Welche Bedeutung hat der Pride Month im Juni? Foto: Helena Nechaeva/Shutterstock

Am 1. Juni beginnt der alljährliche Pride Month, der weltweit gefeiert wird. In Deutschland kennt man eher den Christopher Street Day. Geschichte und Bedeutung der Feierlichkeiten sind dieselbe.

In den letzten Jahren wurden die Pride-Paraden in aller Welt sowie die Umzüge zum Christopher Street Day im deutschsprachigen Raum oft als spaßige Veranstaltungen der LGBTQ-Community wahrgenommen. Das sind sie zwar zum Teil auch, im Grunde – und das ist vielen Teilnehmenden auch heute noch wichtig – handelt es sich aber um Demonstrationen und Proteste.

Wofür steht LGBTQ?

LGBTQ steht für die englischen Begriffe für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans und Queer und schließt all jene Menschen ein, die nicht heterosexuell und/oder cis-gender sind oder sich auf eine bestimmte Weise mit der queeren Gemeinschaft identifzieren. Beispielsweise werden auch aromantische, asexuelle und intergeschlechtliche Menschen einbezogen.



Die Geschichte des Pride Month beginnt in der Christopher Street

Ihren Ursprung finden diese Demonstrationen und Paraden im Juni 1969 in New York City. Homosexuelle oder trans Menschen galten damals noch als geisteskrank, wurden wegen Unzucht in Gefängnisse oder Zuchthäuser gesperrt, von der Gesellschaft ausgegrenzt – auch in Deutschland und den USA.

Das Stonewall Inn, das sich in der Christopher Street in New York befand, wurde in den 1960er Jahren zu einer gay bar, also einer Bar, die sich explizit an Menschen aus der LGBTQ-Community richtete. Während die Mitglieder der Community hier einen (einigermaßen) sicheren Platz suchten, witterten die Inhaber und Investoren vor allem das große Geschäft. Die Wandlung hin zur gay bar war von Mafia-Mitgliedern angestoßen worden, die regelmäßig Schutz- und Schmiergelder von ungeouteten, wohlhabenden Gästen erpressten.

Unter den Stonewall-Gästen waren viele Drag Queens und Kings, Lesben, trans Menschen und homosexuelle Schwarze und Latinos. Auch obdachlose Jugendliche, die beispielsweise nach ihrem Outing zuhause rausgeflogen waren, kamen ins Stonewall Inn.

Polizeirazzien und Polizeigewalt waren im Stonewall Inn an der Tagesordnung, denn das Lokal hatte keine Lizenz für den Ausschank von Alkohol und Homosexualität galt als Straftat. Die Mafia bezahlte die Polizei, damit die Bar geöffnet blieb – und die Polizei konnte im Stonewall Inn praktisch ein- und ausgehen, Alkohol beschlagnahmen und vor allem: Gäste verhaften. Damals war es üblich, die Festgenommenen am nächsten Tag namentlich in der Zeitung zu erwähnen – samt „Verbrechen“ (Homosexualität).

Normalerweise wussten die Barbetreiber und -gäste dank Maulwürfen bei der Polizei schon im Vorfeld von den Razzien. Diese fanden meist bereits früh am Abend statt, sodass nach der Razzia ganz einfach der zuvor versteckte Alkohol herausgeholt und weitergefeiert wurde.

Das berühmte Stonewall Inn im Jahr 2019. Bild: littlenySTOCK/Shutterstock

Die Situation am 28. Juni 1969 war aber eine andere. Die Polizei wollte wieder einmal eine Razzia durchführen, doch sie stieß auf Gegenwehr – vielleicht, weil sie unangekündigt erst weit nach Mitternacht auftauchte. Vielleicht aber auch, weil die als Drag King bekannte Stormé DeLarverie während ihrer Verhaftung die Menge aufgefordert haben soll, endlich etwas zu unternehmen.

Die LGBTQ-Community aus dem Stonewall Inn begann gegen die Polizisten zu demonstrieren und zu randalieren: Die Menschen schmissen Flaschen und Steine, drängten die Polizei mit Menschenketten ab und prügelten sich.

Die Polizei versuchte, die Situation unter Kontrolle zu bringen und ging ebenfalls teilweise gewalttätig vor, was die Menschenmenge noch zusätzlich befeuerte. Viele Passanten, die im lebhaften Greenwich Village unterwegs waren, schlossen sich den Protesten an. Erst nach 2 bis 3 Stunden gelang es der Polizei, die Straße zu räumen.

Die Unruhen an diesem 28. Juni am Stonewall Inn waren Auftakt für weitere Proteste und Demonstrationen gegen die Diskriminierung und Polizeigewalt und Anstoß für die moderne LGBTQ-Bewegung, die sich für mehr Rechte und Gleichbehandlung einsetzte und -setzt. Aus diesen Unruhen entwickelten sich schließlich die bunten Pride-Paraden, die wir heute kennen und der Pride Month, der jedes Jahr im Juni stattfindet.

In Anlehnung an die Adresse des Stonewall Inn setzte sich im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung „Christopher Street Day“ durch. Die Paraden zum CSD finden in Deutschland zwar auch überwiegend im Sommer statt, aber nicht ausschließlich im Juni.

Die Bedeutung des Pride Month

Die Bezeichnungen „Pride Month“ oder „Gay Pride“ sind dabei bewusst gewählt: „Pride“ ist das englische Wort für Stolz und soll signalisieren, dass sich queere Menschen nicht (mehr) dafür schämen sollten, so zu sein, wie sie sind. Der Pride Month steht für Stolz, Toleranz und Selbstbewusstsein – und kämpft damit gegen Kriminalisierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung.

Vielerorts finden im Juni anlässlich des Pride Months Veranstaltungen von und mit Menschen aus der LGBTQ-Gemeinde statt. Einerseits soll all jenen gedacht werden, die ihr Leben im Kampf für die Rechte von queeren Menschen gelassen haben. Andererseits soll dieser Monat auch auf noch immer bestehende Ungerechtigkeiten hinweisen. Und nicht zuletzt soll der Pride Month auch die Vielfalt der Gesellschaft feiern, queere Menschen mit Stolz erfüllen und alle zu einem friedlicheren Miteinander bewegen.

Und obwohl sich seit 1969 viel getan hat, hat der Pride Month noch immer seine Berechtigung. In vielen Ländern ist Homosexualität auch heute noch strafbar und auch in Deutschland gibt es noch immer Gewalt gegen LGBTQ-Menschen. Im Jahr 2020 kam es laut Bundesinnenministerium zu 578 Straftaten, die gegen die sexuelle Orientierung gerichtet waren sowie zu 204 transphoben Straftaten (gegen Geschlecht/ sexuelle Identität gerichtet).

Die Bedeutung des Pride Months ist also nach wie vor groß: Als Zeichen für eine bunte, tolerante Gesellschaft und auch als Protest gegen Ungerechtigkeiten.

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