Ronny Walter besitzt seit 1997 eine Dauerkarte für die Spiele des FC Bayern München. Foto: privat

Ronny Walter ist Präsident des Bayern-Fanclubs Adler Bretten. Wie er die aktuelle Krise des Fußball-Rekordmeisters einschätzt – und warum VfB-Trainer Sebastian Hoeneß nicht die Wunschlösung für die Tuchel-Nachfolge ist.

Ronny Walter folgt dem FC Bayern überall hin. Ganz egal, wo der deutsche Fußball-Rekordmeister gerade ein Spiel bestreitet, Walter ist so gut wie immer dabei – seit 1997 und auf der ganzen Welt: Ob in Porto oder Peking, ob es ein Testspiel ist oder die Champions League – Hauptsache Bayern. „Man kann es vielleicht als Sucht bezeichnen“, sagt der Präsident des Fanclubs „Adler 86 Bretten“, der in der Stadt im Landkreis Karlsruhe seinen Sitz hat. Nach drei Niederlagen in Folge und der angekündigten Trennung von Trainer Thomas Tuchel zum Saisonende leiden die etwa 80 bis 90 Bayern-Fans der „Adler Bretten“ mit ihrem Herzensclub.

 

Schadenfreude bei den KSC-Fans rund um Bretten

Walter erzählt, die Anhänger des Zweitligisten Karlsruher SC, rund um Bretten in der Überzahl, würden bereits schadenfroh frotzeln: ‚Willkommen in unserer Welt’. Jetzt bekomme der 46-Jährige auch mal zu spüren, wie leidvoll das Leben als Fußballfan manchmal sein kann – wenn auch auf einem Niveau mit höheren Ansprüchen.

Der Bayern-Fanclub „Adler Bretten“ vor einem Champions-League Spiel im Jahr 2000 in Porto. Foto: privat

Denn dem Rekordmeister droht eine titellose Saison: Im DFB-Pokal gegen den 1. FC Saarbrücken rausgeflogen, in der Bundesliga acht Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Leverkusen – und in der Champions League sieht es nach der 0:1-Hinspielniederlage gegen Lazio Rom nicht unbedingt nach Viertelfinale aus. Das entspricht nicht den Zielen des FC Bayern München.

Entlassung von Tuchel-Vorgänger Nagelsmann falsche Entscheidung

Die erste Konsequenz aus der Misere wurde am vergangenen Mittwoch verkündet: Bayern-Trainer Thomas Tuchel muss am Saisonende gehen. Für Walter ein überfälliger Schritt. Dies sei zwar seine persönliche Meinung, betont der 46-Jährige, aber er ist sich sicher, dass die anderen Bayern-Anhänger der „Adler Bretten“ ähnliche Positionen zur aktuellen Lage beim Rekordmeister vertreten.

„Eigentlich halte ich immer lange zum Trainer“, sagt Walter. Deshalb habe er sich auch vor etwa einem Jahr gegen die Entlassung von Tuchels Vorgänger Julian Nagelsmann ausgesprochen: „Da wurde ohne Not ein Fass aufgemacht – nur weil Tuchel gerade auf dem Markt war. Aber das ist zu wenig, um einen Trainer zu entlassen“, sagt der 46-Jährige. Doch was er jetzt beobachte – besonders seit der Winterpause – seien nicht die Bayern, wie er sie kenne. „Die Mannschaft wirkt total verunsichert und fällt nach Gegentoren in sich zusammen“, klagt er. Das habe die jüngste 2:3-Niederlage beim VfL Bochum wieder gezeigt.

„Hansi Flick hätte ich mir gut als Feuerwehrmann vorstellen können“

Ob sich das nach der verkündeten Trennung schnell ändern wird? Schließlich gibt Tuchel noch bis zum Saisonende die Kommandos an der Seitenlinie. Walter hat da seine Bedenken: „Normalerweise geht es nie gut, wenn eine Beziehung zerrüttet ist und man versucht, das noch zu Ende zu bringen“, sagt er. Wie reagieren etwa die Spieler auf einen Trainer, der im Sommer weg ist? Was passiert, wenn der FC Bayern aus der Champions League ausscheidet und in der Bundesliga weitere Spiele verliert? „Ich bin mir unsicher, ob Tuchel das durchhält“, sagt Walter.

Der Bayern-Fan hätte sich stattdessen einen klaren Cut gewünscht – mit einem „Feuerwehrmann“ an der Seitenlinie. „Hansi Flick hätte ich mir gut vorstellen können“, sagt Walter. Früher seien Franz Beckenbauer oder Jupp Heynckes für solche Rollen prädestiniert gewesen.

Der VfB Stuttgart deutlich besser als die Bayern im Duell gegen Leverkusen

Die Wunschlösung für den Tuchel-Nachfolger im Sommer sei klar: Xabi Alonso, der aktuelle Trainer von Meisterkonkurrent Bayer Leverkusen. Auch über Sebastian Hoeneß würde er sich genau wie die „Adler Bretten“ nicht beschweren, doch dem aktuellen VfB-Coach fehlten die Titel, die Alonso als Spieler vorweisen kann. Zudem komme der Leverkusen-Coach aller Voraussicht nach als Meistertrainer nach München – und das mit einem Verein, den vor der Saison nicht alle als heißen Titelkandidaten auf dem Zettel hatten.

Ebenso wenig hätte jemand den VfB Stuttgart als Champions-League-Aspiranten vermutet. „Für mich kommt das sehr, sehr überraschend“, sagt Walter. Dieser Erfolg sei zu einem großen Teil Sebastian Hoeneß zuzuschreiben. Der VfB habe es auch gegen Leverkusen im DFB-Pokal-Viertelfinale (2:3) deutlich besser gemacht als der FC Bayern in der Liga (0:3).

An diesem Samstag mit einem 50-Mann-Bus von Bretten nach München

„Das verdient Respekt und Anerkennung“, sagt Walter. Denn sein Herzensclub sei im Duell mit Leverkusen dagegen „fast gedemütigt“ worden. Dabei hätte genau dieses Topspiel der Moment sein können für den großen FC Bayern: „Da kannst du ganz Deutschland zeigen, wer die Nummer eins ist“, sagt Walter.

Nächste Chance in einem Topspiel: An diesem Samstagabend (18.30 Uhr) gegen RB Leipzig. Da sehnen die Bayern-Fans die seit Langem erwartete Reaktion der Münchner herbei. Walter ist skeptisch: „Ich tue mir schwer zu sagen, dass jetzt der Knoten platzt.“ Aber er und die anderen Bayern-Fans der „Adler Bretten“ wollen dafür sorgen, dass es in der Allianz-Arena zumindest an Unterstützung von den Rängen nicht mangelt: Mit einem 50-Mann-Bus geht es von Bretten nach München.