Ensemble und Choreografen der Produktion „Deuces“ beim Schlussapplaus gemeinsam auf der Bühne des Theaterhauses. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Für die Geldnöte des Theaterhauses sieht Eric Gauthier eine Lösung, wie er bei der Premiere von „Deuces“ sagte: Die „Solution“ sitze vorn im Saal. Gemeint war OB Fritz Kuhn. Dieser hofft, in zwei Wochen einen Weg aus der Krise zu finden.

Stuttgart - Stuttgart ohne Theaterhaus und ohne Gauthier Dance? Für viele ist dies unvorstellbar. „Stuttgart ohne Fernsehturm und ohne Rössle geht ja auch nicht“, war bei der Premierenparty in der Nacht zum Sonntag in der Kulturstätte zu hören, die in finanzielle Schieflage geraten ist. Die frenetisch umjubelte Premiere der Produktion „Deuces“, bei der acht renommierte Choreografen mit acht Duo-Nummern die Vielfalt des Tanzes so ergreifend wie aufwühlend präsentieren, hat gezeigt, dass tänzerische Weltklasse auch oberhalb des Kessels zuhause ist, nicht nur unten am Eckensee.

Die Verantwortlichen des Theaterhauses haben in einem Brief an Kulturpolitiker in Stadt und Land nun allerdings das Schreckensbild einer drohenden Insolvenz gezeichnet. Die Begrüßung der Premierengäste nutzte der Künstlerische Leiter Eric Gauthier im ausverkauften Saal T 1 dazu, sich besonders bei Stefan Wolf zu bedanken, dem Vorstandsvorsitzenden der ElringKlinger AG, die über Jahre Gauthier Dance als Sponsor gefördert hat.

„Im Grunde ist das Theaterhaus schon immer unterfinanziert“

Wolf hörte das öffentliche Lob nicht. Aus Verärgerung über Theaterhaus-Chef Werner Schretzmeier war er nicht erschienen. Wie es heißt, will er nie wieder einen Fuß ins Theaterhaus setzen. Die ElringKlinger AG hatte ihre in Aussicht gestellten Sponsorengelder in Höhe von 300 000 Euro für dieses Jahr zurückgezogen. Wenig diplomatisches Geschick wird nun Schretzmeier vorgeworfen, der den Sponsor mit seiner Kritik sehr verärgert hat. Der Theaterhaus-Intendant bleibt gelassen angesichts des Vorwurfs, es fehle ihm an Fingerspitzengefühl. „Was soll man machen“, fragte er, „wenn einem das Wasser bis zum Hals steht?“

Das Theaterhaus sei im Grunde schon immer unterfinanziert, so Schretzmeier. Mit Sponsorengeldern habe man immer Löcher gestopft. Allein der Personaletat mache bei etwa 100 Festangestellten rund 4,4 Millionen Euro aus. 2,9 Millionen bekomme das Haus von Stadt und Land. „Wir müssen also jährlich 1,5 Millionen Euro generieren, nur damit das Personal bezahlt ist“, rechnet der 75-Jährige vor. Ein Betrieb, der nicht einmal sein Personal bezahlen könne, existiere an der Kante. Durch den heißen Sommer 2018 seien Zuschauer weggeblieben. Bereits vor drei Wochen habe sich das Theaterhaus mit seinen Geldsorgen direkt an Stadt und Land gewandt – es habe keine Reaktion gegeben. Deshalb habe der Verein nun den Brief an die Kulturpolitiker geschrieben.

Das Premierenpublikum feiert Gauthier Dance tosend

Der Stuttgarter CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann, der ebenfalls die Premiere von „Deuces“ mitgefeiert hat, kann nicht verstehen, warum es aus dem Rathaus und dem Staatsministerium drei Wochen lang keine Reaktion auf den Notruf des Theaterhauses gegeben hat. Dass sich OB Fritz Kuhn (Grüne) von Eric Gauthier nun als „Solution“ feiern lasse, überrasche deshalb schon.

Bei der Premierenparty sagte der Rathauschef, er wolle den Beratungsgremien nicht vorgreifen. Doch er hoffe, dass man innerhalb von zwei Wochen Wege und Mittel finden könne, um das Theaterhaus zu retten. Werner Schretzmeier bittet darum, dass die Stadt 400.000 Euro und das Land 200.000 Euro übernehmen. Dies wäre „angemessen“, findet er. In der 34-jährigen Geschichte des Theaterhauses habe er schon „so manchen Sturm“ erlebt, weshalb er zuversichtlich ist, auch die momentanen Geldprobleme überstehen zu können. Das Premierenpublikum feierte Gauthier Dance und die acht angereisten Choreografen tosend.

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