In Aichwald hat die Telekom die Verlegung von Anschlüssen für Glasfaser bei einigen Anwohnern zurückgestellt. Für manche ist das nicht nachvollziehbar.
In vielen Gemeinden im Landkreis Esslingen schreitet der Glasfaserausbau voran. Doch immer wieder kommt es zu Problemen. Offene Kabelschächte oder Stolperfallen auf den Gehwegen durch fehlende Deckschichten sind oftmals ein bekannter Anblick. Währenddessen ist in Aichwald die Verlegung der Hausanschlüsse für einige Anwohner zum Ärgernis geworden.
Als er seinen Vertrag für einen kostenlosen Hausanschluss gegen Ende des Jahres 2022 abschloss, sei er zuversichtlich gewesen, diesen zeitnah zu erhalten, sagt Joachim Grimm aus dem Aichwalder Ortsteil Schanbach. Doch dann passierte erst einmal nichts. „In den E-Mails hieß es, der Ausbau finde bis August 2023 statt“, erklärt Grimm. Als die Bauarbeiten dann verspätet anfingen und auch in seiner Straße die Gehwege aufgerissen wurden, wunderte er sich, weshalb kein Anschluss an sein Haus gelegt wurde. „Die Baustelle ging direkt am Gartentor vorbei, trotzdem gab es keinen Hausanschluss.“
Ein Anwohner kritisiert das „Geschäftsgebaren“ der Telekom
Auf Nachfrage bei der Telekom, die in Aichwald für den Glasfaserausbau zuständig ist, habe er die Information erhalten, dass sein Hausanschluss auf unbestimmte Zeit zurückgestellt worden sei. Durch einen Internetvertrag mit einem beliebigen Telekommunikationsunternehmen könne der Anschluss jedoch auch früher gelegt werden. Anfangs sei ihm der Glasfaseranschluss noch ohne Einschränkungen versprochen worden, sagt Grimm. Mehrmals habe er sich mit der Telekom und dem Aichwalder Rathaus in Verbindung gesetzt, die Lage habe sich aber nicht geändert. „Das ist ein Geschäftsgebaren, das dem Fass den Boden ausschlägt“, sagt er.
Die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen ist laut der Telekom bundesweit gestiegen. Dieser Umstand, kombiniert mit begrenzten Baukapazitäten, führe dazu, dass zuerst Kunden mit einer Tarifbuchung bedient würden, so die Telekom. Man wolle Haushalte, die den Anschluss sofort nutzen wollen, nicht warten lassen. Diese Vorgehensweise sei branchenüblich.
„Das hat schon bei manchen Leuten zu Irritationen geführt“, sagt Andreas Jarolim, der Bürgermeister von Aichwald. Ihm seien mehrere solcher Vorfälle bekannt. „Die Vorgehensweise hat sich erst im Laufe der Zeit geändert“, erklärt er. Anfangs habe noch jeder, der einen Vertrag über einen kostenlosen Hausanschluss abgeschlossen hatte, diesen auch bekommen. Erst zu einem späteren Zeitpunkt änderte die Telekom ihre Vorgehensweise. „Die Gemeinde hat sich auch beschwert, da das im Vorfeld anders abgesprochen war“, sagt Jarolim. Der Einfluss der Gemeinde auf das Telekommunikationsunternehmen sei indes überschaubar. Sobald die Verwaltung Kenntnis von der Lage hatte, habe man umgehend im Amtsblatt darüber informiert. Wichtig sei, festzustellen, dass jeder, der einen kostenlosen Anschluss gebucht habe, diesen auch bekommen werde.
Der Rathauschef ist mit dem Glasfaserausbau insgesamt zufrieden
Insgesamt ist Jarolim aber mit dem Glasfaserausbau in Aichwald zufrieden. Die Verwaltung stehe im Austausch mit der Telekom und bis auf Einzelfälle, in denen nachgearbeitet werden müsse, habe der Ausbau ein gutes Niveau. Bislang seien nur die Ortsteile Aichschieß und Schanbach erschlossen. Wenn die Anschlüsse und Leitungen dort gelegt sind, soll es auch in den anderen Ortsteilen weitergehen. Bislang gebe es dafür aber noch keinen konkreten Zeitplan, so Jarolim.
Für Joachim Grimm ist das Verhalten der Telekom nicht nachvollziehbar. Zudem stellt er auch die Wirtschaftlichkeit der Vorgehensweise infrage. „Man müsste die Straße noch mal aufreißen. Bei dem Aufwand hätte man den Hausanschluss auch gleich verlegen können“, sagt er. Dann gebe es auch wieder Baulärm, vermutet Grimm. „Glasfaser bedeutet die Zukunft, irgendwann wird es notwendig“, sagt er. Vorerst wolle er aber trotz der Aufforderungen keinen Vertrag abschließen und abwarten was passiert.