Gottesdienst beigewohnt hätten, wurden diese gebeten, möglichst zahlreich und festlich gekleidet zur Generalprobe zu erscheinen, angeblich um den Ernstfall realistisch zu simulieren. Die Kinder sollten bei der „Probe“ ihr Bestes geben und sich nicht wundern, dass sie vorzeitig die Geschenke öffnen durften. „Die Beteiligten wussten bis zum Ende der Aufzeichnung nichts“, sagt die Pfarrerin.
Was die Aktivisten sagen
Auch die Aktivisten nicht. Die standen an Heiligabend vor verschlossenen Türen. „Es ist aber Quatsch, wenn behauptet wird, wir hätten den Gottesdienst stürmen wollen“, sagt Aktivist Moritz Riedacher. Man hätte sich nur in Warnweste, mit Pappschild und Kerze vor den Altar stellen wollen – „friedlich, schweigsam, ohne Redebeitrag“. Für ihn wäre die Aktion „ein Zeichen der Solidarität mit der evangelischen Kirche“ gewesen.