Projekt am Neckar Gute Chancen für die alte Bahnbrücke

Von Josef Schunder 

Bahnbrücke über den Neckar: Ihre Erhaltung ist im Rathaus mehrheitsfähig. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Bahnbrücke über den Neckar: Ihre Erhaltung ist im Rathaus mehrheitsfähig. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Soll die Brücke über den Neckar erhalten werden, die nach dem Bau von Stuttgart 21 für den Eisenbahnverkehr überflüssig wird? Die CDU im Rathaus hält wenig davon. Dennoch zeichnet sich eine Mehrheit für die Erhaltung ab. Die Bahn AG sperrt sich nicht.

Stuttgart - Die Chancen, dass die bestehende Bahnbrücke am Neckarknie bei Bad Cannstatt auf Dauer erhalten werden kann, sind gestiegen. Die Bahn könne sich vorstellen, der Stadt das Bauwerk zu überlassen, sagte Städtebau- und Umweltbürgermeister Peter Pätzold (Grüne) am Dienstag. Die Konditionen seien nicht geklärt.

Die Brücke wird für den Zugverkehr überflüssig, wenn das Bahnprojekt Stuttgart 21 ungefähr Ende 2021 realisiert ist. Die Bahn wollte sie danach eigentlich abreißen. Das wird aber immer unwahrscheinlicher.

OB Fritz Kuhn (Grüne) hatte im August signalisiert, dass er aufgeschlossen sei für die Erhaltung. Er dachte dabei an die Begrünung. Pätzold erläuterte nun im Umwelt- und Technik-Ausschuss, dass man die Brücke auch als Zugang zu der darunter liegenden kleinen Neckarinsel benützen könnte. Auf ihr steht eine Säule der Bahnbrücke. Die Insel ist ein Element im Masterplan Neckar, mit dem man die Stadt und ihre Einwohner besser mit dem Fluss zusammenbringen will. Über den Stand der Pläne und die Umsetzung wurde dem Ausschuss berichtet.

Öko-soziale Mehrheit absehbar

Beate Bulle-Schmid bekannte, die CDU betrachte die Erhaltungsidee „kritisch“. Man wolle „mehr Freiraum“ statt Bauten am Neckar. Doch in der Sitzung zeichnete sich ab, dass für die Erhaltung trotz Divergenzen innerhalb der schwarz-grünen Allianz eine Mehrheit vorhanden ist: die alte, hauchdünne öko-soziale Mehrheit. Björn Peterhoff (Grüne) brach eine Lanze für die Brücke. „Querungen über den Fluss sollten wir so viele wie möglich haben“, sagte Martin Körner (SPD). Christoph Ozasek (Linke) plädierte „für Erhaltung statt Zerstörung“, und der Stadtist Ralph Schertlen wünscht einen Fuß-und-Rad-Weg.

Von dem, was am Neckar sonst alles im Fluss ist, waren alle angetan. Für sieben Teilprojekte soll die Umsetzung stattfinden, ehe die Operation 2021/2022 auch das Kernstück Neckarknie erfasst, sagte der städtische Grünplaner Wolfgang Maier. Die Idee, in Stuttgart-Berg mit einem Deckel über der B 10 den Verkehrslärm einzudämmen und einen Zugang zum linken Neckarufer zu schaffen, wird bald konkretisiert. Man bereite gerade eine Machbarkeitsstudie vor, sagte Maier. Bisher wurden die Kosten auf 20 Millionen Euro geschätzt. Im städtischen Haushalt sind sie bisher nicht vorgesehen. Das gilt auch für drei bis vier Millionen Euro, die nötig wären, um vom Cannstatter Wasen für Fußgänger eine Brücke über den Neckar und die Uferstraße zu schlagen.

Bröselnde Mauer in der Neckarvorstadt

Auch für eine naturnähere Gestaltung des Neckars beim Sandfang in Mühlhausen wartet die Stadt noch auf Geldgeber. Hier hoffte man einmal, dass die Bahn AG Ausgleichsmaßnahmen für S 21 realisieren würde. Doch der Bahn sei das zu teuer gewesen, sagte Maier, sie habe lieber billigere Ausgleichsmaßnahmen auf der Alb angepeilt. Wie es am Ufer in der Cannstatter Neckarvorstadt weitergeht, ist nach wie vor offen. Neuerdings habe man Zweifel, dass die sogenannte Rilling-Mauer in der Nähe der Sektkellerei Rilling städtisches Eigentum sei. Möglicherweise gehöre sie doch dem Bundesschifffahrtsamt, sagte Maier. Die Unterlagen gingen im Krieg verloren. Niemand will die Mauer haben, weil sie bröselig und sanierungsbedürftig ist.

Eigentlich hatte die Stadtverwaltung überlegt, ob vor der Mauer eine Treppe zum Neckar hinab und über dem Wasser eine Aufenthaltsfläche errichtet werden könnte. Das sei aus statischen Gründen aber fraglich. Mit Stützen im Neckarbett könne man vielleicht wegen des labilen Baugrunds und der darunter liegenden Mineralwasservorkommen nicht arbeiten, sagte Maier. Eine Ufermauer wird auch künftig gebraucht.

Projekte am Neckar

Für die Umgestaltung des Ufers in Untertürkheim hat die Verwaltung im Entwurf des Stadthaushalts 2016/2017 genau 850 000 Euro vorgesehen. In der Finanzplanung für 2018 weitere 700 000 Euro. Dieses Projekt ist damit auch mit der Realisierung im Haushalt vorgesehen, bei anderen Projekten sind es nur Planungen oder Planungswettbewerbe. Insgesamt sind für Neckarprojekte rund 2,2 Millionen Euro im Entwurf.

Am Cannstatter Wasen entsteht am rechten Neckarufer eine neue Promenade, was etwa 6,6 Millionen Euro erfordern dürfte. Für eine Wasenquerung – eine Verbindung für Fußgänger zwischen dem Neckarpark und dem Wasenufer beim Campingplatz – wird eine weitere Million Euro erforderlich sein. Diese Projekte werden wohl bis 2021 dauern.

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