Die Gewinner freuen sich am Badesee über ihre Schecks. Foto: Gottfried/ Stoppel

119 Plüderhäuser haben bei der Deutschen Postcode-Lotterie gewonnen. Sie teilen sich 1,4 Millionen Euro. Beim Gewinnerfest am Badesee wurde gemeinsam gefeiert.

Während die Angler am Weiher ihre Köder auswerfen und geduldig auf einen guten Fang hoffen, haben die Besucher des Gewinnerfests beim Badesee am Samstag ihre dicken Fische bereits an Land gezogen. Sie alle hatten ein oder mehrere Lose der Deutschen Postcode-Lotterie gekauft und bei der jüngsten Ziehung des Monatsgewinns das Glück auf ihrer Seite.

 

Besonderen Grund zur Freude haben drei von ihnen; denn sie gewinnen dank ihres gezogenen Postcodes „73655 CK“ gemeinsam 700 000 Euro. Ex-Eiskunstlaufstar Katarina Witt als Lotterie-Botschafterin überreichte den drei Hauptgewinnern ihre Schecks über jeweils 233 333 Euro am Samstagmorgen persönlich. In einem Fall handelt es sich um das Ehepaar Sabine und Achim, die ihren Nachnamen, wie die meisten Gewinner, nicht in der Zeitung lesen wollen: „Ich hatte meinem Mann nix gesagt und das Los gekauft in der Hoffnung, dass ich ihm vom Gewinn ein Motorrad kaufen kann“, sagt die 58-Jährige. Den fahrbaren Untersatz der Marke Triumph kann sie schon mal bestellen. Was sie allerdings nicht wusste: Auch ihr Mann hatte heimlich ein Los gekauft – und nun haben beide gewonnen. Somit gingen insgesamt 466 666 Euro an das Plüderhäuser Paar. „Vielleicht bekomme ich von ihm ja ein neues Schlafzimmer, das ich mir schon lange wünsche.“ In jedem Fall soll ein Teil des Geldes an die beiden Kinder Lisa und Adrian gehen, und einen ordentlichen Betrag wollen die beiden spenden.

119 Plüderhäuser haben 173 Lose gekauft

Das hat sich auch ihre Nachbarin Suse vorgenommen, die für ihre Los mit identischem Postcode 233 333 Euro bekommt und mit der sie sich nach der Übergabe vor Freude in den Armen lag. „Ich habe noch nie was gewonnen und kann es immer noch nicht glauben“, sagt Suse. Ein neues Auto brauche sie nicht, erklärt sie auf Nachfrage: „Mir reicht mein Fiatle“, sagt das Plüderhäuser Urgestein. Aber ein paar Renovierungen am Haus dürften es schon sein, fügt sie an. „Das wollte ich nach und nach machen. Jetzt wird das in einem Rutsch erledigt.“ Und seit 40 Jahren sei sie nicht mehr verreist gewesen, einen Urlaub hole sie jetzt mit ihrer Tochter Tanja nach. „Viel ändern wird sich in meinem Leben nicht“, sagt sie: „Ich bin eh am liebsten in meinem Garten bei meinen Blumen.“

Und nicht nur die Hauptgewinner hatten beim Fest am Samstag Grund zur Freude. Auch Dutzende der restlichen 116 Losbesitzer, die ihrerseits 700 000 Euro unter sich aufteilten, ließen sich das Fest nicht entgehen und strahlten um die Wette. Nach einem gemeinsamen Countdown zogen alle gleichzeitig ihren Scheck aus dem goldenen Kuvert und erfuhren erst dann, wie viel Geld sie genau bekommen sollten: 173 Lose waren verkauft und in der Ziehung, pro Los gab es also 4046 Euro. Benny zum Beispiel hatte sich zwei Lose gekauft und nimmt entsprechend 8102 Euro mit nach Hause. „Einwandfrei! Ich freu mich riesig.“, sagte der Familienvater. Gerade erst sei er zuhause mit Renovierungsarbeiten fertig geworden. Da könne die Finanzspritze nicht schaden: „Ich hatte so mit 1000 Euro gerechnet“, sagt er. Sein Postcode-Los habe er sich – wie übrigens auch die meisten der anderen Gewinner – nicht zuletzt auch deshalb gekauft, weil 30 Prozent der Einnahmen an soziale Zwecke gehen.

300 000 Euro gehen an die Tafel in Baden-Württemberg

Darunter auch der Tafel-Landesverband Baden-Württemberg, dessen Vorsitzender Wolfhart von Zabiensky am Samstag in Plüderhausen von Lotterie-Botschafterin Katarina Witt mit einem Förderscheck in Höhe von 300 000 Euro überrascht wurde. Der Bedarf sei höher denn je, machte der Vorsitzende deutlich: Die Herausforderungen für die 146 Tafeln mit ihren rund 150 000 Kunden in Baden-Württemberg sind groß. Immer mehr Menschen seien auf das Angebot der Tafeln angewiesen. „Vor zwei Jahren hatten wir in Offenburg, wo ich herkomme, etwa 1000 Kunden, mittlerweile sind es dort 2100 – quer durch alle Schichten“, sagt von Zabiensky. „Und es gibt immer mehr Kunden, die im Berufsleben stehen und trotzdem unter der Armutsgrenze leben.“

Besonders schwer sei es auch für viele Rentner. „Wartezeiten von bis zu zwei und drei Stunden sind für sie nicht zu schaffen.“ Das Geld solle in Logistik und Personal fließen. „Wir wollen damit Transporte bezahlen, um größere Warenmengen in der Region zu verteilen.“ Außerdem solle das Geld für Seminare für ehrenamtlichen Mitarbeiter ausgegeben werden, beispielsweise zur Nahrungsmittelhygiene. „Mein Dank gilt allen Loskäufern, die diese Förderung möglich gemacht haben“, sagte er.

Deutsche Postcode Lotterie

Soziallotterie
 Die Deutsche Postcode Lotterie ist eine so genannte Soziallotterie, das heißt es gehen mindestens 30 Prozent aller Loseinnahmen an Projekte aus den Bereichen Chancengleichheit, sozialer Zusammenhalt sowie Natur- und Umweltschutz. So förderte die Postcode Lotterie nach eigenen Angaben seit ihrer Gründung im Jahr 2016 in Deutschland bereits über 4400 grüne und soziale Projekte mit mehr als 150 Millionen Euro. Über die Auswahl der Projekte entscheidet ein Beirat unter Vorsitz von Professorin Rita Süssmuth.

Monatsgewinn
 Dem Konzept der Postcode Lotterie nach nehmen Losbesitzer mit ihrem „Postcode“ teil. Dieser besteht aus der Postleitzahl ihres Wohnorts und zwei automatisch vergebenen Buchstaben für ihre Straße. Ein Postcode umfasst mehrere Privathaushalte, weshalb ganze Nachbarschaften zusammen gewinnen und zugleich Gutes tun. Jede Person kann maximal drei Lose à 12,50 Euro erwerben. Beim Monatsgewinn werden insgesamt 1,4 Millionen Euro verteilt – alle Lose mit dem gezogenen Postcode teilen sich 700 000 Euro und die übrigen Lose mit der dazugehörigen Postleitzahl ebenfalls.