In solchen Jurten sollen die Kinder betreut werden. Foto: gms

Der Avalon-Waldorfkindergarten will in mobilen Behausungen auf die Waldau expandieren. Dabei sollen die Kinder in Jurten untergebracht werden – wie sie einst von den Mongolen bewohnt wurden.

Degerloch - Die Waldau könnte in den nächsten Jahren neben einem Zentrum für Leibesübungen auch ein Zentrum für Innovationen werden. Nachdem jetzt bekannt wurde, dass auf zwei Dritteln der großen Wiese gegenüber des Luftbad-Vereins ein Abenteuer-Spielpark entstehen soll, ist dort auch ein weiteres innovatives Projekt in Planung. Das verbleibende Drittel will der Avalon-Waldorfkindergarten mieten und dort Stuttgarts ersten Kindergarten aufbauen, dessen Räumlichkeiten aus sogenannten Jurten bestehen sollen. Ursprünglich wurden stabile und mobile Nomadenzelte so bezeichnet, wie sie beispielsweise einst die Mongolen verwendeten, als diese noch ein umherziehendes Volk waren.

Darum – umherzuziehen – geht es dem Avalon-Verein, dem Träger des Kindergartens, bei der Wahl der Räumlichkeiten natürlich nicht. „Aber da die Waldau Sportgebiet ist und da das Sportamt die Verwaltungshoheit hat, gibt es dort nur Fünfjahresverträge für Institutionen wie uns, die nichts mit Sport zu tun haben“, sagt Daniel Fels. Er ist Vorstandsmitglied des Trägervereins. Zumindest sei es so beim Montessori-Kindergarten, der sich vor Jahrzehnten auf der Waldau niedergelassen hat. Dadurch, dass die Holzjurten theoretisch auch woanders aufgebaut werden könnten, halte man das finanzielle Risiko in Grenzen, falls das Sportamt irgendwann eine andere Nutzung vorsehe, sagt Fels weiter.

Platznot in eigenen Räumlichkeiten

Doch der eigentliche Grund für das Interesse des Avalon-Kindergartens an der Grünfläche ist Platznot in den eigenen Räumen an der Felix-Dahn-Straße in Degerloch. Bisher betreute Avalon nur Krabbelgruppen, inzwischen auch Ältere. „Die Kinder wachsen aus dem Kindergarten raus. Viele Eltern sind aber von unserem Konzept überzeugt. Und wir sind der einzige Waldorfkindergarten in Degerloch“, sagt Fels. Und da Platzmangel herrscht, will der Verein jetzt auf die Waldau.

Das Konzept mit den Jurten ist nicht gewöhnlich. In Baden-Württemberg wurde bis jetzt nur ein Kindergarten in dieser Form realisiert – in Schwäbisch-Gmünd. Krishna Saraswati leitete schon das Projekt dort und ist auch jetzt Projektleiter für das Jurtendorf in Degerloch. „Innovativen Bildungsraum“ nennt er die Holzbauten und betont, dass das Projekt trotz seiner ungewöhnlichen Rahmenbedingungen genehmigungsfähig sei – was ja der Fall in Schwäbisch-Gmünd beweise.

Photovoltaik und Trockentoiletten

Der Bezirksbeirat in Degerloch ist jedenfalls schon überzeugt. Er hat sich einstimmig für die Pläne des Avalon-Kindergartens auf der Waldau ausgesprochen. Auch, weil Saraswati offenbar überzeugend darlegen konnte, dass es zum Beispiel an sanitären Einrichtungen und Energieversorgung nicht mangele, auch wenn die hölzernen Jurten nicht für die Ewigkeit gebaut sind.

Eine Photovoltaikanlage soll das Zeltdorf mit Energie versorgen. Außerdem sind moderne Trockentoiletten geplant, die gleichzeitig Humus produzieren, der etwa im Garten wiederverwendet werden könne. Auch wenn diese Idee etwas gewöhnungsbedürftig klingt, gelten Trockentoiletten unter Umweltschützern sowohl als hygienisch als auch als umweltschonend, da sie weitgehend ohne Wasser auskommen.

Das Jurtendorf auf der Waldau ist übrigens nicht der erste Expansionsversuch des Avalon-Kindergartens. Der Plan mit einem Containerdorf auf der Waldau scheiterte an der mangelhaften Qualität derselbigen. Die Nutzung einer Immobilie in einem Gewerbegebiet platzte unverhofft, als plötzlich klar wurde, dass der ursprüngliche Kostenrahmen nicht mehr eingehalten werden konnte. Damals war eine Million Euro für das Vorhaben veranschlagt.

Gemeinderat muss überzeugt werden

„Dabei waren wir schon so weit. Das Projekt und Zuschüsse waren vom Gemeinderat bereits bewilligt“, sagt Avalon-Vorstand Daniel Fels. Jetzt gehe es in den nächsten Schritten darum, die Gemeinderäte davon zu überzeugen, dass das zweckgebundene Geld mit dem Jurtendorf nicht zweckentfremdet sei. Immerhin: Saraswatis Entwurf kostet etwas weniger als das zuvor gescheiterte Projekt.

Hinzukommt eine Pacht, von der der Luftbad-Verein profitieren würde. Denn die Wiesenfläche, die an die Vereinsgastrononomie grenzt, liegt aktuell weitgehend brach. „Für uns wäre es ein Glücksfall, wenn wir mit dem Kindergarten unsere Vereinskasse aufbessern könnten“, sagt Jörg Englert, der Vorsitzende des Luftbad-Vereins.

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