Silke Müller-Zimmermann, Roland Rauleder und der Weissacher Bürgermeister Ian Schölzel wollen Bürgern im Weissacher Tal Lust auf Klimaschutz machen.Silke Müller-Zimmermann, Roland Rauleder Foto: Horst Rudel

Pro Kopf zwei Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß weniger: das Ziel peilt das Programm „Klima wandeln – prima handeln“ im Weissacher Tal an. Das mit rund 800 000 Euro geförderte Projekt soll Vorbild für andere Kommunen im ländlichen Raum sein.

Weissach im Tal - Hausbesuche? Aber gerne! Silke Müller-Zimmermann und Roland Rauleder scheuen keine Mühe, um der Welt klimaschädliche Treibhausgase zu ersparen. „Unser Wunsch wäre, dass die Leute sich melden und fragen: ,Wann kommt ihr her?’“, sagt Müller-Zimmermann. Wer beispielsweise seine persönliche Kohlendioxid-Bilanz erfahren und reduzieren möchte, ist bei dem Duo richtig. Denn der Umweltwissenschaftler und die Bauingenieurin sind Leiter des neuen Programms „Klima wandeln – prima handeln“.

In dessen Verlauf sollen in den kommenden vier Jahren im Weissacher Tal Ideen zum Schutze des Klimas im ländlichen Raum entwickelt und erprobt werden. Von dem Projekt, welches das Bundesumweltministerium mit rund 800 000 Euro fördert, erhofft die Behörde sich Konzepte und Aktionen, die auf andere Kommunen übertragen werden können.

Durchschnittsdeutscher produziert zehn Tonnen Treibhausgase

Essen, duschen, Auto fahren und abends in der kuschlig-warmen Stube fernsehen – schon im ganz gewöhnlichen Alltagsleben erzeugt der Durchschnittsdeutsche im Jahr mindestens zehn Tonnen klimaschädliche Treibhausgase. Ziel des „Primaklima“-Projekts ist es, diesen persönlichen Ausstoß um zwei Tonnen jährlich zu verringern. „Das Ganze soll aber Spaß machen“, betont die Projektleiterin Silke Müller-Zimmermann, „wir wollen den Leuten ja nicht die Lebensqualität nehmen.“

Das sieht Ian Schölzel, der Weissacher Bürgermeister, genauso: „Jeder kann etwas im privaten Umfeld tun, ohne, dass es weh tut.“ Das Projekt, so hofft er, werde das Bewusstsein der Bürger schärfen und zeigen, „wie man mit wenig Aufwand viel erreichen kann“. Die Kommune ist neben dem Verein Weissach Klimaschutz konkret und dem Kreisjugendring der dritte Projektpartner im Bunde. Die Verwaltungsmitarbeiterin Michaela Loth betreut die Projektstelle im Rathaus und kümmert sich vorwiegend um administrative Aufgaben.

Roland Rauleder als Vertreter des Kreisjugendrings und Silke Müller-Zimmermann vom Verein werden viel unterwegs sein und Aktionen, Schulungen und Workshops anbieten, aber auch Profis nach Weissach einladen. Im Laufe mehrerer Monate sollen „Klimaschutzmacher“ ausgebildet werden, die im Anschluss die Ideen in die Fläche tragen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, haben die Projektleiter in einem Klimabeirat Partner wie Naturschutzverbände, die Energiegemeinschaft Weissacher Tal und die Energieagentur Rems-Murr ins Boot geholt. „Es hängt sehr von den Bürgern ab, wie das Projekt läuft“, sagt Roland Rauleder. Letzteres sei in zwei Phasen aufgeteilt, erklärt der Umweltwissenschaftler: „Im ersten Jahr werden wir viele Ideen ausprobieren und einen Aktionsplan erarbeiten. Danach geht es an die konkrete Umsetzung.“

Workshops, Repair-Café und Fahrradwerkstatt

Dreh- und Angelpunkt ist dabei das neue Klima-Kultur-Zentrum in der Welzheimer Straße in Unterweissach. Die ehemalige neuapostolische Kirche bietet in zentraler Lage auf 300 Quadratmetern reichlich Platz für Workshops. Außerdem kann der Verein Weissach Klimaschutz konkret dort sein „Bazärle“ wiedereröffnen und Secondhand-Kleidung anbieten. Solch ein Laden bringe unterschiedlichste Leute ins Haus, sagt Silke Müller-Zimmermann. So lassen sich auch Menschen erreichen, die das Thema Klimaschutz alleine nicht ins Klima-Kultur-Zentrum nach Unterweissach locken würde. Wobei das Tragen von gebrauchter Kleidung genauso zum Schutz des Klimas beiträgt, wie das Repair-Café, die Fahrrad- und die Nähwerkstatt mit ihren Upcycling-Produkten: Sie alle ersparen der Umwelt Müll und ziehen ins Klima-Kultur-Zentrum mit ein.

Weniger ist besser

Idee:
„Klima wandeln – prima handeln“ nennt sich das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt, welches das ökologische und soziale Klima im Weissacher Tal verbessern soll. Sogenannte Klimaschutzmacher aus allen Gesellschaftsschichten, die die Idee verbreiten, werden geschult. Das Projekt läuft bis Oktober 2022 und wird mit rund 800 000 Euro gefördert.

Startschuss
: Das Projekt wird am 15. Dezember von 14 bis 17 Uhr in der Gemeindehalle Unterweissach im Kelterweg 20 offiziell vorgestellt.

Eröffnung:
Künftige Anlaufstelle ist das Klima-Kultur-Zentrum in der Welzheimer Straße 43 in Weissach. Eröffnet wird es am Freitag, 7. Dezember, ab 17 Uhr. Danach sind die Öffnungszeiten montags bis mittwochs von 11.30 bis 14 Uhr, donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr.

Kinovorpremiere:
Die Komödie „100 Dinge“, die am 5. Dezember ab 20 Uhr im Kino Universum in Backnang läuft, beleuchtet, auf was Mensch verzichten kann – oder auch nicht. Daher kann man im Kino etwas abgeben, auf das man versuchsweise verzichten will: vom Fön über die Zigaretten bis zum Smartphone. Dafür erhält man ermäßigten Eintritt ins Kino. Ab zwei Tage später kann man den Gegenstand im Klima-Kultur-Zentrum abholen. Wer feststellt, dass er ohne gut auskommt, kann seinen Gegenstand am 6. Januar für einen guten Zweck versteigern lassen.

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