In der Fachschule für Sozialpädagogik wird der Einsatz digitaler Hilfsmittel getestet. Foto: /Gottfried Stoppel

In einem Pilotprojekt testen Schüler der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Weinstadt die Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien in der frühkindlichen Bildung.

Bildung - Sie heißen Dash, Blue-bot, Bee-bot und Ozobot und werden bald im Kinderhaus am Sonnenhang in Weinstadt auch anzutreffen sein – dann nämlich, wenn Schüler der benachbarten Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik der Stiftung Großheppacher Schwesternschaft die Mini-Roboter dort in der Praxis testen. Noch indes sammeln die jungen Frauen und Männer selbst Erfahrungen mit ihnen und entwickeln Einsatzmöglichkeiten. Dies tun sie im Rahmen eines Pilotprojekts, das die Fachschule gemeinsam mit der Servicestelle der Technik-Erzieherinnen-Akademie (Tea) derzeit umsetzt. Bereits seit 2002 arbeitet man für das Wahlpflichtfach „Forschen und Experimentieren“ zusammen, das nun durch den Einsatz digitaler und elektronischer Medien einen neuen Schwerpunkt erhalten soll.

Analoges und digitales Lernen sollen verknüpft werden

Ein halbes Jahr dauert das Pilotprojekt. Der Hintergrund: „Digitale Medien haben in Gesellschaft und Bildung einen großen Stellenwert“, erklärt die Tea-Projektleiterin Sibylle Nägele, die am Lehrplan für das Wahlpflichtfach mitgearbeitet hat. Daher wolle man diese nun auch im Lehrplan aufgreifen, wobei Naturwissenschaften und Technik als bisherige Inhalte des Wahlfachs weiterhin ebenfalls Bestand haben sollen. „Es geht nicht darum, alles im Kleinkindbereich zu digitalisieren“, betont auch Pfarrer Andreas Lorenz, einer der beiden Schulleiter der Evangelischen Fachschule, „sondern wir wollen digitale Medien, welche die Kinder bisher nur als Spielmedien kennen, als Bildungsgegenstand aufnahmen, um digitales und analoges Lernen zu verknüpfen.“ Denn in Zeiten, in denen Kinder bereits mit Smartphones in die Kita kommen, stelle sich nicht die Frage, ob man mit diesen neuen Medien dort umgehe, sondern wie.

Roland Grühn, Dozent für Sozialpädagogik an der Fachschule, hat darauf bereits eine Antwort: „Es geht darum, dass die Kinder sich nicht nur berieseln lassen, sondern selbst aktiv mit digitalen Medien umgehen.“ Mögliche Anwendungsmöglichkeiten hierfür erprobt er jetzt in dem Pilotprojekt mit seinen Schülern.

Filmender Roboter und Auto mit Smartphone

Ein Blick in den Kursraum zeigt, dass diese äußert vielfältig sein können. So ist eine Schülergruppe dabei aus Lego auf Dash eine Handyhalterung zu bauen, um mit dem per Tablet steuerbaren Mini-Roboter dann die Umgebung filmen zu können – auch von einem Nachbarraum aus. Damit würden sie auf die Entwicklung der jungen Frauen am Tisch gegenüber technisch noch eins draufsetzen. Deren Prototyp - ein ferngesteuertes Auto, auf dem sie flugs mit Gummiringen ein Smartphone befestigt haben – hat derweil schon erste Filmaufnahmen aus Dackelperspektive geliefert. Die Jungs am Nachbartisch wiederum testen eine App, mit der sich per Smartphone und Laptop eine selbstbemalte Kuh auf Ausmalbilder dreidimensional animiert zum Leben erwecken lässt. Eine weitere Schülergruppe bastelt derweil an einer Art Landkarte für Blue-bot aus einer große Kunststofffolie mit Einschubfächern, in der sie selbst gesammelte Naturmaterialien drapieren wollen.

Die spätere Aufgabe: Mit dem käfer-förmigen Mini-Roboter, dessen Laufrichtung per Tastendruck programmiert werden kann, ausgewählte Dinge ansteuern. Durch das Programmieren von Blue-bot könnten die Kinder ein räumliches Vorstellungsvermögen bekommen, erläutert dazu Sibylle Nägele.

Am Ende des Pilotprojekts werden die Schüler bei einer Digital-Night ihre erarbeiteten Ideen für andere Fachschulen vorstellen, sagt Schulleiter Lorenz. Öffentlich geben sie schon früher Einblick – im Rahmen eines Tags der offenen Tür am Mittwoch, 13. November, ab 14 Uhr in der Weinstädter Fachschule, Oberlinstraße 4.

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