Um das Postareal als Bindeglied zwischen Altstadt und Leo-Center wird seit Jahren gerungen. Jetzt steht ein Vertrag unmittelbar bevor. 2025 soll es losgehen.
In der Endlosgeschichte um eine Neugestaltung der Leonberger Innenstadt gibt es ein neues Datum: Mitte 2025, also in zwei Jahren, könnte endlich der Startschuss für ein Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Hauptpost fallen. Das soll den historischen Marktplatz und die Shoppingmall Leo-Center miteinander verbinden.
Dieses Ziel besteht mittlerweile seit gut 15 Jahren. Immer wieder gab es Pläne, die immer wieder verworfen wurden. Jetzt aber hat der Gemeinderat mit breiter Mehrheit grünes Licht gegeben, dass die Stadt mit dem Investor Strabag Real Estate einen städtebaulichen Vertrag abschließen soll. Der Blick auf einen langen Prozess.
Die Ausgangslage
In der Leonberger Kernstadt ist in den 70er-Jahren ein neues Zentrum mit Hochhäusern und dem Leo-Center entstanden. Die Altstadt liegt rund einen Kilometer abseits, verbunden durch die viel befahrene Eltinger Straße, die immer wieder gerne mit einer Stadtautobahn verglichen wird.
Bis zum Jahr 2009 stand genau zwischen diesen beiden Polen der wuchtige Bürokomplex der Leonberger Bausparkasse, die auch nach der Übernahme durch Wüstenrot an ihrem alten Stammsitz präsent war. Dann aber wurden die massiven Häuser gesprengt. Seither stehen zwei Namen für die Zukunft: Stadtumbau und Brückenschlag. Unter ersterem Stichwort sollte der Raum zwischen dem historischen und dem modernen Leonberg gefüllt werden. Der zweite Begriff steht nicht nur für den symbolischen Brückenschlag zwischen beiden Stadtteilen, sondern für einen echten: Ein breiter Steg über eine Senke soll direkt zur Altstadt führen.
Der Wunsch eines Brückenschlags
Für den Stadtumbau gab es um 2010 spektakuläre Pläne mit modernen Wohnvierteln und einer amphitheaterähnlichen Spielfläche unterhalb der Altstadt. Sie nahmen ein jähes Ende durch den Bankrott des damaligen Investors Rudi Häussler.
Auf einem Teil hat zwischenzeitlich das Wohnungsbauunternehmen Layher aus Besigheim ein Quartier errichtet, über dessen städtebauliche Qualitäten die Meinungen auseinandergehen. Der andere Bereich, auf dem bis 2019 die Post ihr großes Domizil hatte, soll nun die Funktion des Brückenschlags übernehmen. Der neue Investor ist die Stuttgarter Niederlassung der Entwicklungsgesellschaft Strabag Real Estate. Deren Pläne wurden Ende 2018 von der Jury eines städtebaulichen Wettbewerbs mit dem ersten Preis bedacht. Vorgesehen waren ein Hotel, ein Lebensmittelmarkt, Geschäfte, Gastronomie und vor allem 100 Wohnungen, 25 Prozent davon sozial gefördert, plus den dazugehörigen Stellplätzen in einer Tiefgarage. Die einzelnen Gebäude reihen sich um einen zentralen Platz, von dem aus der Brückenschlag in Richtung Altstadt führt.
Nach vielen Diskussionen im Gemeinderat und einer coronabedingten Wirtschaftsflaute haben sich die Entwürfe erneut geändert. Auch gibt es ein neues Finanzierungsmodell zwischen Investor und Stadt.
Der aktuelle Planungsstand
Demnach übernimmt die Stadt den Bau des Brückenschlags, der nicht für Autofahrer vorgesehen ist, selbst. Der Baubürgermeister Klaus Brenner begründet dies auf Nachfrage mit Qualitätsgründen. „Strabag war lediglich bereit, einen drei Meter breiten Übergang zu bauen. Wir möchten eine echte Brücke realisieren, die 50 Meter lang und sechs Meter breit ist. Auf der haben Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen Platz.“
Aber auch finanzielle Gründe spielen eine Rolle: Baut Leonberg selbst, winkt eine Förderung von mindestens 60 Prozent. Deshalb will die Stadt außerdem einen Radweg von der Eltinger Straße zur Brücke in Eigenregie realisieren. Den hätte in der Ursprungsvariante Strabag Real Estate gebaut.
Für die Gesamtbedeutung des Bauvorhabens sehr wichtig ist die angestrebte Aufnahme in die Internationale Bauausstellung 2027, bei der sich die Region Stuttgart als „lebenswerter und zukunftsfähiger Raum“ präsentieren möchte. Das in Fachkreisen hochangesiedelte Stadtentwicklungsprojekt schlägt für das Postareal sogenannte Cluster-Wohnungen vor. Das ist eine Art Kreuzung zwischen Kleinstwohnung und Wohngemeinschaft, in der es abgeschlossene Räume, aber auch Gemeinschaftsbereiche gibt.
Im Postareal sind 29 davon vorgesehen. Ursprünglich waren 32 übliche Sozialwohnungen geplant. Durch die Clusterlösung erhöht sich aber die Gesamtwohnfläche.
Was kostet es?
Der Verkauf des ganzen Postareals ist mit insgesamt 8,135 Millionen Euro veranschlagt. Abzüglich des Eigenanteils bei den Kosten für die Brücke, den Radweg und die nötige Verschiebung einer Trafostation erwartet die Stadt durch den Grundstücksverkauf einen Erlös von 6,511 Millionen Euro.
So geht es weiter
Um endlich voranzukommen, hat der Leonberger Gemeinderat mit breiter Mehrheit für einen Vertrag zwischen der Stadt und dem Investor gestimmt. Allein die Grünen waren dagegen, vor allem weil Leonberg jetzt doch neue Kosten entstünden. Die anderen Fraktionen betonten die Chancen für die Stadt, gerade durch weitere Wohnungen und zentrale Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten.
Baubürgermeister Klaus Brenner erwartet, dass der Vertrag in diesem Sommer unterschrieben wird. Im Winter wird die alte Post abgerissen. Nach einer zweijährigen Planungsphase soll der Bau 2025 losgehen.