Symbolbild Foto: dpa

Der Kreisjugendring Rems-Murr lädt junge Leute ein. Sie sollen entscheiden, was im Rahmen des von Bund geförderten Projekts „Jugend, Demokratie, Leben“ mit jährlich 5000 Euro getan werden soll. Aber kaum einer kommt zur Kick-off-Sitzung des Gremiums.

Backnang - Stell Dir vor, der Kreisjugendring (KJR) will 5000 Euro verteilen, jährlich bis 2019 – und fast keiner geht hin. So passiert, dieser Tage in Backnang.

Ein Abend im Januar. Das Kreishaus der Jugendarbeit, in dem der Kreisjugendring und das Jugendamt kooperieren, hat die Jugend aus dem Landkreis zur ersten Sitzung des Projekts „Jugend, Demokratie, Leben“ eingeladen. Das neue Gremium soll sich Gedanken darüber machen, wie junge Leute finanziell unterstützt werden könnten, die sich für die Demokratie und gegen Rechtsextremismus einsetzen wollen, hieß es in der Einladung.

Doch selbst zu vorgerückter Stunde bleibt die Runde sehr überschaubar. Klar, die KJR-Bildungsreferentin Beate Baur ist mit von der Partie, sie hat ja auch eingeladen zu der Zusammenkunft. Außerdem sitzen Natalie Sturm, 22 Jahre, und Kira Hettinger (18) am Tisch. Die beiden jungen Damen gehören aber auch zum Team des Kreishauses. Sie machen noch bis zum Sommer ein Freiwilliges Soziales Jahr (FJS). Die Vierte im Bunde ist Anica Nesper, 20 Jahre, sie absolviert zurzeit in Stuttgart eine Ausbildung zur Logopädin.

Nächsten Treffen am Donnerstag, 28. Janaur

Das Trio und die Sozialpädagogin Baur lassen sich ob der geringen Resonanz indes nicht vom Engagement abhalten. Keine Frage, sie wünschten sich ein paar mehr Mitstreiter. Aber was nicht ist, das könne ja noch werden. Mit diesem Worten lässt sich die Stimmung der überschaubaren Runde ganz gut beschreiben. Vielleicht, sagen die jungen Damen, kommen zum nächsten Treffen am Donnerstag, 28. Januar, ja ein paar Leute mehr. Ja, vielleicht.

Am Abend wird beschlossen, dass das neue Jugendgremium selbst eine Veranstaltung auf die Beine stellen sollte, am besten ein Rockkonzert – und am aller besten mit einer bekannten Band. Kira bringt unter anderem die Gruppe Pur aus Bietigheim ins Spiel. Auch andere großen Namen werden besprochen. 1000 Euro sollen für dieses Vorhaben spendiert werden. Klar, die Band – welche auch immer – müsste ohne Gage auftreten. Und es würden weitere Kooperationspartner benötigt. Außerdem muss noch geklärt werden, was um das Konzert herum laufen soll, um die Demokratie zu fördern. Vielleicht Flüchtlinge einladen, lautet ein Vorschlag. Oder eine Band gewinnen, die schon immer gegen rechte Tendenzen ansingt.

Gegen rechts und für Demokratie

Die restlichen 4000 Euro sollen auf Antrag ausgeschüttet werden – an junge Leute, die ebenfalls kleine oder auch größere Projekte gegen rechts und für Demokratie, gegen Rassismus und gegen Ausgrenzung auf die Beine stellen wollen. Bevor die Runde sich auflöst, beschließt sie noch, dass sie die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren will. Das ist ganz bestimmt kein schlechter Plan. Denn wenn sich herumspricht, dass es Geld gibt, dann kommen zum nächsten Treffen womöglich ein paar mehr Interessierte.

50 Millionen Euro

Landkreis
Das Jugendprojekt „Jugend, Demokratie, Leben“ ist Teil des Programms für Demokratie Rems-Murr. Bis 2019 kann das Kreishaus der Jugend jährlich 5000 Euro für Projekte von engagierten jungen Leuten bereitstellen. Ferner stehen jährlich 20 000 Euro für Vorhaben von Vereinen zur Verfügung.

Bundesprogramm
Das Programm für Demokratie Rems-Murr wird vom Bundesfamilienministerium gefördert. Bundesweit stehen allein für 2016 rund 50 Millionen Euro zur Verfügung. Die geförderten Aktionen sollen Angriffe auf Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit von rechts und von links bekämpfen, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums.

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