Seit gut 40 Jahren sind über dem Remstal die Hagelflieger im Einsatz. Foto: Gottfried Stoppel

Die Hagelabwehr wird auch die nächsten fünf Jahre finanziert. Das Jahresbudget liegt bei knapp 400 000 Euro, der Rems-Murr-Kreis steuert dazu 50 000 Euro bei.

Rems-Murr-Kreis - Auch in den kommenden fünf Jahren werden aller Voraussicht nach die Hagelflieger mit vier Flugzeugen vorbeugend den Kampf gegen vom Himmel fallende Eiskörner oder -klumpen aufnehmen. In seiner jüngsten Sitzung hat der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages der Fortsetzung der Hagelabwehr für den Planungszeitraum 2022 bis 2026 einstimmig zugestimmt, ebenso den damit verbunden Kosten von 50 000 Euro für den Rems-Murr-Kreis.

 

Ein Gewitter über dem Remstal richtet Schäden an

Allerdings – auch das ist in der Ausschusssitzung thematisiert worden: Absolute Garantie gibt es in Sachen Hagelverhinderung nicht. Wie etwa jener Abend Ende Juni vergangenen Jahres zeigte, als ein Gewitter über dem Remstal wütete und und trotz des Hagelfliegereinsatzes bei Strümpfelbach in einigen Weinbergen Schäden anrichtete.

Das allerdings ist kein Grund, am Sinn der Hagelabwehr zu zweifeln, weder für den Landrat, die Kreisräte oder für die restlichen Beteiligten aus Obst- und Weinbau, Kommunen und Landkreisen sowie Firmen und Versicherungen. Die Hagelabwehr gibt es im Remstal und in der Umgebung seit nunmehr gut 40 Jahren. Träger ist der Rems-Murr-Kreis, der in seinem Landwirtschaftsamt auch die Geschäftsstelle der Hagelabwehr beherbergt. Und inzwischen wird auch in anderen Regionen des Landes auf ähnliche Weise die Hagelabwehr organisiert.

Protagonist hierbei ist im Rommelshausener Bürgerzentrum der Weinstädter Kreisrat und Weinbergbesitzer Werner Hundt. Er sei nach wie vor absolut überzeugt vom Nutzen der Hagelabwehr, hat er in der Sitzung zu Protokoll gegeben. Im Umwelt- und Verkehrsausschuss warb er dafür, mit der Hagelabwehr auf jeden Fall bis 2026 fortzufahren. Zumal im Rahmen des Klimawandels auch extreme Hagelereignisse künftig zunehmen dürften, und die Region Stuttgart bekanntlich zu den hagelträchtigsten Regionen in Deutschland zählt. Trotzdem – das sei eben die Erfolgsbilanz – sind die Schäden in den von Hagelfliegern geschützten Bereichen in den vergangenen Jahrzehnten vergleichsweise minimal geblieben.

Im Jahr 2020 waren die Hagelflugzeuge siebenmal im Einsatz

Im vergangenen Jahr waren die Hagelflugzeuge laut der Einsatzstatistik siebenmal über dem Rems-Murr-Kreis im Einsatz. Es gab aber auch schon Jahre mit mehr als doppelt so vielen Flügen. 2015 wurde das seitherige Schutzgebiet erweitert und mit einer zusätzlichen meteorologischen Betreuung versehen. Und seit 2020 sind an den Flügeln der Einsatzmaschinen neue Generatoren im Einsatz, die das Silberjodid, mit dem die Bildung von Eiskristallen verhindert wird, noch effektiver versprühen.

Für den Betrieb der Hagelabwehr in ihrem derzeitigen Ausmaß braucht es ein Budget von jährlich knapp 400 000 Euro. Finanziert wird es von einer Gemeinschaft aus Land- und Privatwirtschaft, öffentlicher Hand und Versicherungen. Landkreise und Kommunen steuern in den kommenden fünf Jahren – so der Plan – jährlich jeweils 140 000 Euro bei, Wein- und Obstbau 188 000 Euro, Firmen und Versicherungen 30 000 Euro und als Kostenerstattung bringt die auch in anderen Hagelabwehrprojekten engagierte Württembergische Gemeindeversicherung (WGV) weitere 34 000 Euro mit ein.

In Baden-Württemberg gibt es fünf Hagelabwehrorganisationen, die insgesamt sieben Hagelflieger im Einsatz haben. Zudem finanziert die WGV zwei weitere Maschinen, die in ganz Württemberg im Einsatz sind und die von der Geschäftsstelle Hagelabwehr im Rems-Murr-Landratsamt mitverwaltet werden.

Für die neuen Planungsperioden bis 2026 wird in den kommenden Monaten die Dienstleistung „Hagelbekämpfung mit zweimotorigen Flugzeugen und Rauchgasgeneratoren der neuen Generation“ im Amtsblatt der Europäischen Union und in der Fachzeitschrift „aerokurier“ ausgeschrieben. Spätestens im Dezember dieses Jahres sollen dann die Verträge sowohl mit den Flugunternehmen als auch mit der meteorologischen Betreuung in trockenen Tüchern sein.

Die Geschäftsstelle Hagelabwehr hat derweil alle Beteiligten in diesem Sinne angeschrieben, heißt es im Bericht zum Stand der Dinge. Sie versuche insbesondere, weitere Weinbaubetriebe ins Boot zu holen, die dann mit Pauschalbeträgen je Hektar geschützter Fläche zur Finanzierung beitragen. Der Weinbauverband habe seine Unterstützung bereits zugesagt und in einem Schreiben seine Mitglieder entsprechend informiert.