Kita: In Leonberg läuft derzeit nicht alles rund. Foto: dpa/Christoph Soeder

Die Probleme in der Einrichtung „Glems-Igel“ veranlassen die Stadt weiter zum Handeln. Eltern erhalten nun einen finanziellen „Bestandsschutz“. Abhilfe bei der Betreuung schafft der jedoch nicht.

Schon vor dem ersten Spatenstich für den Bildungscampus Ezach läuft es auf organisatorischer Ebene nicht gerade rund. Die Probleme betreffen die Kinderbetreuung in der Kita „Glems-Igel“. Immer wieder kommt es zu Ausfällen oder verkürzten Öffnungszeiten in der Einrichtung des Betreibers Element-i. Der hat seit September 2023 die Trägerschaft der Kita übernommen, es handelt sich aktuell noch um einen Interimsbau. Doch auch nach der Fertigstellung soll Element-i weiter in der Verantwortung stehen.

 

Zugeständnisse beim Thema Gebühren

Nun hat sich der Sozial- und Kultusausschuss der Stadt Leonberg dem Thema angenommen, den Eltern zumindest beim Thema Gebühren Zugeständnisse gemacht – und gleichzeitig die Frage gestellt, ob die Differenzen rund um Schließungen und geänderten Öffnungszeiten vielleicht absehbar gewesen sein könnten. Denn bereits im September hatte die Stadt zwei Monate lang Personal aus eigenen Einrichtungen abgezogen, damit die Betreuung im Ezach aufrechterhalten werden konnte. „Das hätte man als Signal werten können“, musste auch Anke Wagner, Amtsleiterin Jugend, Familie und Schule bei der Stadt, in der Sitzung einräumen.

Zum Betriebsbeginn im September waren 34 Kinder vom vorherigen Träger, der evangelischen Gesamtkirchengemeinde, zu Element-i gewechselt. Hierfür hatten die Eltern neue Betreuungsverträge abschließen müssen. Die Krux: Element-i bietet nicht die sogenannte „Regelkindergarten“-Betreuungsform mit fünfeinhalb Stunden am Vormittag und einem oder mehreren Nachmittagen an, sondern ausschließlich sechs Stunden Betreuung am Vormittag. Da im gesamten Stadtgebiet jedoch Plätze fehlen, blieb den Familien keine andere Möglichkeit. Die Kinder blieben in der Kita, obwohl das Angebot für viele eigentlich nicht passte.

Änderung ist vertraglich legitim, Probleme schafft sie dennoch

Die Änderung ist vertraglich legitim, führt jedoch vielerorts zu erheblichen Schwierigkeiten – nicht nur in der Organisation innerhalb der Familien, sondern auch beim Geld. Denn die Betreuungsform bei Element-i ist mit monatlich 172 Euro etwa 25 Prozent teurer als der sogenannte Regelkindergarten, der noch unter dem vormaligen Träger angeboten wurde und 138 Euro kostete.

Nun bringt die Stadtverwaltung einen sogenannten „Bestandsschutz“ ins Spiel. Dieser soll betroffenen Familien zusichern, dass sie auch weiterhin lediglich die Gebühren für ihre ursprünglich gebuchte Betreuung bezahlen. Allerdings gilt dies nicht für Kinder, die seit dem 1. September 2023 neu aufgenommen wurden. Die Mindereinnahmen von Element-i gleicht die Stadt aus, zusammengerechnet geht es bis zum Jahr 2027 um knapp 25 000 Euro. Das Ausschuss-Votum fiel einstimmig, am 9. April entscheidet der Gemeinderat. Bei Element-i zeigte man sich zuletzt zuversichtlich: „Wir sind sehr optimistisch, dass wir zeitnah zu einer regelmäßigen Betreuungszeit zurückkehren können“, sagte Marcus Rehn, Bereichsleitung Elementarpädagogik/Standortentwicklung, vor wenigen Tagen.

Ursprüngliche Begeisterung weicht so langsam

Im Gremium war man nicht eben angetan von den Vorgängen rund um die „Glems-Igel“. „Wir waren ja alle begeistert von dem neuen Träger“, bekannte Christiane Hug-von Lieven (SPD). Schließlich habe der vor allem damit gepunktet, dass er sein Personal selbst ausbilde und somit die Mitarbeitenden stellen könne. Auch Jutta Metz (Freie Wähler) kritisierte: „Ohne Backup sind die Eltern aufgeschmissen.“ Man müsse das Problem so schnell wie möglich lösen. „Und am Ende kann es uns egal sein, woher Element-i das Personal bekommt.“ Ihr Fraktionskollege Axel Röckle stellte die Frage, „warum überhaupt ein Vertrag mit einem solchen Träger abgeschlossen wurde?“ – und stellte fest, dass es für die Familien auch nicht besser werde, wenn man sich von Element-i trenne.